Hoffenheims Bebou hat leichtes Spiel, trifft zum 1:0 für Hoffenheim.
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HoffenheimMannschaften, die ihr Saisonziel schon am 32. Spieltag erreicht haben, tun ja gut daran, danach auf keinen Fall allzu deutlich zu verlieren, weil ihnen sonst schnell unterstellt wird, sie machten sich nach exzessiver Feierei der fahrlässigen Wettbewerbsverzerrung schuldig.

Vollständig desaströs war der Berliner Auftritt beim 0:4 gegen Hoffenheim nicht — ein bisschen ehrenrührig war es aber schon, wie spannungsarm den Köpenickern das letzte Auswärtsspiel der Saison geriet. Fast über 90 Minuten war ein krasser Unterschied zu all den Spielen zu sehen, die Union schließlich den verdienten Klassenerhalt einbrachten. Wer sah, wie gemächlich die Rotgekleideten schon Mitte der ersten Halbzeit agierten, wäre nicht auf die Idee gekommen, dass diese Mannschaft das Spiel noch drehen könnte. 0:3 stand es beim Seitenwechsel aus Berliner Sicht. Bei den hochkonzentrierten und spielerisch wie kämpferisch überzeugenden Hoffenheimern hatten Ihlas Bebou (11.), Andrej Kramaric (27.) und Munas Dabbur (45.+2.) getroffen. Nach dem Seitenwechsel setzte Christoph Baumgartner noch einen drauf (68.)

Dabei waren die Berliner vor Anpfiff als erste auf dem Platz gewesen, hatten sich beim Aufwärmen laustarke Kommandos zugerufen und verzeichneten schon nach sieben Sekunden den ersten Abschluss, einen Schuss von Christopher Trimmel, der Oliver Baumann im Hoffenheimer Tor keine Sorgen machte. Dem Kapitän der ja zusammen mit Sheraldo Becker von der DFL zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, weil er mit den Klassenerhalt zu wenig körperlos mit Fans gefeiert hatte, war rechtzeitig vor dem Anpfiff das geforderte zweite negative Corona-Testergebnis mitgeteilt worden, so dass er sein Team aufs Feld führen konnte.

Doch trotz des demonstrativ energischen Beginns lagen die Berliner früh zurück. Nach einer Flanke von Robert Skov stand dessen Sturmpartner Bebou im Sechzehner frei. Und nachdem er sich zuvor bei einer anderen Gelegenheit eher ungeschickt angestellt hatte (7.), spielte er diesmal clever Moritz Nicolaus und schob zum 1:0 ein.

Moritz Nicolaus? Tatsächlich hatte Trainer Urs Fischer seine Startelf gehörig umgekrempelt. Anthony Ujah, Yunus Malli und Neven Subotic begannen in der ersten Elf. Und einigermaßen überraschend kam im Tor eben Nicolas zu seinem ersten Bundesligaeinsatz, Stamm-Keeper Rafal Gikiewicz musste für die Leihgabe aus Mönchengladbach weichen. Der dürfte sich bei seinem Liga-Debüt nicht gelangweilt haben. Nach einer Viertelstunde musste er einen Freistoß des starken Robert Skov zur Ecke lenken (17.), nach der zweiten scharfen Skov-Hereingabe war er aber machtlos. Denn die konnten seine Vorderleute nur zu Kramaric abfälschen, der den Ball ins kurze Eck drosch (39.).

Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff legte Dabbur dann nach, indem er ein Zuspiel von Kramaric aus spitzem Winkel am Berliner Keeper vorbeilegte. Die Gäste, die im informellen Fernduell um die Berliner Stadtmeisterschaft nun bereits mit vier Toren Unterschied auf die Hertha zurücklagen, hatten bis dato nichts zustande gebracht, das TSG-Keeper Baumann ins Schwitzen hätte bringen können. Um 17 Uhr 20 lagen dann sechs Tore und sechs Punkte zwischen den Samstags-Ergebnissen der beiden Berliner Mannschaften.

Nach einer Stunde brachte Fischer Michael Parensen, Suleiman Abdullahi und Michael Parensen in die Partie – an dem krassen Leistungsgefälle zwischen einer ehrgeizigen Bundesligamannschaft, die ihre Chance auf die Europa League beim Schopf packen wollte und den tiefenentspannten Gästen blieb jedoch offensichtlich. Immerhin: In der 64. Minute setzte Robert Andrich einen Freistoß ein paar Meter übers Tor. Der vierte Hoffenheimer Treffer erinnerte in seiner Entstehung dann endgültig an ein Erstrunden-Spiel im DFB-Pokal, das einen Erst- auf einen Fünftligisten treffen lässt. Ein im Midtempo gespielter Pass von Benjamin Hübner genügte, um eine Berliner Fünfer-Kette ohne jede Staffelung zu übertölpeln. Den Rest besorgte Baumgartner der die gegenüber der Konkurrenz aus Frei- und Wolfsburg nachteilige Tordifferenz weiter aufhübschen durfte (68.).

Immerhin: Danach rafften sich die Köpenicker ein wenig auf und verhinderten einen fünften Gegentreffer gegen ein Team, das allerdings ab der 70. Minute auch erkennbar Kraft für den letzten Spieltag am kommenden Wochenende sparen wollte.