Seit 2004 ist Dirk Zingler, 53, Präsident des 1. FC Union. Unter seiner Führung entwickelte sich der Klub zu einer festen Größe im deutschen Profifußball. 

Herr Zingler, die Mitgliederversammlung der 36 Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga wird am 22. März über den weiteren Diskussionsprozess zur 50+1-Regel befinden, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Fußball Liga (DFL). Was erwarten Sie von diesem Treffen?

Wir haben als Verein eine klare und deutliche Position. Auch wenn uns der Zeitpunkt und die Motivation für die Diskussionseröffnung etwas irritiert, werden wir uns in diesen Diskussionsprozess aktiv einbringen. Wir sind für die Beibehaltung der 50 plus 1 Regelung. Jede Anpassung oder Veränderung der heutigen Regelungen sollte zu einer besseren Klarstellung der Ausnahmeregelungen führen. Eine Öffnung lehnen wir ab.

Der eine oder andere Klubvertreter scheint in Sachen 50+1 aber dann doch wieder Gesprächsbedarf zu haben.

Wir würden es begrüßen, wen sich das DFL-Präsidium am Anfang der Gesellschafterversammlung eine Legitimation holen würde und zu Beginn abstimmen lässt, ob es diesen Diskussionsprozess wirklich geben soll. Sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuspielen, wie bei den Montagsspielen, gemäß dem Motto, die DFL war’s, aber am Ende doch die 36 Profiklubs und nicht die DFL, das muss ein Ende haben. Ich kann dem DFL-Präsidium da nur wünschen, gleich am Anfang alle mit ins Boot zu holen.

An vielen Profifußball-Standorten ist eine Entfremdung zwischen Klub und Publikum auszumachen? Mancherorts sind die Gemüter auf beiden Seiten so erregt, dass sogar eine Eskalation zu befürchten ist.

Wir müssen aufpassen, dass der Zuschauer im Stadion der wichtigste Zuschauer bleibt. Das ist unser allererster und wichtigster Fußballkonsument, oder wie auch immer er sonst genannt wird. Wir spielen in erster Linie für die Menschen Fußball, die zu uns ins Stadion kommen. Das dürfen wir nicht außer Acht lassen. Das, was dann im Stadion passiert, darf sehr gern übertragen werden, kann weltweit verkauft, internationalisiert werden. Wir dürfen aber nicht zulassen, dass schon im Stadion selbst alles internationalisiert wird.

Die Bundesliga sollte sich also davor hüten, sich an der englischen Premier League oder der spanischen Primera División zu orientieren…

Wir müssen als deutscher Fußball authentisch bleiben. Dann dürfen wir gern versuchen, diesen authentischen deutschen Fußball zu vermarkten. Wenn wir aber das, was wir im Stadion machen, an internationale Maßstäbe angleichen, dann werden wir beliebig. Das ist für mich der falsche Weg.

Vermarkter denken in Zeiten der Globalisierung geradezu zwangsläufig international.

Ich glaube, unsere Medienpartner wünschen sich auch erst mal eine Stärkung des nationalen Wettbewerbes. Aus einem starken und interessanten nationalen Wettbewerb, da bin ich fest überzeugt, entsteht auch internationale Wettbewerbsfähigkeit. Es wird in Zukunft darum gehen, solidarisch die zur Verfügung stehenden Mittel wettbewerbsfördernd in den nationalen Wettbewerb zu verteilen.

Es hat aber den Anschein, dass die vielgerühmte Solidargemeinschaft der deutschen Profiklubs gar nicht mehr so solidarisch ist.

Na ja. Union bekommt aus der Rechtevermarktung in diesem Jahr ca. 13 Millionen Euro. Das ist schon sehr solidarisch. Es gibt keinen Grund, sich darüber zu beschweren. Denn wenn wir unsere TV-Rechte alleine vermarkten würden, würden wir nicht so viel bekommen. Aber die Verteilung geht noch solidarischer, zum Nutzen der gesamten deutschen Fußballs und der Spitzenvereine.

Also kann man nur hoffen, dass der FC Bayern in dieser Hinsicht immer schön großzügig bleibt.

Solidarität fordern, ist einfach, sie aber zu leben, ist eine große Herausforderung. Da möchte ich gar nicht in der Situation von zum Beispiel Bayern München und Borussia Dortmund oder anderen sein. Diese Vereine könnten sich sicher selbst vermarkten und würden ähnlich viel für sich selbst generieren, ohne etwas nach Köpenick überweisen zu müssen. Uns steht als Nehmer nicht zu, noch mehr von denjenigen zu fordern, die ohnehin schon sehr solidarisch sind. Am Ende ist es eine gemeinschaftliche Aufgabe, eine für alle akzeptable Lösung zu finden. Und dabei kann jeder Profiklub mit seiner Stimme mitwirken. Keiner sollte sich hinter unserem eigenen Verband, der DFL verstecken, sondern selbst Verantwortung übernehmen. Wir müssen alle vom Vorteil eines solidarischen, interessanten nationalen Wettbewerbes überzeugt sein.

Die Harmonie zwischen den Klubs ist also gern mal nur eine gespielte?

Da muss ich Herrn Seifert oder auch das DFL-Präsidium mal in Schutz nehmen: Das, was er wahrnimmt an Tagen, an denen wir da im Rahmen einer Gesellschafterversammlung zusammenkommen und über diverse Themen diskutieren, entspricht manchmal nicht dem, was er am Tag darauf von den Vereinsführungen in den Zeitungen liest. Deshalb wünsche ich mir ja auch, dass sich die DFL durch Abstimmung klare Handlungsaufträge geben lässt. Die DFL ist unsere Organisation, macht im Endeffekt nur das, was wir als Vereinsvertreter beschließen. Das gilt auch für die 50+1- Klausel.