Würzburg - Der Marktwert von Robert Wulnikowski ist in siebzehn Profifußballjahren nur ein Mal, und das nur knapp, über die halbe Million Euro gestiegen. Zurzeit liegt er bei unbekannt bis etwa null. Wulnikowski wird im kommenden Sommer vierzig Jahre alt. Auch nur ein Mal hat der Torwart Geld gekostet.

Vor zwölf Jahren überwies Rot-Weiss Essen angeblich 70.000 Euro an den 1. FC Union Berlin, wo der Pole um die Jahrtausendwende ein bisschen Fahrstuhl fuhr zwischen Zweiter und Dritter Liga. Warum das noch wichtig ist?

Ist Union schon ein Spitzenteam?

Nun, weil dieser Wulnikowski am Mittwochabend mit seinen Würzburger Kickers gegen Union spielte und erst mal sehr viel Zeit zum Nachdenken hatte. Sich dabei in Ruhe und ohne gegnerische Einwirkung erinnern konnte an seine insgesamt doch schöne Zeit in Berlin. Am Ende ärgerte sich Wulnikowski trotzdem über ein 1:0 (0:0) seines ehemaligen Klubs.

Die Frage, die am Anfang stand, die aber in dieser frühen Saisonphase natürlich noch wenig Sinn machte, lautete, ob das hier irgendeine Art Zweitligaspitzenspiel sein würde. Ob also Würzburg (Platz zwei) und Union (Platz fünf) irgendwie schon zwei Spitzenteams sind. Beide Trainer haben diese Frage sinnigerweise verneint. Und wie sich im immer weiteren Spielverlauf zeigen sollte, taten sie das jeweils zu Recht.

In der ersten, torlosen und torschussarmen Halbzeit wurde Wulnikowski jedenfalls nur ein Mal aus seinen Erinnerungsträumen geweckt. Das immerhin etwas unsanft, als Damir Kreilachs Kopfball (34.) nach einer Ecke nur die Latte traf. Auf der anderen Seite vergab Würzburg eine gefühlte Halb- und zwei geschätzte Viertelchancen.

„Wir wussten, dass unsere Chance kommen würde.“

Die Absicht, nicht verlieren zu wollen, schien bei Union zunächst größer zu sein, als unbedingt gewinnen zu müssen. Unions Dennis Daube sollte später behaupten: „Wir wussten, dass unsere Chance kommen würde.“

Auch in der zweiten Halbzeit war Würzburg lange das bessere Scheinspitzenteam. Aber das sah dann so aus: Nach einem etwas zu kurz geratenen Rückpass von Kristian Pedersen auf den etwas zu überraschten Toni Leistner kam über Umwege Würzburgs Elia Soriano an den Ball. Doch aus guter und freier Position schoss der Stürmer genau in die zupackenden Torwarthände von Jakob Busk.

Erst sechs Minuten vor Schluss

Einen ersten und erstmals auch ernsthaften Offensivschub für Union gab es nach der Einwechslung von Simon Hedlund zwanzig Minuten vor Spielschluss. Der teuerste Transfer der Klubgeschichte (850.000 Euro) brauchte bei seinem Saisondebüt nur drei Minuten für seinen ersten Torschuss. Der hatte zwar die richtige Höhe, aber die falsche Breite – Wulnikowski war ja auch noch da.

Erst sechs Minuten vor dem Abpfiff bewies Collin Quaner wieder seine hervorragende Frühform. Gleich an mehreren Verteidigern vorbei dribbelte er sich an die Strafraumgrenze und schlenzte den Ball an den Innenpfosten – und ins Tor. Mit dem Außenrist! Es war die einzige spitzenspiel- und spitzenteammäßige Aktion des Abends. Aber es war eine. (BLZ)