Für Marvin Friedrich und Co. bleibt nicht viel Zeit, um enttäuscht zu sein.
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Berlin/LeverkusenNatürlich schmerzte die 1:3-Niederlage in Leverkusen am Tag danach immer noch. Das war wenige Stunden später ja   auch nicht anders zu erwarten. Weil sich jeder beim 1. FC Union darüber bewusst war, welche Riesenchance man beim Pokalviertelfinale im Rheinland hatte liegen lassen.

Dabei ging es den Protagonisten des Spiels weniger um die Prämie, die jetzt flöten geht. Ein Halbfinaleinzug wäre mit 2,808 Millionen Euro versüßt worden, womit sich die Cup-Gesamteinnahmen auf   5,4 Millionen gesteigert hätten. Die jeweils geteilten Zuschauereinnahmen nicht mal mit eingerechnet.

Lenz' Ampelkarte schwächt Union

Aber die waren bei Gastspielen in Halberstadt, Freiburg, Verl und jetzt bei Bayer nicht sonderlich üppig ausgefallen. Gerade in Leverkusen war das einstige Haberlandstadion mit nicht mal 20 000 Besuchern ohnehin nur zu zwei Dritteln gefüllt.

Nein, es wurmte vor allem das erneute Scheitern gegen ein Team, das am Mittwoch im Pokal und schon zu Hause in der Liga vor   drei Wochen am Abgrund taumelte und sich erneut befreien konnte. Dass diesmal die Niederlage absolut selbstverschuldet war und durch eine Ampel-Karte für Christopher Lenz (71.) und seltsam passives Verteidigungsverhalten von Christopher Trimmel (86.) befeuert worden war, machte die Sache nicht besser.

„Wir kriegen Tore wie im Kindergarten. Das war ein wichtiges Spiel, es ging hier schließlich ums Halbfinale“, konnte sich Schlussmann Rafal Gikiewicz nicht mehr richtig einkriegen. Der Traum vom Endspiel in der eigenen Stadt – am anderen Ende Berlins ohnehin jedes Jahr aufs Neue vergeblich geträumt – platzte. Gerade für einen kleinen Verein wie Union, der sich redlich bemüht, sich im Fußball-Oberhaus erst einmal zu etablieren, wird es in der Regel so viele Gelegenheiten wie diese nicht wieder geben.

Klassenerhalt bleibt das Ziel

Denn wenn Union in der Vorschlussrunde den Bayern aus dem Weg gegangen wäre, wären die Aussichten auf einen Pflichttermin am 23. Mai im Berliner Olympiastadion sprunghaft gestiegen. Saarbrücken ist – bei allem Respekt – zwar die Überraschungstruppe des Wettbewerbs, aber eben nur ein Viertligist. Und in Frankfurt hatte Union jüngst derart souverän reüssiert, dass auch da etwas hätte gehen können. Erst recht, falls sie zum ersten Mal seit zwölf Cup-Begegnungen ein Heimspiel gezogen hätten. So sparen sich die Eisernen nur den sonntäglichen Pflichttermin um 18 Uhr vor den TV-Bildschirmen, wenn Almuth Schult in der ARD-Sportschau die Paarungen für das Semifinale ermittelt.

Jetzt gilt es für uns wieder aufzustehen.“

Urs Fischer

Wenn das Aus in Leverkusen noch etwas Gutes hatte, dann die Tatsache, dass Union nicht über eine womöglich Substanz kostende Verlängerung gehen musste. Die in Unterzahl zu bestreiten, hätte definitiv Körner gekostet. Und angesichts der individuellen Klasse der Hausherren musste man die Aussichten auf ein Endorphine freisetzendes Resultat eher als gering einschätzen.

Es hätte Union noch mehr runterziehen können und die Aussichten keinesfalls verbessert, sich am Wochenende in Freiburg seinen eigentlichen Zielen wieder zu widmen. Denn nach wie vor hat Union als Aufsteiger den Klassenerhalt als wichtigstes Ziel auf dem Zettel und mit der Aufgabe im Badischen eine harte Nuss zu knacken.

Blick nach Freiburg

Ein bisschen trotziger Stolz mischte sich dann in die Enttäuschung. „Jetzt gilt es für uns wieder aufzustehen“, blickte Fischer schon wieder nach vorn, keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran. Ein Dreier an der Dreisam würde die Eisernen diesem mittlerweile als sehr realistisch einzustufenden Ziel mit dann 33 Zählern endgültig näher bringen. Wäre historisch!

In der Liga und im Pokal hatte die Truppe von Trainer Christian Streich ja jeweils den Kürzeren ziehen müssen. „Sie werden alles daran setzen, nicht ein drittes Mal gegen uns zu verlieren. Ich gehe davon aus, dass die uns von Beginn an unter Druck setzen werden“, glaubt Unions Trainer   Fischer. „Sie haben am Mittwoch nicht gespielt, wir schon. Wir haben Kraft gebraucht.“

Die kann er jetzt wieder durch die Rotation rückwärts – bei Bayer hatte der 54-Jährige gleich fünf Stammkräfte geschont – im Breisgau implementieren. Dort sind die Köpenicker gestern schon angekommen, nach einer Vormittagseinheit im Rheinland. Zudem hofft Fischer darauf, dass die kurzfristig wegen einer Erkältung zu Hause gebliebenen Ken Reichel und Florian Hübner ins Ländle nachreisen können.