Zwei junge Union-Fans zeigen im Trainingslager in Bad Wörishofen, wem ihre Sympathien bei den Eisernen gelten. Mit den Trikots der früheren Unioner Rafal Gikiewicz (l.) und Sebastian Polter schauen sie den Eisernen beim Training zu.
Foto:  Matthias Koch

Bad WörishofenAuf einmal waren sie da. Sebastian Polter und Rafal Gikiewicz standen am Rande des Trainingsplatzes des FC Bad Wörishofen und schauten gebannt auf das Treiben auf den Rasenplätzen, auf denen sich der aktuelle Union-Jahrgang 2020/21 tummelte. Leuchtend neongelb der eine, im gewohnten Heimrot der andere.  Gut, die beiden waren etwas kleiner als die mittlerweile abgewanderten Originale. Aber wem ihre Zuneigung gehört, war bei diesen beiden kleinen Fans unübersehbar. 

Ein Zeichen dafür, dass niemand so ganz geht? Oder gar ein Schatten der Vergangenheit? Ihre Lieblinge sind nicht mehr da. Was natürlich Auswirkungen hat, die über das Unterallgäu bis weit nach Berlin reichen werden. Manch kleiner Unioner, der bislang stolz das Leibchen mit der Nummer 10 auf dem Rücken getragen hat, muss nun zu seinem Leidwesen feststellen, dass Sebastian Andersson aktuell der Träger der 9 geworden ist. Die 10 wiederum nennt Max Kruse in der neuen Spielzeit sein Eigen. 

Der wurde zwar bislang noch nicht bei den Übungseinheiten mit den neuen Kollegen gesichtet, aber die Hoffnungen, die sich auf den 32-Jährigen richten, liegen offen ausgesprochen in der Luft. So er denn endlich die Nachwirkungen seiner Sprunggelenksverletzung auskuriert hat, die zum Leidwesen der Eisernen zunächst in der Türkei nicht richtig diagnostiziert worden war. Dadurch zieht sich die Einsatzbereitschaft des gebürtigen Reinbekers natürlich hin.

Testspiel für Kruse geplant

„Er liegt aber im Plan“, so Ruhnert, der darauf baut, dass der 32-Jährige spätestens nach der zweiten Länderspielpause Anfang Oktober voll wieder hergestellt sein wird. Kurzeinsätze schließt man bei den Eisernen aber zuvor nicht aus. Auch liebäugelt man mit einem weiteren Testspiel kurz vor der ersten Pokalrunde, um Kruse ein paar Minuten zu bescheren, die auf dem Weg zur Wettkampftauglichkeit des Offensivspielers sicherlich förderlich wären. 

Überhaupt wähnt man sich bei den Köpenickern gut aufgestellt für das kommende zweite Bundesligajahr, auch wenn die beiden Testpielresultate vom Wochenende – 0:3 gegen Tirol und 1:2 gegen Köln – das noch nicht unterstrichen. Angst müsse man dennoch nicht haben, hatte Kapitän Christopher Trimmel jüngst nach den beiden etwas ernüchternden Niederlagen durchblicken lassen. Tests seien eben nun einmal genau dafür da, dass man etwas ausprobiert, um es im Ernstfall besser zu machen. „Schlimmer wäre es, wenn es heute um Punkte gegangen wäre“, so das Urteil des Burgenländers.  

Das Thema gilt bei den Eisernen als genauso abgehakt, wie der Patzer von Andreas Luthe gegen die Geißböcke, der den Domstädtern das zwischenzeitliche 2:0 beschert hatte in Friedrichshafen. „Er wird sich überlegen, ob er beim nächsten Mal eher den langen Ball sucht. Von daher sehe ich auch immer in so einem Fehler etwas Positives. Wichtig ist, dass du daraus lernst“, wollte Trainer Urs Fischer keine Baustelle im Kader erkennen. Selbst die mögliche Abwanderung von Lennart Moser macht den Eisernen dieser Tage kein Kopfzerbrechen. „Wir werden mit drei Keepern in die Saison gehen“, glaubt sich Manager Oliver Ruhnert gerüstet. Wobei er dabei offen ließ, ob eine eventuelle Nachverpflichtung Luthe die Stellung als Nummer eins streitig machen oder nur als Backup kommen soll. 

Im Abwehrbereich sind die Überlegungen der Köpenicker mehr oder weniger abgeschlossen. Links hinten wird Nico Gießelmann nach den ersten Eindrücken aus Bad Wörishofen es Christopher Lenz schwerer machen als im Vorjahr Ken Reichel. Rechts ist Trimmel ohnehin gesetzt. Zentral ist die Frage, ob Fischer auf Dreier- oder Viererkette setzt. Mit Marvin Friedrich, dem erfahrenen Robin Knoche, Florian Hübner und Nico Schlotterbeck sehen sich die Eisernen gut aufgestellt, die mit fünf Innenverteidigern in die Spielzeit gehen wollen. Was auf einmal sogar einen Verbleib von Lars Dietz möglich erscheinen lässt, so denn Neven Subotic mit einem neuen Arbeitgeber aufwartet.

Noch weniger Bedenken gibt es beim Betrachten des Mittelfeldes. Dort herrscht Gedränge, was Fischer ungemein erfreut. „Das ist doch gut so“, meint der Schweizer freudestrahlend als hätte er gerade den Klassenerhalt ein weiteres Mal bewerkstelligt.  Mit Robert Andrich – plagt sich gerade mit muskulären Problemen herum –, Christian Gentner, Sebastian Griesbeck und Grischa Prömel streiten sich  vier Akteure um die Plätze in der Schaltzentrale. Mehr als drei Vakanzen können da nicht gefüllt werden. Vielleicht sogar nur zwei. Nämlich die beiden Sechser-Plätze, wenn ein gesunder Max Kruse auf der 10 gesetzt sein sollte oder Fischer das taktische Repertoire womöglich auf ein 4-4-2 erweitert. 

Anderssons Abgang kein Thema mehr

Denn die Außenbahnen werden nach Lage der Dinge – egal ob im 3-5-2, 4-4-2- oder 4-3-3 – Marius Bülter (rechts) und Keita Endo (links) gehören. Joshua Mees und Akaki Gogia stehen erst einmal hinten an, auch wenn der Japaner noch robuster werden muss. Was Trimmel als völlig normal erachtet. „Das ging mir ja auch so als ich das erste Jahr in Deutschland gespielt habe“, meinte Unions Capitano. 

In vorderster Front führt eh kein Weg an Kruse und Sebastian Andersson vorbei. Auch wenn letzterer nach seiner mehrtägigen Magen-Darm-Erkrankung noch etwas Substanz wieder aufbauen muss, dieser „Tribut gezollt“ habe, wie Ruhnert beobachten musste. Abwanderungsgedanken schiebt er bei dem Schweden derzeit beiseite („keine Thematik“). Davor fürchtet sich bei Union keiner. Die Alternativen dahinter bilden dann Anthony Ujah und Cedric Teuchert, der jüngst in den Testspielen einen sehr lernwilligen Eindruck hinterließ. Und dann wäre da ja auch noch ein Marcus Ingvartsen in der Hinterhand. 

Union, so der Eindruck aus dem Unterallgäu, sieht sich gerüstet.