Union Berlin: Nemec' slowakische Stille

Im Reigen der wortkargen Fußballprofis von Union Berlin ist Adam Nemec der unübertroffene Meister der Stille. Seine Antworten sind ausnahmslos kürzer als die Fragen, die dem Stürmer gestellt werden. Die Reaktion auf die Kritik, die über ihn in den Fanforen von Union geäußert wurde? „Ich bleibe einfach cool.“ Die Wirkung seines ersten Tores in der 500. Einsatzminute für Union in der Zweiten Liga? „Eine Befreiung.“

Obwohl der seelisch befreite Nemec mit dem singulären Erfolgserlebnis die vereinsinterne Sturmkonkurrenz Silvio überflügelt hat, fordert er für die Partie gegen den MSV Duisburg (Mittwoch, 17.30 Uhr) keinen Platz in der Startformation. Dafür ist Nemec viel zu höflich.

Ein leichtes Missbehagen klang nach der Torpremiere gegen 1860 München trotzdem an. „Man kann in 20 Minuten nicht so viel zeigen“, sagte der Stürmer. Natürlich würde Nemec diese sachliche Feststellung niemals als Vorwurf verstanden wissen – schon gar nicht als Kritik am Trainer.

„So ist Fußball.“

Klaglos fügte er sich nach der Partie gegen 1860 ins Training mit den Ersatzspielern. 25 Minuten – so seine genaue Einsatzzeit gegen München – reichen unter dem Kommando von Uwe Neuhaus trotz Tor nicht aus, um ein Spieltagswochenende mit lockerem Auslaufen ausklingen zu lassen.

Danach gefragt würde Nemec seinen Standardspruch aufsagen: „So ist Fußball.“ Häufig erweckt er den Eindruck, als sei das Fußballerdasein ein Schicksal, dass er als Stürmer nur geringfügig beeinflussen kann. In den 500 Minuten bis zur Befreiung war er bei neun, meist kurzen Einsätzen ohne Tor und Vorlage geblieben. „Manchmal hat man eine Chance und schießt von der Kabine ein Tor. Manchmal hat man 15 Möglichkeiten und der Ball geht einfach nicht rein“, philosophiert Nemec vor dem Spiel gegen Duisburg.

Die Fans akzeptieren so eine Torflaute hingegen nicht so leicht. Schließlich hatte die Ankunft des zweifachen slowakischen Nationalspielers zwei Wochen vor Saisonbeginn ähnliche Erwartungen geweckt wie drei Jahre zuvor beim 1. FC Kaiserslautern. Dort hatten sich im Juli 2009 die Anhänger im FCK-Forum noch über den „Knaller-Transfer“ gefreut. Acht Monate später war zu lesen, dass Nemec „zu schlecht für die Zweite Liga und erst recht für Höheres“ sei. Im Union-Forum gipfelte die Unzufriedenheit vor kurzem im Spitznamen „böhmischer Knödel“.

Endlich eine gute Flanke

Nemec nimmt das hin, unaufgeregt und abgeklärt. Wenn der 27-Jährige spricht, greift er sich an die Stirn, sein Zeigefinger ruht auf der linken Schläfe. Er sagt: „Sich unter Druck zu setzen ist nicht gut. Deswegen mache ich das nicht.“ Nemec beschwert sich nicht. Er arbeitet. Wenn er im System von Neuhaus die Bälle anstoppen, behaupten und weiterleiten soll, ohne selbst von seinen Mitspielern in Schussposition gebracht zu werden, dann macht er das eben. So ist Fußball, so ist Nemec.

Nur versteckt deutet der Mann mit der Nummer 32 Wünsche an. Etwa, wenn er mit der eigenen Unzulänglichkeit bei der Chancenauswertung gegen München hadert, weil es doch „endlich mal eine gute Flanke“ war. Zu selten bekommt der 1,90 Meter große Angreifer Verwertbares auf den Kopf serviert. Mit dem genesenen Michael Parensen und Patrick Kohlmann ist die linke Seite nun aber wieder dynamischer und flankenfreundlicher besetzt, so dass der stille Mann im Sturm hoffen darf, dass ihm das Fußballschicksal weitere Tore beschert.