Union Berlin - RB Leipzig: Tragödie und Lehrstück für Aufstiegshelden des 1. FC Union

Berlin - Von einem Drama ist im Fußball gern mal die Rede. Auch weil die Beobachter gern mal zur Überzeichnung des Geschehens neigen. In dem hier zu beschreibenden Fall, dem Bundesligadebüt des 1. FC Union, das am Sonntagnachmittag im Stadion An der Alten Försterei über die Bühne ging, ist aber die Bezeichnung wohl durchaus angebracht. Die Auseinandersetzung der Eisernen mit dem von den Union-Fans so ungeliebten Bundesligaspitzenklub RB Leipzig war nämlich in jedweder Hinsicht ein Schauspiel.

Wegen des zunächst gerührten, zwischenzeitlich enthusiastischen, noch später doch arg enttäuschten Publikums. Wegen des Wetters, da in der ersten Hälfte über der legendären Spielstätte doch schon ein fast unheimlicher, geradezu künstlich wirkender Starkregen darnieder ging. Wegen der Vielzahl an tragischen Figuren, die allesamt aufseiten des Gastgebers zu finden waren. Ja, diese Premiere des 1. FC Union in der höchsten Spielklasse wurde zur Tragödie und zum Lehrstück für die Aufstiegshelden in Rot und Weiß und für diejenigen, die im Sommer zur Verstärkung des Kaders nach Köpenick gekommen waren. Das ließ sich nach 90, aus Sicht der Unioner doch verstörenden Minuten auch am Endergebnis ablesen. Es lautete 0:4 (0:3) und spiegelte letztendlich einen Klassenunterschied wieder.

Der Schrecken nahm vor 22.467 Zuschauern schon in der 16. Minute für Union seinen Anfang, also wenige Sekunden, nachdem die Union-Fans ihren Stimmungsboykott mit Countdown und explosiven Support beendet hatten. Wobei man in der Analyse die Schuld natürlich an Suleiman Abdullahi festmachen kann. Der Außenstürmer war bei einem Angriff der Leipziger viel zu spät seiner Pflicht nachgekommen, für den nach innen gerückten Rechtsverteidiger Christopher Trimmel die Seite zuzumachen, spurtete sich zwar noch mal flugs in einen Zweikampf mit Marcel Halstenberg, wurde von ebendiesem mit einer kurzen Drehung ins Leere geschickt. Halstenberg blieb noch genügend Zeit, um sich für den gezielten Torschuss in die Balance zu bringen, überwand schließlich Keeper Rafal Gikiewicz mit einem Schlenzer. Aber mal ehrlich, war das von Trainer Urs Fischer nicht viel zu riskant, Abdullahi in die Startelf zu nehmen. Der Nigerianer war ja aufgrund von Passproblemen erst in der dritten Woche der Vorbereitung zum Team gestoßen, hatte auch in den Testspielen nur wenig Spielpraxis gesammelt.

Lange Fehlerketten bei Union

Auch beim zweiten Gegentreffer, den Sabitzer in der 31. Minute mit einem Linksschuss von der Strafraumgrenze herbeiführte, lässt sich die Schuldfrage nicht so leicht beantworten. Sicher, Trimmel hatte den Ball etwas leichtfertig in der Vorwärtsbewegung an Halstenberg verloren, aber musste das sein, dieser schnelle Abwurf von Gikiewicz auf Trimmel, der sich auf seiner Seite doch in einer Unterzahlsituation befand?

Beim 0:4 gestaltet sich die Sache noch etwas komplizierter, weil die Fehlerkette dabei noch etwas länger war. Schlussendlich kam Sabitzer nach einer Flanke von Halstenberg frei zum Kopfball, zielte aber nicht aufs Tor, sondern eröffnete dem eingewechselten Christopher Nkunku die Chance zum Abstauber.

Immerhin: Das 0:3 in der 42. Minute ist – wenngleich auch hier die Abwehr des 1. FC Union im Kollektiv doch sehr schläfrig wirkte, vor allem auf die Klasse von Nationalspieler Timo Werner zurückzuführen.

Das Bedenkliche an diesem Vortrag des Aufsteigers war aber letztlich die Tatsache, dass es für die Elf von Urs Fischer nicht eine Großchance zu verzeichnen gab. Auch nicht, als der Fußballlehrer aus der Schweiz zur zweiten Hälfte Anthony Ujah statt Christian Gentner ins Spiel brachte, als Unterstützung für den einsamen Sebastian Andersson. Und auch nicht in den Phasen, als RB nicht ganz so intensiv presste.