Unions Marcus Ingvartsen (l.) geht in den Zweikampf mit Ramy Bensebaini. 
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Mönchengladbach/BerlinVon allen Stadien der Bundesliga strahlt der Borussia-Park zu Mönchengladbach vielleicht am wenigsten die übliche trostlose Geisterspielkulissen-Atmosphäre aus. Die über 12.000 Pappaufsteller mit Gesichtern von Fans, Klubverantwortlichen und Legenden des Vereins suggerieren auf den Rängen der Gegengerade und hinter den Toren zumindest ein bisschen die Anwesenheit der schmerzlich vermissten Fans. Die bunten, aber stummen Zeitzeugen erlebten aber keinesfalls eine Überraschung wie im Hinspiel, als der 1. FC Union den damaligen Tabellenführer Borussia Mönchengladbach mit 2:0 bezwingen konnte. Nein, der Ausflug ins Rheinland hat sich für Hauptstädter nicht gelohnt. Bei der Borussia setzte es für die Köpenicker am Pfingstsonntag eine verdiente 1:4-Niederlage. 

„Vor allem in der ersten Hälfte haben wir den Ball zu oft verloren und die Gegentore fielen zu leicht“, monierte Angreifer Sebastian Andersson. Trainer Urs Fischer kam wiederum zu folgendem Schluss: „Ordentlich war es ab der zweiten Hälfte. Die erste Hälfte war ängstlich, da hatten wir sehr viele Abspielfehler, da haben wir Gladbach eigentlich fast eingeladen und können froh sein, dass es nur 2:0 stand. Nach der Pause war es für mich so, wie es von Beginn an hätte sein sollen.“

Der Abwärtstrend des Aufsteigers hält damit jedenfalls an. Die Köpenicker drohen nach dem sechsten sieglosen Spiel am Stück zum Saisonende doch tatsächlich noch einmal in akute Abstiegsgefahr zu geraten. Erstmals seit dem zehnten Spieltag rutschte Union unter Platz 13; als Tabellen-14. haben die Berliner nur noch vier Zähler Vorsprung auf den Relegationsrang. Nach sechs Spielen ohne Sieg hatte Union immerhin das Glück, dass auch die Verfolger 1. FSV Mainz 05 und Fortuna Düsseldorf am Vortag ebenfalls nicht punkten konnten.

Das wird aber Trainer Fischer nicht trösten, der im Vergleich zum 1:1 am Mittwoch gegen Mainz auf zwei Positionen umgestellt hatte. Der gelb-rot-gesperrte Mittelfeldmann Robert Andrich wurde durch Grischa Prömel ersetzt. Zudem kehrte an alter Wirkungsstätte der wieder genesene Verteidiger Christopher Lenz für Julian Ryerson in die Startelf zurück.

Nach vorn lief im ersten Durchgang aber viel zu wenig bei den Gästen. Christian Gentner (15.), Andersson (23.) und Marvin Friedrich (29.) fehlte es jeweils bei Kopfbällen an Präzision. Die Gladbacher hingegen wirkten oft einen Tick frischer und schneller. Das erste Achtungszeichen setzte Florian Neuhaus mit einem Fernschuss aus der gegnerischen Hälfte, den Torwart Rafal Gikiewicz gerade noch so über die Latte lenken konnte (13.).

Jenem Neuhaus blieb es auch vorbehalten, den Favoriten über den linken Innenpfosten in der 17. Minute mit 1:0 in Front zu schießen. Vorausgegangen waren ein Ballverlust von Lenz und eine zu schwache Verteidigungshaltung von Marvin Friedrich. Auch beim 2:0 durch einen Kopfball des starken Franzosen Marcus Thuram sah Friedrich bei der Vorarbeit des ebenfalls sehr auffälligen Alassane Plea nicht gut aus. Hinzu kam ein Stellungsfehler von Neven Subotic.

Coach Fischer konnte aber zumindest kurzzeitig im zweiten Abschnitt auf Besserung hoffen, als Andersson mit seinem zwölften Saisontreffer in der 50. Minute auf 2:1 verkürzen konnte. Er profitierte von einem Freistoß von Christopher Trimmel und einem Querpass von Marcus Ingvartsen. Allerdings konnte Union die Gastgeber danach nicht sofort zu weiteren Fehlern zwingen. Unglücklicherweise unterliefen den Wuhlheidern, die in der zweiten Hälfte nicht mehr mit einer Dreier-, sondern Viererkette in der Abwehr spielten, die entscheidenden Patzer selbst. Vor dem vorentscheidenden 3:1 (59.) durch Thuram verlor Prömel den Ball im Mittelfeld und Trimmel stand zu weit weg vom Torschützen. Beim 4:1 durch Plea (81.) sah erneut Friedrich schlecht aus.

Da Union hingegen bei Gelegenheiten durch Joshua Mees (70., 76.) keine weiteren Treffer zustande brachte, blieb es bei der deutlichen Abfuhr. „Dann kommen wir auf 2:1 heran und legen uns das 3:1 selbst ins eigene Tor“, kritisierte Fischer. „Wenn wir so viele eigene Fehler produzieren, wird es am Schluss schwer, ein Spiel zu gewinnen.“ Zusätzliches Pech hatte Julian Ryerson. Der Norweger musste in der zweiten Hälfte mit einer Knieverletzung kurz nach seiner Einwechslung wieder raus.