Fußballer sind keine Models, das  hat sich beim Media Day des 1. FC Union mal wieder bestätigt. Trikot an, Trikot aus, hier ein Fotograf, da noch einer und noch einer. Lächeln an, Lächeln aus. Schnell wird klar, dass sich die Spieler lieber von den Trainern über den Platz scheuchen lassen als von der Medienabteilung. Aber was soll’s.

Pflicht ist Pflicht, und irgendwann müssen die vielen Fotos für die Sonderhefte, Sammelalben und Broschüren ja entstehen. Just an diesem Tag, an dem eigentlich die Spieler im Fokus  stehen, hat sich nun  Präsident Dirk Zingler mit einem Interview ins richtige Licht gesetzt. Und die erste Reaktion darauf war fast panisch: Huch, hat er „Investor“ gesagt?

Ja, das hat Unions Klubboss. Doch wirklich Neues verriet der in der Montagsausgabe des Fachmagazins Kicker nicht. Vielmehr passt das Interview in die Strategie des großen Kommunikators Dirk Zingler: Der stete Tropfen höhlt den Stein. Sollte es tatsächlich irgendwann mal so weit kommen, dass Union einen Investor in den Verein hineinlässt, wird das niemanden unvorbereitet treffen. Und was immer wieder erwähnt wird, verliert nach und nach seinen Schrecken.

Vor zweieinhalb Jahren war Dirk Zingler ins Wintertrainingslager nach Spanien gereist, weil Redebedarf herrschte. Ein halbes Jahr zuvor hatte er den großen Umbruch eingeleitet, mit neuem Trainer (Norbert Düwel) und neuen Strukturen. „Wir werden alle Finanzierungsarten, die es im Profifußball gibt, auch bei uns anwenden“, sagte er damals.

Raus aus den Denkmustern

Der aktuelle Stand ist nun gemäß der Äußerung im Kicker: „Wenn in zehn Jahren alle anderen einen Investor haben, uns deshalb enteilen und wir Gefahr laufen, aus dem Profifußball zu fliegen, haben wir uns darüber Gedanken zu machen.“
Zingler hat nie ein Blatt vor den Mund genommen, wenn es darum ging, den Verein zu modernisieren und die Mitglieder auf die damit einhergehenden Veränderungen vorzubereiten. Wohl dosierte Ehrlichkeit ist sein Trumpf.

Auf jeder Mitgliederversammlungen des Vereins und bei jedem Aktionärstreffen der Stadionbetriebsgesellschaft hat Zingler klargestellt, dass er von seinen Mitarbeitern vor allem eine Einstellung erwartet. Nämlich die, sich keinen vorgegeben Denkmustern zu unterwerfen, wenn es um das Wohl des Vereins geht.

Wie geschickt Zingler die Veränderung moderiert, zeigt der Blick zurück auf das, was Union vor einem Jahrzehnt war: ein gerader aufgestiegener Regionalligist mit etwas mehr als 4000 Mitgliedern. Inzwischen sind es etwa viermal so viele, und der Verein macht jetzt schon einen Millionenumsatz, der Mitgliedern und Fans damals noch Schwindel und Angst bereitet hätte. Der Fußball im Stadion An der Alten Försterei schmeckt auch längst mehr nach Bundesligadessert als nach lokaler Hausmannskost.

Die Anforderungen im Profifußball ändern sich

Vielleicht kommt also in zehn Jahren ein Geldgeber hinzu, vielleicht auch eher, wenn das Zingler als notwendig erachtet. Die Anforderungen im Profifußball ändern sich rasend schnell, siehe der durch die Vorgaben des Ligaverbands beschleunigte Ausbau des Stadions.

Anders als vor einem Jahrzehnt ist dafür nicht mehr die tatkräftige Unterstützung der Fans nötig und anders als vor einem halben Jahrzehnt auch nicht mehr die finanzielle Unterstützung (Stichwort: Stadionaktie). Zur Finanzierung setzt er aber lieber auf feste Zinsverträge mit vertrauenswürdigen Banken als auf einen Geldgeber, der plötzlich seine Lust an Union verlieren könnte.

Die wirkliche Diskussion beginnt erst, wenn Union sich grundsätzlich für einen Investor entschieden hat. Dann nämlich kommt die Frage des „Wer“ und „Wie“.