Berlin - Manche, so Fritz und Ottmar Walter, sind zusammen Weltmeister geworden. Andere, so Karlheinz und Bernd Förster, haben gemeinsam den EM-Titel gewonnen. Etliche andere, so Roland und Peter Ducke und ganz früher Karl und Siegfried Wolf in der DDR sowie Uli und Dieter Hoeneß im DFB-Team, bestritten für ihre Heimat ebenso Länderspiele. Inzwischen gibt es auch eine andere Seite. Da spielen bei einer WM schon mal Jerome Boateng für Deutschland und Kevin-Prince für Ghana – und das gegeneinander.

Brüder sind im Fußball eine durchaus besondere Spezies. Meist versuchen sie es gemeinsam. Klappt das nicht und trennen sich ihre Wege, hängt der eine doch an dem anderen, drückt ihm die Daumen und wünscht ihm alles Glück dieser Welt. Weil die Siege und die möglichen Titel in der Familie bleiben und auch auf den anderen ein wenig Glanz werfen. Felix Kroos weiß das am besten.

Was aber passiert, wenn sie wie die Boatengs gegeneinander ran müssen wie am Sonnabend in der Alten Försterei Keven Schlotterbeck und sein Bruder Nico, der das Trikot des SC Freiburg trägt? Es ist leicht dahingesagt, dass für 90 Minuten die Familie nicht die allererste Geige spielt oder die Bande zumindest lockerer sitzen. Ist das in Wirklichkeit tatsächlich so einfach? Je länger ich darüber nachdenke, umso schwerer fällt mir die Vorstellung, dass ich einen, den ich viele Jahre aus dem Kinderzimmer kenne und mit dem ich manchen pubertären Strauß ausgefochten habe, brutal weggrätschen soll. Erstmals stehen die beiden vor solch einer Situation. Zu unterschiedlich nämlich verlaufen ihre bisherigen Wege.

Als Nico, mit 19 der Jüngere, einst mit der A-Jugend des Karlsruher SC Bundesliga spielte, kickte Keven, mit 22 der Ältere, in Backnang in der Verbandsliga. Sechstligist gegen Supertalent. In der Bundesliga sind sie (noch) keine großen Lichter, bringen es zusammen (Keven führt mit 13 gegenüber 7 für Nico) auf bisher erst 20 Einsätze. Immerhin schafften sie es in Freiburg zweimal, gemeinsam in der Startelf zu stehen. Das ist umso bemerkenswerter, da sie beide Verteidiger sind, auch noch einen stärkeren linken Fuß haben und deshalb einer dem anderen positionell eher im Weg steht. Selbst wenn beide Spiele verloren wurden, gingen diese außergewöhnlichen Momente den beiden ans Herz, den Eltern aber, klare Sache, noch ein bisschen mehr. „Mama hat auf der Tribüne geheult“, erzählte Keven jüngst dem Kicker, „Papa war unglaublich stolz.“

Kurioserweise ist es derzeit jedoch so, dass Nico, der Freiburger, trotz seiner erst sieben Spiele eine deutlich bessere Siegbilanz aufweist als Keven, der Unioner. Dreimal nämlich schon stand der 19-Jährige als Gewinner auf dem Rasen, in der vorigen Saison beim 2:1 gegen Hertha BSC und in diesem Spieljahr beim 3:0 gegen Mainz und beim 3:1 in Paderborn.

Damit, man mag es kaum glauben, führt er gegen seinen älteren Bruder mit 3:0! Gibts nicht? Gibts doch, weil Keven zwar im Breisgau stark gestartet ist, selbst bei einem 1:1 gegen die Bayern dabei war, es für einen Dreier aber nie gelangt hat. Die Bilanz mit den Eisernen ist bislang ebenso überschaubar, denn beim 3:1 gegen Dortmund, dem einzigen Sieg der Rot-Weißen, brummte er seine Rot-Sperre von Augsburg ab.

Es hätte eine durchaus brüderliche Pointe, würde Keven im Spiel gegen Nico den Bock endlich umstoßen.