Wenn es nur immer so einfach wäre. Mit einem Handgriff ist das Absperrgitter spaltbreit geöffnet, und schon ist der Weg frei für Fabian Schönheim, Martin Dausch und Sören Brandy. Während die Mitspieler brav um die Baustelle trotten, nimmt das Trio die Abkürzung über die zukünftigen Parkplätze vor der Haupttribüne. Aber so einfach wie beim Gang zum regenerativen Dauerlauf in den Wald ist es in der Zweiten Liga nun mal nicht. Anstatt kleinere Hürden in der deutschen Fußballprovinz locker zu überspringen, haben sich die Profis des 1. FC Union den Weg nach oben mit eigenen Fehlern verbaut. Beim 2:3 in Aue war das Fehlverhalten gar so markant, dass der Trainer in manchen Situationen die Ligatauglichkeit in Zweifel zog.

Der Frust saß tief, als sich die Fußballer am Montag an der Alten Försterei trafen. Nachdem sie zuvor schon aus Sandhausen mit leeren Händen zurückgekehrt waren, kamen auch in Aue null statt der eingeplanten drei Zähler auf das Punktekonto. Zwar hatte sich Uwe Neuhaus schon nach der Pleite in Sandhausen aus dem Aufstiegskampf verabschiedet, aber natürlich haben manche trotz aller offiziellen Beteuerungen auf die Tabelle geschielt, als die drittplatzierten Paderborner am Freitag patzten. „Wir haben nur auf uns geschaut“, sagt Damir Kreilach. Aber der stets ehrliche Mittelfeldspieler fügt an: „Das war eine Chance für uns, in der Tabelle nach oben zu kommen.“

Über den eigenen Möglichkeiten

Diese Möglichkeit ist nun endgültig ad acta gelegt. Union trennen weiterhin sieben Punkte vom Relegationsplatz. Kopf hoch, nach vorne schauen, positiv denken, so lauten die nach außen getragenen Floskeln. Die tiefe Ernüchterung im Inneren vermögen sie nicht zu überdecken. Denn es ist etwas zu Bruch gegangen, das sich nicht mehr im nächsten Spiel und im nächsten Spiel und im nächsten Spiel reparieren lässt. Fünf Partien verbleiben, aber der große Erfolg ist vertagt. „Wir besitzen eine Pflicht dem Verein und den Fans gegenüber, die Saison vernünftig zu Ende zu bringen“, sagt Torsten Mattuschka.

Obwohl der 33-Jährige wieder einmal die beste Saison seiner Karriere spielt – er unterstrich dies mit dem verwandelten Elfmeter und der Vorlage für Steven Skrzybski – konnte auch der Kapitän die Absperrung nicht öffnen, die Union von den großen Namen trennt. Elf Toren und elf Vorlagen des Spielmachers zum Trotz ist klar: Es geht wieder über Los geht, anstatt in den erhofften Erstligaurlaub.

Doch nicht nur die verspielte Aufstiegschance schlägt auf die Laune. Hinzu kommt die Unerklärbarkeit des anhaltenden Widerspruchs von Wollen und Können. Nach dem Sieg gegen Cottbus hieß es: Spiel gut, Stimmung gut, Training gut. Jetzt sagt Kreilach: „Ich weiß nicht, was in Aue passiert ist.“ Auch wenn er nicht immer an die starken Leistungen der ersten Spieltage anknüpfen konnte, ist der ehrgeizige Kroate einer der beständigsten Unioner. Wie seine Kollegen hat er immer wieder den Kopf gehoben und nach vorne geschaut. Aber der Rückblick nach 29 Spieltagen zeigt: Es ist nicht besser geworden. Das Frustrierende ist, dass man bei Niederlagen offenbar nicht unter Wert geschlagen wurde, sondern zwischenzeitlich über den eigenen Möglichkeiten gespielt hat.

Zu Saisonbeginn war man bei Union einhellig der Meinung, dass die Qualität der Mannschaft im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen sei. Auftritte wie das 3:0 in Paderborn waren der Beleg. Das Team punktete endlich auswärts. Jetzt ist Union jedoch seit fünf Begegnungen in der Fremde ohne Sieg. Zudem wurden Führungen aus der Hand gegeben, und zuletzt drei Mal ein Spiel in der zweiten Halbzeit noch verloren, so auch in Aue.

Schwache Abwehr

„Wie das Siegtor fällt, ist an Bitterkeit nicht zu überbieten“, ärgerte sich Neuhaus. Sein Grimm verteilte sich zu gleichen Teilen auf den Schiedsrichter und seine Spieler. Denn hätte die Berliner Defensive beherzter eingegriffen, wäre es gar nicht zu den strittigen Pfiffen gekommen. „So kannst du in der Zweiten Liga nicht rumlaufen“, echauffierte sich Neuhaus nach Abpfiff über das Abwehrverhalten vor dem 2:3.

Die gegnerischen Teams finden zu leicht die Abkürzung, nach der die Ballbesitzer von Union vergeblich suchen. Langgeschlagene Bälle waren in Aue nicht zum ersten Mal das einfache Mittel gegen seine Abwehr. Zudem sah sich diese in den Schlussminuten außerstande, den Ball für einen letzten Gegenangriff zu erobern, obwohl Aue nur noch einen Mini-Expeditionstrupp in die Berliner Hälfte entsandte.

Es ist das verflixte siebte Jahr seiner Trainertätigkeit in Köpenick. Neuhaus ist ein Mann der behutsamen Schritte. Derzeit liegen die Verbesserung im mikrokosmischen Bereich, auch weil dem Team erneut in der Rückrunde die Luft ausgeht. Die Ehe zwischen Trainer und Verein ist dennoch nicht in Gefahr, selbst wenn die 50-Punkte-Marke und somit die Kleinstschrittverbesserung verpasst würde. Das Motto von Präsident Dirk Zingler lautet: Wir haben Zeit. Und die wird genutzt, um den Verein auf anderen Baustellen erstklassig aufzuhübschen. Zumindest dem Einparken vor der Tür steht bald kein Gitter mehr im Weg.