Ob die Zeit reicht, um alle Fehler zu analysieren? Das ist fraglich, obwohl der Trainingsplan des 1. FC Union bis zum Pokalspiel am Sonnabend bei Viktoria Köln keinen freien Tag vorsieht. Auch wurde die Aufarbeitung direkt nach Spielende in der Kabine begonnen und am Frankfurter Flughafen weitergeführt. „Wir haben klarere Worte gefunden als sonst“, sagt Fabian Schönheim am Tag danach, „weil wir mit einer Mannschaft auf dem Platz standen, in der gestandene Spieler drin waren. Daher sollte es solche Momente eigentlich nicht geben – oder nur selten.“ Er meint die in Sandhausen ziemlich häufig erlebten Momente des Kollektivversagens.

Gewollt oder nicht traf der Linksverteidiger mit seiner Einschätzung den Kern, der sich hinter dem turbulenten 3:4 verbirgt. Die Krux ist: Das Team, das auf dem Feld stand, war kein vom Vorgänger übernommener, verunsicherter Haufen wie beim verpatzten Start im Vorjahr. Es war Norbert Düwels Union. Fünf seiner Sommerverpflichtungen waren von Beginn an im Einsatz. Von dem, was Düwel sehen will, war die Startelf dennoch weit entfernt.

Der Trainer hat den Anspruch, dem Gegner das Union-Spiel aufzuzwingen. In Sandhausen war es umgekehrt: Die abwartenden Sandhäuser zwangen Union in den Ballbesitz- und Querpassfußball. Wies die Statistik vor einer Woche im Heimspiel gegen Düsseldorf 44 Prozent Ballbesitz und 300 Pässe auf, waren es nun auswärts 56 Prozent und 400 Pässe. Düwel-Fußball sieht anders aus, und die Zahl der Gegentreffer schießt schon wieder in die Höhe.

Analyse ohne Trainer

Sandhausen war das bessere Union, schaltete schnell um und deckte über außen die Schwachstellen von Unions Dreierabwehrkette auf. Weder Raffael Korte noch Maximilian Thiel waren in der Lage, die Angriffe zu bremsen. Die offene Flanke war schnell gefunden. Auch die Rückkehr zum alten Personal – drei der fünf Neuen in der Anfangsformation wurden ausgewechselt – und zum alten System mit Viererkette nach dem 2:1 brachte letztlich nichts.

Vielleicht ist das sogar positiv. Im Siegesfall wäre die gute Moral gefeiert worden, Rückschläge zu verkraften und nach desaströsem Beginn noch ins Spiel zu finden. Es war ja in der Tat nicht alles schlecht. Drei Punkte hätten überblendet, dass dennoch kaum etwas von dem funktioniert hat, was Düwel seinem Team an Taktik und Spielphilosophie vermittelt. Nun ist der Ärger darüber, dass drei Auswärtstore nicht einmal für einen Punkt reichen so groß, dass Schönheim die Suche nach dem „großen Warum“ ausgerufen hat.

Wieso einfache Sachen, wie ein Pass über zehn Meter, zu einem unlösbaren Problem werden, weshalb gestandene Spieler eine zweimalige Führung aus der Hand geben und warum sie Vorgaben nicht besser umsetzen können. Am Montagmorgen wurde weiterdiskutiert. „Wir haben eine Analyse innerhalb der Mannschaft gemacht“, sagt Schönheim. Erst eine Stunde und 42 Minuten nach der verabredeten Ankunft zum Regenerationstraining verließen die Spieler die Kabine, um durch den Wald zu radeln. „Ich habe für mich persönlich keine Lösung gefunden“, gesteht Schönheim später. Die Suche geht weiter, die Videoanalyse mit Trainer steht noch aus.

In der Schlussphase ihrer Sache zu sicher

Es ist nicht Düwels Art, nur das Negative zu besprechen. Er bestärkt seine Spieler in ihrem Tun. Vielleicht ist ihm aber aufgefallen, dass sich seine Fußballer ihrer Sache wie gegen Düsseldorf in der Schlussphase zu sicher waren. Dass ist die Gemeinsamkeit der guten (Düsseldorf) und der schlechten (Sandhausen) Momentaufnahme. „Wir sollten jetzt einfach konzentriert weiterarbeiten“, fordert Schönheim.

In diesem Jahr wollten er und seine Mitspieler von Anfang an oben mitspielen. Dafür müssen sie jetzt schnell aus den Fehlern lernen. In der Liga gastieren als nächstes Kaiserslautern und Leipzig, dazwischen geht es zu 1860 München. Und im Pokal gibt es sowieso keine zweite Chance.