Das Zauberwort in der Alten Försterei derzeit und vor dem Match bei den Bayern kann nur heißen: genießen. Den Sieg über den SC Freiburg natürlich. Das dritte Bundesligator von Marius Bülter und das erste von Marcus Ingvartsen. Dazu die erste Null, die Rafal Gikiewicz hinten festgemacht hat im Oberhaus für die Rot-Weißen, die dem vor Ehrgeiz sprühenden Schlussmann das Adrenalin noch mehr sprudeln lässt. Vor allem hat es diesen einzigartigen Augenblick gegeben: das Debüt in Deutschlands Eliteliga für Michael Parensen.

Es ist ein überwältigender Moment, weil es selten geworden ist im Fußball auf dieser Ebene, dass jemand mit 33 Jahren, drei Monaten und 25 Tagen in den Kreis derer aufgenommen wird, die von sich sagen dürfen: Ich war dabei! Es ist der Ritterschlag. Als Methusalem geht der Dauerbrenner trotzdem nicht ganz durch. Da gibt es andere in der 56-jährigen Historie der Bundesliga, zumal Rekorde meist aus den Anfangsjahren stammen, als die Bälle sozusagen bundesweit erst fliegen lernten und die Debütanten der Anfangssaison teils schon am Ende ihrer Karrieren standen.

Max Morlock lässt grüßen

So Richard Kreß, der Stürmer von Eintracht Frankfurt. Als er mit 38 Jahren debütierte, hatte er neun Länderspiele unter Bundestrainer Sepp Herberger und ein europäisches Meistercupfinale hinter sich: 3:7 gegen Real Madrid, wobei er ein Tor erzielte. Er hatte nur noch diese erste Bundesligasaison vor sich. 38 war auch Max Morlock, der 54er-Weltmeister vom 1. FC Nürnberg, wie auch Dragomir Ilic, einst Torhüter von Werder Bremen. Heinz Kwiatkowski, ein weiterer Schlussmann, war 37, als er für Borussia Dortmund in der Bundesliga debütierte. Ebenso Morten Olsen für den 1. FC Köln. Anders ausgedrückt: Micha, das ist doch erst der Anfang.

Am ehesten mit ihm zu vergleichen ist Carsten Linke, auch er ein Abwehrspieler. Als der 2002 mit 36 Jahren erstmals in der Bundesliga eingesetzt wurde, für Hannover 96 nämlich, hatte er mit den Niedersachsen wie der „ewige Micha“ einen Aufstieg aus der dritten in die zweite und aus dieser in die erste Liga geschafft. Fußballgott haben sie ihn in Hannover gerufen. Wie sich das anfühlt, weiß Parensen genau. In Köpenick ist er das von Anfang an und nunmehr im elften Jahr.

Unions Vorbild

Einen besonderen Spaß hat sich ein anderer 96-Spieler bei seinem Debüt gegönnt, Jörg Sievers. Auch er war mit 36 erst ganz oben angekommen. Sievers, der Torwart, erinnert sich: „Weil ich schon so alt bin, ziehe ich das älteste Trikot an, das ich auftreiben kann.“ 2002 war das, auch Fredi Bobic schoss damals Tore für die Hannoveraner, die – Beispiel nehmen, Union – als Tabellenelfter souverän die Klasse hielten.
Genießen also. Und das so lange wie möglich. Denn es könnte am Sonnabend, so gegen 17.20 Uhr, erst einmal wieder zu Ende sein damit. Vielleicht muss Parensen seinen Platz wieder räumen. Eventuell kommen die Bayern wieder ins Rollen. Trotz allem: genießen. Denn in Fröttmaning steigt für viele Eiserne das Spiel der Spiele. Eines, das sich von selbst erklärt. In dem es nichts zu verlieren gibt für einen Aufsteiger, nur zu gewinnen. Anerkennung oder Erfahrung. Einerseits. Andererseits grenzt schon ein Punkt an Utopie und wäre ein regelrechter Traum.

Ungeachtet des Ausgangs beim Rekordmeister, ein Traum ist diese gesamte Saison ohnehin. Für alle und für Michael Parensen sowieso.