Anthony Ujah im Zweikampf mit Schalkes Ozan Kabak.
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BerlinDer 1. FC Union hat es am Sonntagnachmittag im Heimspiel gegen den FC Schalke verpasst, einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt zu machen. Die Elf von Trainer Urs Fischer kam nach einer starken Anfangsphase und dem verdienten Führungstreffer durch Robert Andrich nicht über ein 1:1 hinaus und ist wohl bis zum Saisonende mit dem Thema Abstiegskampf beschäftigt. Zum Leidwesen aller, die es mit den Eisernen halten, wenngleich die Verantwortlichen, allen voran Trainer Urs Fischer, die Fangemeinde wiederholt auf dieses unangenehme Szenario hingewiesen hatten. 

„Wir wollten heute unbedingt einen Dreier holen, waren zu Beginn auch richtig gut dabei. Und dann geben wir das nach der Führung wieder aus der Hand“, sagte Andrich. Und: „Wir müssen da jetzt aber dranbleiben und bei den ausstehenden Spielen einfach die nötigen Punkte holen.“

Es gehe nur über Kleinigkeiten, hatte Fischer vor der Partie mehrmals erklärt. Kleinigkeiten wie ein erzwungener Eckstoß oder Freistoß, ein gewonnener Zweikampf am Boden oder in der Luft, damit seine Mannschaft wieder zu sich und ihrem Spiel findet. Wobei das mit den Kleinigkeiten manchmal gar nicht so einfach ist, wenn die Spieler nach einer Reihe von Negativerlebnissen doch stark verunsichert sind. Der eine mehr als der andere, was Fischer wohl auch bei der Wahl seiner Startelf entscheidend beeinflusst haben dürfte.

Für Neven Subotic, der nach der durch die Corona-Pandemie notwendig gewordenen Spielpause ungewohnt fahrig wirkte, agierte Florian Hübner als Verteidiger in der Abwehrdreierkette. Für Grischa Prömel, dem in Mönchengladbach ein folgenschwerer Ballverlust im Mittelfeld unterlaufen war, rückte Robert Andrich ins Team. Marius Bülter ersetzte den angeschlagenen Christopher Lenz auf der linken Seite in einer etwas defensiveren Position als gewohnt. Und im Angriff sollten Yunus Malli und Anthony Ujah als Supporter von Sebastian Andersson die Durchschlagskraft erhöhen. Mutig war das, aber nicht verwegen. Man hätte diese Anordnung auch mit dem Arbeitstitel „Stürmische Routine“ versehen können, im Nachhinein wohl dann auch mit „Die richtige Mischung“, wenn das Team nicht doch wieder einmal den Faden verloren hätte.

Schon bemerkenswert, dass im Besonderen diejenigen, die neu in die Mannschaft gekommen waren, von Beginn an im Mittelpunkt standen. Malli, der nach einem Querpass von Bülter offensichtlich nicht wusste, wie viel Zeit und Raum er mitten im gegnerischen Strafraum da hatte, deshalb viel zu hastig ein Schüsschen aus seinem rechten Fuß drückte. Vier Minuten waren da gespielt. In der elften Spielminute erkannte Ujah, dass der Schalker Juan Miranda womöglich bei der Ballannahme Probleme bekommen könnte, schnappte sich dann auch den Ball, um nach einem schnellen Haken nach innen mit einem bestens getimten Ball Andrich auf die kurze, aber einsame Reise Richtung Schalke-Tor zu schicken. Ein wenig zittrig war der Abschluss des Eisernen, aber gut genug, um damit Alexander Nübel zu überwinden. Jubelgesänge waren daraufhin auszumachen, sie kamen von draußen vor dem Stadion, etwa 20 unentwegte Fans dürften es gewesen sein. 

Das Problem der Gastgeber, die durch Hübner (15.) und Ujah (24.) noch zwei gute Chancen zum 2:0 vergaben, war also an diesem Nachmittag erst mal nicht die eigene Leistung, sondern das Glück der Schalker, die trotz ihres zunächst indiskutablen Auftritts durch Jonjoe Kenny zum Ausgleich kamen. In der 28. Minute war das, als der Engländer viel zu spät attackiert wurde und Rafal Gikiewicz bei diesem wuchtigen Schuss aus 18 Metern die Hand nicht mehr an den Ball bekam.

Es war ein Treffer mit Wirkung, denn bei Fischers Kleinigkeiten waren nun plötzlich die Schalker im Vorteil. Immer wieder kamen die Unioner einen Tick zu spät, immer wieder unterliefen ihnen schon in der Ballannahme kleine Fehler. Allerdings mangelt es auch den Königsblauen grundsätzlich an spielerischer Klasse, sodass im zweiten Spielabschnitt weder da noch dort eine klare Linie zu erkennen war. Ein Zweikampffestival entwickelte sich aus dieser beiderseitigen Verlegenheit, nahezu ohne Strafraumszenen.

Das war nicht schön, aber allemal intensiv. Das war nicht zielgerichtet, aber voller guter Absichten. Und schon ein bisschen verwunderlich, dass bei all den Fehlern nicht doch noch eine Mannschaft zu einem Tor kam. Die beste und einzige Chance dazu hatte aufseiten der Unioner Keven Schlotterbeck, der in der 87. Minute aus kurzer Distanz, allerdings auch aus spitzem Winkel an Nübel scheiterte. 

Dennoch wertete Union-Coach Fischer den Punkt als Zwischenerfolg. Er sagte: "Das Einzige, was wir uns eingestehen müssen, ist, dass wir mit den Möglichkeiten, die wir hatten, drei Tore schießen müssen in der ersten Hälfte." Letztlich hätte seinem Team ein wenig die Kaltschnäuzigkeit gefehlt.