Fast wie in alten Tagen! Die Ränge der Alten Försterei wiesen zwar deutliche Lücken auf, aber es waren immerhin wieder Fans dabei. Und die waren nicht zu überhören. 
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Berlin„Unioner“, donnerte es durch das Stadion An der Alten Försterei. Erstmals seit 188 Tagen. Pressesprecher Christian Arbeit lief in seinem Zweitjob als Stadionsprecher zu großer Form auf beim Geburtstagskick in der Alten Försterei zwischen dem 1.FC Union und dem 1.FC Nürnberg. Also dem Klub, der vor über 100 Jahren, am 7. August 1920, als amtierender Deutscher Meister das Stadion An der Alten Försterei eingeweiht hatte.

„Wir haben uns so lange nicht gesehen. Schön, dass ihr hier seid heute“, setzte Arbeit unter donnerndem Applaus fort, und vergaß auch die nicht, die coronabedingt außen vor bleiben mussten. Denn mehr als 5000 Personen lässt die Berliner Gesundheitsverordnung ja derzeit nicht zu. „Grüße gehen raus an alle, die heute nicht dabei sein können. In der Hoffnung, dass sie bald alle auch wieder da sind. Fußball ist auch mit uns, mit Menschen im Stehen möglich.“

Und dann die Hymne. Nina Hagen! So sehr vermisst. Vielleicht noch ein kleines bisschen mehr ein Gänsehautmoment als sonst schon. Nicht wenige verdrückten da das eine oder andere Tränchen. Endlose Selfies wurden gemacht an diesem historischen Tag, als die Fans ihren Sport wieder in Besitz nehmen durften. Endlich wieder Fußball. Endlich wieder Wohnzimmer. Mit Fans und keine blöden Geisterspiele mehr.

Laut klang es von den Rängen. Nicht mit ganz so viel Brachialgewalt wie üblich. Aber, hey, es war ein Anfang. Ein Schritt zurück auf dem Weg in die Normalität. Da hätte es nicht mal der gesangstechnischen Aufforderung „Bliebt stehen, wenn ihr Unioner seid“ gebraucht. Im Volksmund heißt es ja: Wo man singt, da lass dich nieder. In der Alten Försterei gilt das Gegenteil. 

Auch das Spiel selbst war natürlich nur ein Schritt in Richtung Ligastart und Pokalauftakt in der kommenden Woche. Es fehlten die Länderspielreisenden Christopher Trimmel, Sebastian Andersson und Nico. Zudem waren Max Kruse, Keita Endo oder Anthony Ujah noch nicht wieder wettkampftauglich. Alles potenzielle Startelfkandidaten.

Über weite Strecken war aber schon zu sehen, dass ein Bundesligist gegen einen Zweitligisten antrat. Grischa Prömel (19.) und Marcus Ingvartsen (20.) hätten die Köpenicker schon zweimal fast jubeln lassen. Allein Nürnbergs Schlussmann Christian Mathenia hatte was dagegen. Vorne fehlte zwar insgesamt ein wenig die Durchschlagskraft und die Präzision, auch der eine oder andere Fehlpass hätte nicht zwingend sein müssen. Aber die solide Grundordnung, der zunächst im 4-3-3 agierenden Eisernen - nach der Pause wurde es zum 3-4-3-  und der Auftritt seiner Truppe insgesamt muss Urs Fischer weitestgehend gefallen haben. 

Nun gut, die Gäste wurden nach Wiederanpffif ein wenig kecker, legten ihre bis dahin gezeigte Zurückhalung ab und prüften Andreas Luthe zweimal auf Herz und Nieren. Sie zeigten sich auch unbeeindruckt von Marcus Ingvartsens Führungstreffer (51.), schlugen durch den Ex-Heidenheimer Nikola Dovedan postwendend zurück (52.).  

Die Partie wurde munterer. Vielleicht etwas zu munter für Fischers Geschmack. Aber immerhin erwiesen sich die Franken dann noch als gute Partygäste, ermöglichten Ingvartsen nach einem völlig unnötigen Foul an Julian Ryerson das 2:1 per Strafstoß (64.). Felix Lohkemper hatte dann zwar den erneuten Ausgleich auf dem Fuß (72.), aber das wäre dann doch etwas unpassend gewesen aus eiserner Sicht an so einem Tag der Freude.

Union spielte mit: Luthe - Ryerson, Friedrich, Knoche, Gießelmann (70. Lenz) - Prömel (46. Hübner), Griesbeck - Gentner - Ingvartsen, Teuchert (63. Mees), Bülter (80. Gogia)