Union feiert nächsten Comeback-Sieg: „Das zeichnet uns aus“

Nach Rückständen tat sich Union früher oft schwer. In der Alten Försterei entwickelt das Team jetzt in solchen Situationen aber eine Wucht - und springt womö...

Ermin Bicakcic von TSG Hoffenheim kämpft gegen Berlins Kevin Behrens (r) um den Ball.
Ermin Bicakcic von TSG Hoffenheim kämpft gegen Berlins Kevin Behrens (r) um den Ball.Andreas Gora/dpa

Berlin-Als Unions einziger Mann für Standardtore will sich Verteidiger Danilho Doekhi auf keinen Fall verstanden wissen. „Wir haben auch Behrens. Siebatcheu kann auch Tore nach Standards machen. Knoche hat schon ein Tor so gemacht. Wir haben viele Spieler, die das können. Die letzten Male war ich es dann“, sagte der 24 Jahre alte Niederländer. 

Zwei baugleiche Tore drehten in der Schlussphase das Spiel für die Köpenicker gegen Hoffenheim (3:1). Ecke Christopher Trimmel, Kopfball Doekhi. Es waren die Kopfballtore neun und zehn der Eisernen in der Liga: Bestwert. „Das ist eine unserer Waffen. Wir trainieren das viel und müssen weiter daran arbeiten“, sagte der Torschütze. Im Sommer von Vitesse Arnheim gekommen ist Doekhi inzwischen nach einer vergleichsweise kurzen Anlaufphase voll angedockt - so wie es bei Union mit Neuzugängen eben immer wieder klappt.

Doch auch neu dazugewonnene Qualitäten zeigt die Mannschaft in dieser Saison. „Es wurde uns eine lange Zeit als Schwäche ausgelegt, dass wir nach Rückständen nicht mehr reagieren können. Jetzt haben wir es das ein oder andere Mal geschafft. Ich glaube schon, dass uns das eine gewisse Zuversicht gibt“, sagte Trainer Urs Fischer. 

Im Stile einer Spitzenmannschaft hatten die Berliner nach einer durchschnittlichen ersten Halbzeit eine ordentliche Schippe draufgelegt. „Das zeichnet uns aus. In so einem Stadion, mit den Fans, kann man Spiele drehen“, sagte Jamie Leweling, der das 3:1 in der Nachspielzeit markiert hatte. „In der zweiten Halbzeit hatten wir einen anderen Spirit auf dem Feld, mehr Energie“, sagte Doekhi.

Doch Fischer mahnte auch: „Kein Trainer möchte gerne 1:0 in Rückstand geraten, weil es nicht ganz so einfach ist, ein Spiel zu drehen.“ Gegen Mönchengladbach gelang das in der Alten Försterei ähnlich beeindruckend wie am Samstag gegen Hoffenheim. Auswärts in Leverkusen und Freiburg ging es nach einem Rückstand gehörig schief. In vier der letzten fünf Ligaspiele liefen die Berliner einem Rückstand hinterher.

Doch gerade zu Hause bleibt Union eine Macht. Seit 14 Bundesligaspielen verlor das Team nicht mehr daheim. So könnten die Berliner noch länger im Kampf um die Champions-League-Plätze bleiben, auch wenn bis zum Erreichen der 40-Punkte-Marke nur vom Klassenerhalt gesprochen wird.

Dass der Club sich möglicherweise gerade erneut auf ein höheres Level hebt, zeigt auch eine weitere Personalie. Am Sonntag verkündete Union die Verpflichtung des kroatischen WM-Fahrers Josip Juranovic als Ersatz für den nach Dortmund abgewanderten Julian Ryerson. 

Juranovic kommt vom schottischen Meister Celtic Glasgow und spielte in dieser Saison in der Champions League unter anderem schon gegen Real Madrid. Bei der WM kam er für Kroatien bis zum Halbfinale in jedem Spiel über die volle Distanz zum Einsatz. Der 27-Jährige gilt als offensivstarker Rechtsverteidiger und dürfte nicht nur das Interesse von Union geweckt haben. Dem Vernehmen könnte er der neue Rekord-Transfer der Köpenicker werden.

Zum Abschluss der Hinrunde treten die Eisernen schon am Mittwoch bei Werder Bremen (20.30 Uhr/Sky) an. Den Norddeutschen dürfte noch das 1:7-Debakel in Köln in den Knochen stecken. Am Samstag darauf können die Unioner dann bei Stadtrivale Hertha BSC den fünften Derby-Sieg in Serie schaffen.

Dabei sollte dann im Fall der Fälle auch ein Makel der bisherigen Saison beseitigt werden. Fünf Elfmeter bekam Union in der Bundesliga-Saison zugesprochen, nur einer landete im Tor. „Da haben wir keine gute Serie. Das müssen wir besser machen“, sagte Fischer. Am Samstag verschoss Stürmer Jordan Siebatcheu seinen zweiten Strafstoß in dieser Spielzeit. „Er muss das verarbeiten. Gestern im Training haben wir noch Strafstöße geübt. Da hat er sie souverän und kaltblütig verwandelt. Aber ein Abschlusstraining ist kein Spieltag“, sagte Fischer über den Stürmer, der seit September auf ein Pflichtspieltor wartet.