Rafal Gikiewicz kann nicht hinsehen, wie die Freiburger jubeln. 
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FreiburgWenn Fußballspieler mit sich, dem Leben und dem Ergebnis für alle Augen erkennbar hadern wollen, werfen sie sich nach dem Schlusspfiff ermattet auf den Rasen und lassen den Blick verzweifelt gen Himmel fahren. Die Spieler von Union Berlin verzichteten nach der 1:3-Niederlage in Freiburg auf jedes Pathos, bedankten sich bei den 2400 mitgereisten Union-Anhängern und gingen duschen. Sie hatten in der letzten halben Stunde des Spiels noch mal alles probiert. Doch der 3:1-Sieg der Gastgeber war letztlich ein Ergebnis, das dem Spiel gerecht wurde. Zu passiv hatte Union bis zum Anschlusstreffer von Marcus Andersson (61.) agiert, um einen oder gar drei Punkte aus dem Südwesten mitzunehmen.

Auch im Badischen war Union angemessen liebevoll umarmt worden. Die Stadionzeitung „Heimspiel“ hatte die Eisernen als eigentlichen „Big City Klub“ begrüßt und als Beleg für die Überschrift nicht nur die sportlich gute Lage angeführt. Während Hertha „mit viel Geld und bislang wenig Erfolg“ versuche, ein Image zu finden, „begeistere Union mit geschärftem Profil die ganze Fußballnation“.

Ungewöhnliche Zweikampfschwäche

Fußballerisch hingegen bot Union im ersten Durchgang nicht viel, das die sowieso schon hohen Sympathiewerte weiter hätte hochtreiben können. Nach 45 Minuten stand es 1:0 für Freiburg. Wenn die Pausenführung nicht unverdient war, lag das nicht daran, dass die Gastgeber einen überzeugenden Auftritt hingelegt hätten – aber die etwas bessere der beiden Mannschaften waren die Gastgeber eben schon. 1:6 Ecken und nur 42 Prozent an gewonnen Zweikämpfen lauteten aus Union-Sicht die entsprechenden Parameter.

Nun war es nicht so, dass die Berliner chancenlos gewesen wären. In der 13. Minute verfehlte ein 25-Meter-Freistoß von Christopher Lenz das Freiburger Tor nur knapp, ehe nach gut einer halben Stunde erstmals der SC-Keeper eingreifen musste. Nach einem eher unfreiwilligen Doppelpass zwischen Christian Gentner und Sebastian Andersson kam der ehemalige Stuttgarter zum Abschluss, doch Alexander Schwolow lenkte den Schuss zur Ecke (29.). Freiburg, das mehr vom Spiel hatte, ohne allerdings allzu oft gefährlich zum Abschluss zu kommen, profitierte kurz darauf von einem Zuordnungsfehler in der Berliner Defensive, als Roland Sallai nach einem Eckball von Vincenzo Grifo zum 1:0 einköpfen konnte. Zuvor hatte Gentner den langen Ball nicht erreicht, ehe Robert Andrich zu spät kam.

Gelb-Rot gegen Marvin Friedrich

Während der gesamten Partie artikulierten beide Fankurven ihren Protest gegen Kommerzialisierung und Kollektivstrafen, verzichteten dabei allerdings auf Beleidigungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Während die Freiburger Seite DFB mit „Dietmars Fußball Bund“ abkürzte und den ehemaligen SC- und jetzigen DFB-Präsidenten Fritz Keller („nichts kapiert“) kritisierten, schrieb die Gästekurve dem DFB ins Stammbuch, dessen Dialogangebote seien „mehr Schein als Sein“.

Trotz mancher synchron gestarteter Aktion mit den Freiburger Kollegen verfinsterte sich die Stimmung im Union-Block dann allerdings nach Wiederanpfiff nachhaltig, während auf der Nordtribüne Partystimmung herrschte. Der Grund für die unterschiedlichen Gefühlslagen war hingegen derselbe: Christian Günters Gewaltschuss bedeutete das 0:2 aus Sicht von Union (55.). Vier Minuten später hätte Jonathan Schmid fast auf 3:0 erhöht. Und als sich die ersten Zuschauer bereits fragten, welchen Zweck die nach wie vor abwartende Spielweise der Berliner nach einem Rückstand bezweckte, fiel der 1:2-Anschlusstreffer. Nach einem Eckball von Christopher Trimmel köpfte Andersson unhaltbar zum zwischenzeitlichen 1:2 ein (61.).

Aus meiner Sicht war es ein verdienter Sieg für Freiburg. Freiburg war nicht unbedingt die bessere Mannschaft, sondern die Mannschaft, die es irgendwo mehr gewollt hat. Freiburg war eine Spur ekliger. Wenn wir uns nicht am Limit bewegen, dann wird es schwierig.“

Urs Fischer

Um den Offensivaktionen mehr Punch zu verleihen, wechselte Urs Fischer kurz darauf Marcus Ingvartsen für Yunus Malli ein, der nicht überzeugen konnte. Doch auch der Däne konnte nichts mehr ausrichten. In der Nachspielzeit musste zu allem Unglück auch noch Unions Verteidiger Marvin Friedrich den Platz nach einem Foul an Nils Petersen mit gelb-roter Karte verlassen. Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits entschieden, nachdem Robin Koch aus dem Gewühl heraus den Ball zum 3:1-Endstand über die Linie gedrückt hatte (82.).

"Aus meiner Sicht war es ein verdienter Sieg für Freiburg. Freiburg war nicht unbedingt die bessere Mannschaft, sondern die Mannschaft, die es irgendwo mehr gewollt hat. Freiburg war eine Spur ekliger. Wenn wir uns nicht am Limit bewegen, dann wird es schwierig", befand Union-Trainer Urs Fischer.