Berlin/Wolfsburg - Der  1. FC Union ist eine gute Bundesligamannschaft, aber eben doch noch keine Mannschaft, die wie selbstverständlich Woche für Woche Topleistungen abrufen kann. Das hat sich am Sonnabendnachmittag beim 0:3 (o:2) in Wolfsburg gezeigt. Bei der achten Saisonniederlage der Eisernen, die im Hinblick auf den Traum von einer Qualifikation für die Conference League zwar einen Rückschlag, aber eben noch lange nicht das Aus bedeutet. Mann des Spiels war Josip Brekalo, der alle Treffer für die Gastgeber erzielte.

„Wir waren heute in der ersten Halbzeit gar nicht bereit für das Spiel“, sagte Unions Manager Oliver Ruhnert unmittelbar nach der Partie. Und: „Gegen so eine Mannschaft wie Wolfsburg braucht man halt einen perfekten Tag und den hatten einige bei uns heute nicht.“

Union musste auf Max Kruse verzichten. Auf den Stürmer, der in der vergangenen Woche infolge eines hart geführten Zweikampfs mit einem Social-Media-Hater in die Schlagzeilen geraten war, aber eben auch von einer Oberschenkelverletzung geplagt wurde. Petar Musa, der zuletzt als Zuarbeiter geglänzt hatte, rückte für Kruse in die Startelf, sollte Joel Pohjanpalo beim Pressing und im besten Fall natürlich beim Toreschießen unterstützen. Kruse hingegen nahm erst mal auf der Ersatzbank Platz. 

Außerdem wurde Robert Andrich während des Warmmachens bei Urs Fischer vorstellig. Eine Zehenverletzung machte einen Einsatz für den Fleißarbeiter unmöglich, für ihn durfte der zuletzt wohl doch eher unglückliche, weil nur selten spielende Sebastian Griesbeck ran. In einem 3-5-2 besetzte der 30-Jährige im Mittelfeld neben Christian Gentner das Zentrum. 

Kaltstarter Griesbeck kommt beim 0:1 einen Schritt zu spät

Griesbeck war nach einem mutigen Ausflug in die gegnerische Hälfte, vielleicht aber auch wegen des Pass- und Lauf-Tempos der Gastgeber sogleich mit einem hohen Puls unterwegs, versuchte Bindung zum Spiel zu finden, was ihm aber nicht wirklich gelang. Und beim 0:1 erkannte er viel zu spät, was sich da in der zwölften Minute über die linke Abwehrseite der Eisernen zusammenbraute. 

Ridle Baku flankte nach einer zielstrebigen Ballstafette jedenfalls nicht direkt vors Tor, sondern passte flach zurück auf den herbeieilenden Josip Brekalo, der aus zentraler Position mit einer schusstechnisch bemerkenswerten Direktabnahme aus 18 Metern das 1:0 erzielte. Klar, Christopher Lenz hätte Baku energischer stören können, aber letztendlich hätte Griesbeck den Passweg auf Brekalo zustellen müssen. 

Keeper Luthe pariert prächtig

In der 26. Minute bekam Kaltstarter Griesbeck schließlich nicht mit, dass Maximilian Philipp in seinem Rücken in den Strafraum spurtete. Brekalo chippte mit feinem Füßchen auf Philipp, der den Ball geschickt verarbeitete und als Drop-Kick aus Nahdistanz aufs Tor feuerte. Doch Andreas Luthe hielt prächtig, rettete sein Team vor dem 0:2 und Griesbeck womöglich vor einer frühen Auswechslung. 

Trotz der Überlegenheit der Wolfsburger, die Fischer zu dem einen oder anderen schrillen Zwischenruf veranlasste, kamen die Eisernen aber in der ersten Hälfte doch noch zu zwei Chancen. Die eine hatte Pohjanpalo, der mit seinem Schuss aus der Drehung das VfL-Tor nur knapp verfehlte (30.). Die andere Marvin Friedrich, der nach einem Freistoß von Marcus Ingvartsen bei seinem Kopfball allerdings nicht genügend Höhe gewonnen hatte (32.).

Es fehlte an diesem Nachmittag grundsätzlich also das Gift im Spiel der Unioner, aber auch der Mut, um die Wolfsburger durch forsches Pressing auch mal ins Grübeln zu bringen. Das wurde in der zweiten Hälfte alles ein bisschen besser, schlussendlich war das, was der VfL auf den Platz brachte, aber zwingender. 

Gentner fälscht den Schuss von Brekalo ab

Unmittelbar nachdem Musa nach einer Vorarbeit von Pohjanpalo eine ziemlich gute Chance vergeben hatte (62.), war es erneut Baku, der die Abwehr der Eisernen ins kurzfristige Chaos stürzte. Erneut mit einem Pass auf Brekalo, der vor dem Strafraum viel zu viel Zeit hatte, um sich zu drehen, um den Abschluss zu suchen. Gentner eilte noch schnell herbei, fälschte den Ball aber so unglücklich ab, dass der sich über Luthe hinweg ins Tor senkte. 

Bei all der Widerstandskraft, die in der Mannschaft von Fischer steckt, konnte man schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so recht an eine Wende glauben. Daran änderten auch die offensiven Wechsel nichts mehr, Kruse kam für Musa, Bülter für Abwehrmann Nico Schlotterbeck. Im Gegenteil: Durch die Veränderungen wurde man noch anfälliger für Konter, bei denen Luthe wiederholt im Mittelpunkt stand. So wie in der 90. Minute, als er zunächst mit einem Reflex einen Schuss von Brekalo aus Nahdistanz abwehren konnte, den Nachschuss des gleichen Schützen aber passieren lassen musste.