Mitglieder des 1. FC Union in der Verti Music Hall in Friedrichshain bei der Mitgliederversammlung des Klubs.
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Berlin-FriedrichshainMitgliederversammlungen von Bundesliga-Klubs sind selten fröhliche Veranstaltungen. Vor knapp zwei Wochen verabschiedete sich Uli Hoeneß auf einer solchen tapfer von seinem FC Bayern, musste später aber noch einmal über die kritischen Stimmen einiger Mitglieder an ihrem Klub schimpfen. 

Am vergangenen Sonntag fühlte sich Borussia Dortmunds Geschäftsführer Aki Watzke auf dem Mitgliedertag des BVB gezwungen, Trainer Lucien Favre gegenüber erbosten Anhängern sein Vertrauen auszusprechen.

Zum Glück blieb Dirk Zingler eine solche Gruselveranstaltung am Mittwochabend erspart. Der Präsident des 1. FC Union konnte sich nach dem historisch schönen Jahr in Köpenick, gekrönt vom erstmaligen Aufstieg seiner Eisernen in die Bundesliga, auf eine Gute-Laune-Versammlung freuen - gab es den 2229 anwesenden Mitgliedern doch (fast) nur positives zu berichten.

Die emotionalen Bilder vom Aufstieg wurden noch einmal gezeigt, genauso wie die aktuellen Bundesliga-Highlights. Als das 1:0 gegen Hertha durch Sebastian Polter noch mal fiel, war der Jubel riesig. „Das alles ist für ewig auf meiner Festplatte abgespeichert“, sagte Trainer Urs Fischer. Und Manager Oliver Ruhnert sprach von Momenten, „die man nie vergisst.“ Danach sprachen Zingler und Kollegen mit den Anhängern der Unioner unter anderem über...

...die rasant wachsende Mitgliederzahl

34.681 Mitglieder haben die Eisernen aktuell. Seit dem Aufstieg im Sommer sind über 13.000 neue Fans dazugekommen. 35 Prozent der Neu-Mitglieder kommen nicht aus der Hauptstadt und zwei Prozent sind sogar international. Zingler glücklich: „Wir haben ein rasantes Mitgliederwachstum vorzuweisen und sogar viele, die nicht aus dem Osten kommen. Das freut uns sehr.“ Und auch personell wächst der Klub. 306 Mitarbeiter hat der Bundesliga-Neuling zurzeit, im Vorjahr waren es noch 278. Dabei hilft, dass die Zahl der Sponsorenmit dem Aufstieg von 407 auf 452 nach oben gegangen ist.

...die wirtschaftliche Entwicklung

In der Saison 2018/2019 nahm der Klub noch 54,687 Mio. Euro ein und gab 54,439 Mio. aus. Dieses Jahr ist alles anders. „Die letzte Saison war natürlich von erheblichen Sondereffekten geprägt“, so Zingler. Für die Bundesliga-Saison planen die Bosse mit Einnahmen von 74,481 Mio. Euro, wovon allein 16,696 Mio. aus TV-Geldern kommen sollen. Die Ausgaben sollen sich auf 74,356 Mio. Euro belaufen – das wäre ein Plus am Ende von 125.000 Euro. 27,4 Mio. Euro fließen in den Profi-Kader (Trainer, Betreuer, Scouting, Transfers) - neun Mio. mehr als im Vorjahr. „Wir planen konservativ“, sagte Zingler. „Der Klassenerhalt steht über allem. Dann wären wir richtig glücklich.“

...den Ausbau des Stadions An der Alten Försterei

„Wir wollen so schnell wie möglich ein neues Stadion haben und Tempo machen“, betonte Zingler. Bis spätestens Ende 2020 will Union das Baurecht haben. Klar ist: Die Eisernen wollen das ganze Gelände im Zuge der Stadionerweiterung kaufen und die Försterei von 22.000 auf 37.000 Plätze ausbauen. Im Sommer 2020 soll der Bau des neuen Nachwuchsleistungszentrum starten.

...die sportlichen Ziele

„Wir sind natürlich alle positiv überrascht und stolz, dass wir 16 Punkte haben“, so Zingler. „Man kann sagen, dass wir angekommen sind in der Bundesliga.“ In den wirtschaftlichen Planspielen haben sich die Bosse ein klares Saisonziel gesetzt. Oskar Kosche (52), Geschäftsführer Lizenzierung, verriet: „Wir haben den Klassenerhalt mit 36 Punkten einkalkuliert.“ Klar ist, dass sich der Klub auf Dauer in der Bundesliga etablieren will. Zingler: „Es ist nicht mein Ziel, am Ende des Jahres Millionen-Erträge zu erwirtschaften. Wir wollen kontinuierlich wachsen. Nur sportlicher Erfolg erzeugt wirtschaftliche Stabilität.“ Vorbilder sind Mainz (145 Mio. Jahresumsatz in 18/19), Augsburg (95) oder Freiburg (96). Zingler bremste aber die Euphorie etwas: „Zurzeit sind wir rund 25 Mio. Euro von den genannten Vereinen entfernt.“

...die Rivalität zu Hertha BSC

Rückblickend sagte Zingler über das skandalträchtige Derby gegen Hertha: „Es gibt Gruppen, die entspannt sind, und es gibt Gruppen, die sich stärker rivalisiert haben. Vor allem bei der jungen Generation ist das so. Das ist aber vollkommen normal.“ Zingler kündigte indes Konsequenzen für die Platzstürmer aus dem eigenen Block an: „Es wird zu Haus- und Stadionverboten kommen. Wir haben umfangreiches Videomaterial vorliegen und gehen davon aus, dass uns das gelingt.“ Der Klub rechnet mit einem Urteil durch das DFB-Sportgericht im Januar.