Viel Erfolg wünschte Stefan Leitl dem Mann zwei Stehpulte weiter, als der Leistungsvergleich zwischen dem 1. FC Ingolstadt und dem 1. FC Union zu seinen Gunsten entscheiden war. „Viel Erfolg weiterhin!“ Nett gemeint war diese Floskel, aber nicht ganz passend, da der Bewünschte noch gar keinen Erfolg hatte. Böse Absicht stand aber nicht dahinter. Der Coach der Ingolstädter und André Hofschneider haben sich beim DFB-Lehrgang schätzen gelernt, und so nahm der neue und bislang erfolglose Union-Trainer die Worte mit einem Lächeln zur Kenntnis. „Weiterhin?“, fragte er.

Die zweite Partie unter seiner Leitung war ebenso verloren gegangen, wie die ersten vor einer Woche. War der Tausch von Jens Keller zu Hofschneider deshalb ein Fehler? Die Antwort ist so kompliziert wie der Sport, um den es geht.

Unnötig war dieses 1:2 (0:0) gegen den Konkurrenten um den Aufstieg und gleichzeitig verdient. Die dritte Niederlage in Serie war das Schlimmste für die Spieler vor ihrem kurzen Winterurlaub und lieferte dennoch Anlass, gerade jetzt an die Bundesliga zu glauben. „Das einzig Ärgerliche ist, dass wir wieder kein Erfolgserlebnis haben“, sagte Sebastian Polter. „Danach hatten wir so große Sehnsucht.“

Flinke Balljungen

45 Minuten hatte es richtig Spaß gemacht, dem Stürmer uns seinen Mitspielern zuzusehen. Schnell im Spielaufbau, mit frischem Elan und cleveren Ideen in den Passkombinationen, mit Wille und Kraft. Stephan Fürstner leitete gut ein, Felix Kroos schnell weiter, und vorne brachten sich Marcel Hartel,Steven Skrzybski, Simon Hedlund und Polter wechselseitig in gute Schusspositionen. Sogar die Balljungen waren Teil der großen Angriffswelle, die auf das Ingolstädter Tor zurollte. Flink warfen sie den Unionern das Spielgerät für Einwürfe zu, um die Attacken zu beschleunigen. „Das war die Ansage vor dem Spiel“, berichtete Polter hinterher. Alles also besser als mit Keller? Nur bis zur Halbzeitpause.

Nach dem Seitenwechsel gab es trotz der flinken Balljungen wieder einmal einen Bruch zu einem Zeitpunkt, in dem die Köpenicker eigentlich erst recht hätten Sicherheit gewinnen sollen: Sie gingen durch einen berechtigen Elfmeter in Führung. Marcel Hartel war vom Ex-Herthaner Alfredo Morales gefoult worden, Polter verzichtete aufgrund eine Abmachung, Steven Skrzybski verwandelte (59.).

Aber: „Union hat sich nach dem 1:0 sehr weit zurückfallen lassen. So haben wir Spielkontrolle bekommen“, erkannte der Ingolstädter Coach Leitl die entscheidende Veränderung. Nun fanden seine Spieler plötzlich die Räume, die die Unioner zuvor so geschickt zugestellt hatten. „Wir hatten die Hoffnung, dass Union das Pressing nicht über 90 Minuten durchziehen kann“, sagte Leitl auch. Innerhalb von fünf Minuten verwandelten der eingewechselte Robert Leipertz und Dario Lezcano per Elfmeter (nach einer überflüssigen Grätsche von Toni Leistner) den ersehnten stimmungsaufhellenden Jahresabschluss der Eisernen in eine große Enttäuschung. Ist also nichts besser als mit Keller?

Gute Reaktion der Fans

„Ein eingeschworenes Team mit einer klaren Hierarchie zu bilden, das den Willen hat, jedes Spiel zu gewinnen“, so hat Vereinsboss Dirk Zingler den Arbeitsauftrag an Hofschneider zusammengefasst. Dass dies gelingen kann, war eine Hälfte lang zu sehen, nach dem Abpfiff holte Polter seine Kollegen für eine Ansprache zusammen. „Im Gegensatz zu den Spielen vorher haben wir mit viel Leidenschaft ein gutes Spiel gemacht“, sagte er hinterher.

Die Fans holten aus ihren Kehlen und Seelen nach Abpfiff noch mal alles raus, sie sangen, als ob Union die letzte Partie des Jahres gewonnen hätte. „FC Union, unsere Liebe, unsere Mannschaft, unser Stolz, unser Verein, Union Berlin.“ Diese „wohlwollenden Reaktionen“ sollen laut Zingler übrigens von den Spielern als „Verpflichtung gegenüber den Fans“ verstanden werden. Auch da sind ihm die Fußballer ganz Ohr.

Aber erst mal wollen sie abschalten. „Wir müssen in der Pause neue Kraft sammeln, um Dinge besser zu machen. Und möglichst schnell wieder gewinnen“, gab Kapitän Felix Kroos schließlich die Weihnachtslosung aus. Ein Mutmacher: Seit dem Wiederaufstieg 2009 gelang nach der Winterpause immer ein Erfolg.