Jubelpose: Unions Sebastian Andersson (vorne) erzielte einen Doppelpack in Mainz.
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MainzSchon nach den ersten 45 Minuten feierten und tanzten die 2700 mitgereisten Union-Fans ausgelassen im Gästeblock. „Stadtmeister! Stadtmeister! Berlins Nummer eins“, hallte es durch die Mainzer Arena. Mit 2:0 führten die Eisernen zu dieser Zeit bereits beim FSV Mainz 05. Hinterher stand es 3:2. Der Dreier in Rheinhessen ist ein historischer für den 1. FC Union, schließlich ist er der erste Auswärtssieg in der noch jungen Bundesliga-Historie des Vereins. Und das Rezept dafür war einfach wie genial: Christopher Trimmel flankt, Sebastian Andersson köpft. Aber der Reihe nach ...

Trainer Urs Fischer stellte seine Mannschaft im Vergleich zum 1:0-Sieg im Derby gegen Hertha BSC nur auf einer Position um. Sebastian Polter, der das Siegtor gegen die Blau-Weißen erzielte, kam zu seinem ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison und verdrängte Marius Bülter auf die Bank. An Polters Seite stürmte Sebastian Andersson, hinter den Spitzen wirbelte Marcus Ingvartsen. „Wir wollen Gefahr für den Gegner erzeugen. Das können wir gerade mit der Wucht eines Sebastian Polter“, begründete Fischer vor dem Anpfiff am Sky-Mikrofon seine Entscheidung.

Eigentor lässt den 1. FC Union jubeln

Union legte gegen die anfangs arg verunsicherten Mainzer, die eine Woche zuvor mit 0:8 gegen RB Leipzig verloren hatte, gleich gut los. Christian Gentner (14./Dropkick) und Christopher Lenz (18.), die beide aus kurzen Distanzen übers Tor schossen, hatten jeweils die Führung auf dem Fuß. Mainz fand folglich etwas besser in Spiel und hatte durch Jean-Paul Boetius (19.) und Adam Szalai (20./Keeper Rafal Gikiewicz parierte) gute Chancen. In der 28. Minute wurde ein Mainzer Konter richtig gefährlich, allerdings schoss Ridle Baku aus 16 Metern rechts am Tor vorbei.

In der 30. Minute ging Union dann durch ein Eigentor von Daniel Brosinski in Führung. Christopher Trimmel brachte eine Flanke von rechts in den Strafraum, wo Ingvartsen und Brosinski zum Ball gingen. Der Mainzer fälschte den Ball letztlich entscheidend ins Tor ab - das 1:0 für Union.

Kurz darauf musste Innenverteidiger Keven Schlotterbeck, der den Ball voll ins Gesicht bekam, für Michael Parensen ausgewechselt werden (33.).

Die 2700 mitgereisten Union-Fans mit einer Botschaft: Berlins Nummer eins!
Foto: Matthias Koch

Noch vor der Pause legte Union nach: Trimmel holte einen Eckball raus, trat diesen selbst und zielte punktgenau auf den Kopf von Andersson. Der Schwede kam mit viel Anlauf, stieg am höchsten und bugsierte den Ball wuchtig aus fünf Metern in die Maschen – das 2:0.

Sebastian Andersson legt nach der Pause nach

Auf dem Weg in die Kabine wurden die Mainzer Spieler von gellenden Pfiffen der 24.349 Zuschauer begleitet, während der Union-Anhang ihre im ungewohnten grau gekleidete Mannschaft feierte. Und es wurde aus Sicht der Köpenicker noch besser: Sechs Minuten nach Wiederanpfiff sorgte eine erneute Co-Produktion von Trimmel und Andersson für das 3:0. Wieder schlug der Kapitän eine Ecke, wieder köpfte Andersson die Kugel ins Tor.

Ein Fünkchen Hoffnung kam bei den Mainzern allerdings noch auf, als Karim Onisiwo in der 81. Minute nach Pass von Moussa Niakthaté den 1:3-Anschlusstreffer erzielte. Der starke Gikiewicz war machtlos. Wie aus dem Nichts gelang dem FSV sogar noch das 2:3 durch Brosinski (90.+4).

Am Ende stand allerdings der erste Auswärtsdreier für Union in der Bundesliga fest. Mit 13 Punkten nach elf Spielen stehen die Rot-Weißen nun sogar vor Hertha BSC, das gegen RB Leipzig verlor.

Stürmer Sebastian Polter abschließend: „Wir haben von Anfang an dagegengehalten und verdient mit 3:0 geführt. Am Ende haben wir ein bisschen den Faden verloren. Das darf uns nicht passieren. Da müssen wir einfach noch abgezockter sein.“