Beschwingt strebt Steven Skrzybski der Alten Försterei entgegen. Der junge Stürmer hat zuletzt Adam Nemec, einen slowakischen Nationalspieler, aus dem Kader des 1. FC Union verdrängt und darf am Abend gegen den Spitzenreiter aus Köln (18.30 Uhr) auf seinen dritten Startelfeinsatz hintereinander hoffen. Die Freude darüber aber versteckt er in der riesigen Kapuze seines blauen Pullis. Ein freundliches „hallo“, ansonsten kommt kein Kommentar aus den Tiefen der Kapuze. Der Stoff, der das Gesicht umhüllt, lässt nur ein schmales Sichtfenster. Der selbst auferlegte Tunnelblick signalisiert: Ablenkung unerwünscht. Skrzybski will sich endlich durchsetzen.

Es war ein Novembertag vor drei Jahren, wenige Tage vor seinem 18. Geburtstag, als Skrzybski erstmals im TV zu sehen war. Sieben Minuten lang durfte er sich gegen den FSV Frankfurt auf der Zweitliga-Fernsehbühne präsentieren. „Eine große Freude“ sei das gewesen, verriet er in der Schülerzeitung seiner ehemaligen Schule. Die Zukunft war verheißungsvoll. „Am Anfang ist es natürlich ein überragendes Gefühl, gefragt zu sein“, fügte er an.

Schnell aber merkte der damalige Oberschüler nach seinem Debüt, dass es nicht einfach ist, das Wesentliche im Fokus zu behalten. „Das ist alles so ungewohnt und extrem, dass es irgendwann zu viel wird“, vertraute er sich den lesenden Mitschülern an. Skrzybski ging in Deckung. Manchmal erweckte er bei seinen Kurzeinsätzen sogar den Eindruck, als würde er beste Torchancen nur deshalb vergeben, um nicht zum fälligen Interview zu müssen. Schaut man auf die Statistiken, ist seit der Zweitligapremiere vor drei Jahren nicht viel Extremes zusammengekommen.

Wucht oder Wendigkeit

Addiert ergeben die Einsatzzeiten bis heute ungefähr zehn komplette Spiele. Im vergangenen Sommer jedoch sprach vieles für einen baldigen Durchbruch. Der Angreifer hatte das Abitur abgelegt, und präsentierte sich im Training derart torhungrig, dass der Verein ihn bis 2015 an sich band. Nach dem Test gegen Dundee United hatte er sich im Juli so kämpferisch gegeben, wie es seine Bescheidenheit zulässt. „Man reift weiter, jede Vorbereitung ist ein Sprungbrett“, sagte er nach Sieg und Tor.

Dann verletzte er sich wieder einmal und fiel, kaum dass er sich von dem Bänderriss erholt hatte, erneut aus. So dass Uwe Neuhaus überlegte, ob es nicht sinnvoller sei, den 21-Jährigen für ein halbes Jahr zu verleihen. Die Rückkehr ins Team schien auf kurze Zeit aussichtslos zu sein. Nemec und Terodde trafen abwechselnd, daneben war im Einmannsturm von Union kein Platz. Skrzybski aber stieg im Winter wieder auf das Sprungbrett, und ließ sich von dem langen Anlauf nicht schrecken.

Das hat Neuhaus imponiert. Während sich der länderspielerfahrene Nemec im Training hängen ließ, pirschte sich Skrzybski aus dem Regionalligateam kommend am Slowaken vorbei. Der Trainer hält viel von dem technisch versierten Stürmer, der seit 2001 von der Jugendabteilung des 1. FC Union ausgebildet wurde. „Er hat den sichersten Abschluss“, lobt Neuhaus. Gegen Aue trat Skrzybski nach langem Warten den Beweis an, dass sein Coach damit nicht ganz falsch liegt und erzielte sein zweites Karrieretor.

Der 1,73 Meter große und 64 Kilogramm leichte Angreifer ist robuster geworden. Dennoch hat er in der laufenden Saison nur knapp 30 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen. Das sind zwanzig Prozent weniger als bei Terodde und Nemec. Mit ihm in der Spitze ist das Union-Spiel anders: nicht lang und hoch nach vorne, sondern steil und flach in die Tiefe. Fehlende Wucht gleicht er mit Wendigkeit aus.

Gegen den Tabellenführer wird er sich jedoch nicht nur auf seine Schnelligkeit verlassen können, denn auf ihn wartet die beste Abwehr der Liga. Nur 15 Treffer hat Timo Horn bislang kassiert, zuletzt blieb der Kölner Keeper fünf Mal ohne Gegentor. Gelänge es dem jungen Berliner diese Serie zu beenden, wäre dies nach dem Abitur die zweite abgelegte Reifeprüfung innerhalb eines Jahres. „Von ihm ist noch eine Menge zu erwarten“, glaubt Neuhaus. Der Stürmer sagt dazu lieber nichts. Sicher ist sicher.