Union nimmt Auswärtshürde: Fischer verleiht den Eisernen beim 2:0 in Kiel Flügel

Kiel - Der Mann des Spiels? Schwer auszumachen bei einer Mannschaft, die an diesem Freitagabend wie aus einem Guss gespielt hat. Die beim 2:0 (1:0) an der Kieler Förde auf eindrucksvolle Art und Weise ihre Ambitionen unter Beweis gestellt hat. Die sich anschickt, den eisernen Traum vom Aufstieg in die Bundesliga wahr werden zu lassen. 44 Punkte aus 24 Spielen sind jedenfalls eine gute Basis für mehr.

Sicher, man könnte Felix Kroos diesen Titel verleihen, immerhin erzielte der Mittelfeldspieler in der 27. Minute mit einem sehenswerten Schuss von der Strafraumgrenze den Selbstbewusstsein stärkenden Führungstreffer.

Genauso gut könnte man aber auch die Mittelfeldspieler Grischa Prömel und Manuel Schmiedebach als die entscheidenden Faktoren für den so wichtigen Auswärtssieg beim KSV Holstein benennen. Oder Keeper Rafal Gikiewicz, der zur Stelle war, wenn er zur Stelle sein musste, wie in der 51. Minute, als er einen Schuss von Masaya Okugawa glänzend parierte. Ja, auch die Innenverteidiger Marvin Friedrich und Florian Hübner, die wiederholt Angriffe der Gegner ins Leere laufen ließen, hatten sich mal wieder hervorgetan.

Die richtigen Schlüsse gezogen

Aber Schluss mit der Qual der Wahl, bei der man an diesem Abend den meisten Union-Profis nicht gerecht werden konnte: Der Mann des Spiels ist Urs Fischer, der Trainer des 1. FC Union, der aus dem 1:1 gegen Arminia Bielefeld die richtigen Schlüsse gezogen, seinem Team mit allerlei Veränderungen die entscheidenden Impulse für eine Leistungssteigerung verliehen hat.

Auf vier Positionen hatte der Schweizer seine Startelf im Vergleich zum letzten Spieltag verändert. Carlos Mané, Akaki Gogia, Christopher Lenz und Felix Kroos kamen für Marcel Hartel, Robert Zulj, Joshua Mees und Ken Reichel zum Zug. Wobei Letztgenannter noch nicht einmal im Kader stand. Die Lehre daraus lautet: Fischer hat ein Gerüst, das schon, aber letztlich muss sich fast jeder Woche für Woche aufs Neue beweisen. Konkurrenzkampf pur also in Köpenick!

Gogia überzeugt mit Einsatz

Im Besonderen Kroos und Gogia scheinen ihren Fußballlehrer verstanden zu haben. Der eine überzeugte nicht nur wegen seines Tores, das Prömel prächtig vorbereitete hatte, sondern auch mit seiner nüchternen, von sicherem Passspiel geprägten Spielweise. Der andere bestach mit einer Qualität, die mitunter bei ihm nicht so leicht auszumachen ist, nämlich mit resolutem Einsatz.

Gleichwohl wirkte Gogia in der finalen Aktion doch etwas zu übermotiviert und überhastet, als dass er sich selbst mit einem Treffer hätte belohnen können. Nach etwas mehr als einer Stunde wurde er durch Hartel ersetzt. Mees kam wenig später für Mané, Zulj dann auch noch für Kroos. Drei Wechsel, mit denen Fischer in Anbetracht der nachlassenden Kräfte und Konzentration einerseits auf die Sturm-und-Drang-Phase der Gastgeber reagierte, andererseits die vorzeitige Entscheidung suchte.

Trimmel hat Probleme

In so einem intakten Gefüge, wie es Fischer geschaffen hat, darf sich dann auch mal einer wie Christopher Trimmel einen schwächeren Auftritt erlauben. Der Kapitän und Rechtsverteidiger hatte mit Okugawa mitunter doch ziemlich große Probleme. Immer wieder verstrickte der Japaner den Österreicher in Eins-gegen-Eins-Situationen, brachte Mitspieler und sich selbst in ziemlich gute Abschlusssituationen, letztlich aber ohne durchschlagenden Erfolg.

Die Entscheidung, die sowohl Mees mit einem unplatzierten Schuss (74.) als auch Hartel mit einem Schuss gegen den Pfosten (90.) verpasst hatten, brachte schließlich Mittelstürmer Sebastian Andersson, der nach dem Scheitern von Zulj an Kiels Keeper Kenneth Kronholm gekonnt abstaubte. „Das war ein wichtiger Sieg gegen einen direkten Konkurrenten. Wir können heute zufrieden nach Hause fahren“, sagte Felix Kroos. „Wir wissen aber auch, dass wir nachlegen müssen.“