Folgende Einschätzung über Grischa Prömel stammt aus dem Sommer 2013 von Julian Nagelsmann, damals U19-Trainer der TSG Hoffenheim. „Da bin ich auch sehr gespannt. Den haben wir dazugenommen, weil er bei den Stuttgarter Kickers eine Führungsrolle übernommen hat. Da hat er mir gut gefallen in den Ligaspielen. Er hat einfach schon ein Jahr lang Bundesligaerfahrung. Er ist von seiner Art, als Typ sehr wertvoll für das Team, ein bodenständiger Arbeiter. Er wird sicher wertvolle Elemente in unser Spiel bringen, damit wir erfolgreich sind in diesem Jahr.“

Nagelsmann ist nun Cheftrainer in Hoffenheim und wird in München gar als möglicher Nachfolger des geschassten Carlo Ancelotti gehandelt. Prömel wiederum ist Spieler des 1. FC Union, glänzte am Montag beim 5:0 gegen Kaiserslautern als omnipräsenter Zentrumsspieler, erfuhr Lob von allen Seiten, im Besonderen von Stürmer Sebastian Polter, der fand, dass Prömel entscheidender Erfolgsfaktor war.

„Wir wussten genau, warum wir ihn im Sommer verpflichtet haben“

Was Nagelsmann in der Reportage „Ich werde Fußballstar. Der knallharte Weg ins Profigeschäft“ über Prömel gesagt hat, lässt sich also, leicht abgewandelt, auf das Hier und Jetzt anwenden. So steht es außer Frage, das hat Union-Coach Jens Keller schon zu verstehen gegeben, dass Prömel heute beim Spiel in Aue (13 Uhr) die Rolle des Verbindungsspielers zwischen Abwehr und Angriff übernimmt. Prömel sagt: „Wir müssen auf jeden Fall nachlegen, sonst hat der Sieg gegen Lautern nichts gebracht.“ Und: „Es gibt genug Spieler, die schon in Aue gespielt haben. Die wissen, dass es dort eklige Partien geben kann.“

Nimmt man die Leistung gegen Kaiserslautern zum Maßstab, bestätigt der 22-Jährige Erkenntnisse aus der Vorbereitung: Er ist eine Verstärkung für die Eisernen und ein mächtiger Konkurrent im teaminternen Wettbewerb um die Stammplätze im Mittelfeld. Gegenüber Stephan Fürstner beispielsweise hat Prömel den Vorteil, dass er die Sechserposition nicht als eine Art Libero vor der Abwehr, sondern als Box-to-box-Player interpretiert. Also nicht nur abschirmt, sondern mitmarschiert, wenn die Gelegenheit dazu gegeben ist. Im Vergleich mit Felix Kroos kann Prömel bei Zweikampftechnik und Energie punkten. Er sagt: „Als Sechser ist es meine Aufgabe, die Mitspieler zu coachen und zu führen.“ Coach Keller sagt: „Wir wussten genau, warum wir ihn im Sommer verpflichtet haben.“

„Ich hatte ein Knochenödem. Extrem schmerzhaft“

Ein Transfer wie der von Prömel birgt allerdings auch ein gewisses Risiko. Man kann ja nur hoffen, dass einer, der im Sommer 2016 noch als Silbermedaillengewinner bei Olympia gefeiert wurde, im Anschluss aber mit dem Karlsruher SC eine düstere Spielzeit samt Abstieg erlebte, wieder die Kurve kriegt. Zumal er mit dem Handicap einer komplizierten Verletzung nach Berlin kam.

„Ich hatte ein Knochenödem. Extrem schmerzhaft“, sagt Prömel. „Man kann das schlecht behandeln. Da ist Wasser drin. Das muss raus. Und das Einzige, was da hilft, ist Ruhe.“ Ruhe, die er sich kurioserweise durch seine Rote Karte am 20. August beim Spiel in Nürnberg holte. Insofern war es wohl der erste Feldverweis in der Geschichte des Fußballs, der auf lange Sicht nicht nur den Spieler, sondern auch den Klub weitergebracht hat.