Berlin - Der 1. FC Union ist Montag in Braunschweig beim Zweitliga-Spitzenspiel zum Siegen verdammt. Im Interview mit der Berliner Zeitung redet Stephan Fürstner, 29, über seine Rolle als Führungsspieler in dieser Phase, über Tabellenrechnerei und das, was den Unterschied ausmacht.

Herr Fürstner, sind Sie mit Blick auf das kommende Spiel nervöser als noch vor vier Wochen?

Nervosität ist kein guter Ratgeber in dieser Phase. Wir wissen um die Wichtigkeit des Spiels. Jetzt fallen Entscheidungen. Verliert man jetzt ein Spiel, hat man keine Zeit mehr, irgendwas zu regulieren.

Beschäftigen Sie sich mit möglichen Aufstiegs-Szenarien?

Wir fangen jetzt nicht an zu rechnen. Die Rechnung geht sowieso nie auf. Das wäre ein ganz gefährliches Spiel. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Und das bedeutet: in Braunschweig gewinnen, um bis zum Ende oben dranzubleiben. Alles andere zählt nicht.

Sie sind der Erfahrenste auf dem Platz. Hat sich Ihre Rolle als Führungsspieler in den letzten Wochen verändert?

Ich habe das schon erlebt, was hier gerade passiert. Einmal ist es gut ausgegangen, einmal nicht. Aber Felix Kroos hat auch schon wichtige Spiele in der Bundesliga gemacht, und so könnte man durch die ganze Mannschaft gehen und würde bei jedem etwas finden, große Fußballmomente. Natürlich gebe ich Erfahrung an junge Spieler weiter, wenn ich gefragt werde, und versuche, den Jungs Selbstvertrauen einzuflößen.

Beobachten Sie Ihre Mitspieler intensiver? Versuchen Sie mögliche Unsicherheiten zuerkennen, um Aufregung im Keim zu ersticken?

Nein, Aufregung gehört dazu. Das ist doch nicht verwerflich. Ich bin vor jedem einzelnen Spiel aufgeregt. Man weiß nie, was einen erwartet. Und ich hatte auch gegen Sandhausen nicht das Gefühl, dass wir übermäßig nervös waren.

Kann man ein Heimspiel gegen Sandhausen mit einem Auswärtsspiel beim direkten Konkurrenten in Braunschweig vergleichen?

Ja. Es gibt in dieser Liga keine einfachen Spiele. Und es gibt in jedem Spiel drei Punkte.

Also ist der Kick in Braunschweig ein Endspiel?

Ja, gewinnen wir, bleiben wir dran. Bei einer Niederlage sind wir sechs Punkte zurück. Bei zwei ausstehenden Spielen. Bei einem Unentschieden … ach, lassen wir das. Wir spielen auf Sieg! Alles andere bringt uns nicht weiter.

Haben Sie Angst davor, einen entscheidenden Fehler zu machen?

Nein! Das gehört zum Sport dazu. Und daran wächst jeder in seiner Persönlichkeit. Jeder Fußballer hat schon Fehler gemacht, die spielentscheidend waren. Und die muss man auch machen, um den nächsten Schritt in der Entwicklung zu machen. Keiner spielt mit Absicht einen Fehlpass. Natürlich wiegt ein Fehler in so einer Phase schwerer als zu Saisonbeginn. Aber bei uns im Team hat keiner Angst davor.

Kopf oder Können? Was entscheidet das Spiel in Braunschweig?

Sportlich befinden wir uns auf Augenhöhe. Klar, Braunschweig hat ein Heimspiel und die eigenen Fans im Rücken. Aber sie wissen auch, dass sie uns nicht viele Chancen geben dürfen, dass wir wieder gut drauf sind. Ich bin gespannt, was, wenn wir 1:0 führen sollten, dann in den Köpfen der Braunschweiger vorgeht. Die haben auch einiges zu verlieren. Und mit diesem Gedanken spielen wir auch.

Apropos torgefährlich. Zwei entscheidende Spieler − Sebastian Polter (Rot-Sperre) und Steven Skrzybski (Verletzung) − fehlen. Wie kompensiert die Mannschaft das?

Das werden wir sehen am Montag. Da zeigt sich, ob wir es schaffen, noch ein Stück zusammenzurücken, um den Qualitätsverlust − denn das ist es ohne Frage − aufzufangen. In der Breite des Kaders haben wir viel Qualität. Es ist also auch eine Chance für einige, in so einer geilen Phase der Saison als Held hervorzugehen.

Relegation gegen Hamburg – ein mögliches Szenario. Sie haben das schon erlebt und sind mit Fürth gescheitert. Wünschen Sie sich eine Wiederholung, um dem Dino dann endlich die Uhr abzustellen?

Also wünschen tu ich mir andere Sachen …

Zum Beispiel?

Gesundheit und den direkten Aufstieg. Und jetzt über eine mögliche Relegation nachzudenken, das ist gefährlich, das verschwendet Energie. Wenn du da im Kopf einen Schritt zu weit bist, holt dich die Realität viel zu schnell ein.