Schöpft die Flatrates der Telefongesellschaften gnadenlos aus: Ruhnert.
Foto: Matthias Koch

BerlinWer zählt die Völker, zählt die Namen, die alle hier zusammenkamen. Oder gingen in diesem speziellen Falle. „Kommen – Gehen – Bleiben“ heißt es im Thread in Unions Fanforum. Und so viel Arbeit hatten die Anhänger der Eisernen noch nie, um bei dem ganzen Wechselgeschehen der Eisernen auf dem Laufenden zu bleiben. 

Oliver Ruhnert, der Manager der Köpenicker, ist derzeit auf dem Transfermarkt so aktiv, dass einem schon leicht schwindelig wird. Ja, man hat den Eindruck, dass der Kaderplaner des Bundesligisten gleichzeitig mehrere Transfers abwickelt und immer wieder die Flatrates seiner Handys zum Leidwesen der Telefongesellschaften vollkommen ausschöpft und mit diversen Telefonapparaten gleichzeitig jongliert. Sollte jemand eines fernen Tages eine Skulptur des 48-Jährigen entwerfen wollen, böten sich die vielarmigen indische Göttinen Kali oder Shiva durchaus als Vorbilder an.

Nahezu täglich warteten die Eisernen zuletzt mit Kadermeldungen auf. Am Wochenende verkündeten sie Abgang Nummer 16. Moritz Nicolas sucht erwartungsgemäß das Weite. Die Leihgabe von Borussia Mönchengladbach, die bis auf einen Einsatz beim 0:4 in Hoffenheim das ganze Jahr hinter Rafal Gikiewicz auf der Bank versauerte, wurde von der Borussia vorzeitig zurückgeholt und soll sein Glück jetzt bei Zweitligist VfL Osnabrück versuchen.

Auch am Sonntag war Ruhnert nicht untätig. Suleiman Abdullahi heißt der nächste Wechselkandidat. Das stand auch schon seit einigen Wochen im Raum. „Wir haben relativ viele Stürmer, da wird es für Suleiman nicht einfacher. Von daher ist er eher ein Kandidat, bei dem wir schauen müssen, dass er mehr spielen kann“, hatte Ruhnert in den vergangenen Wochen schon erklärt. Man hält zwar nach wie vor große Stücke auf den Nigerianer, aber ein wenig mehr Fleiß bei der Entwicklung und Ausschöpfung seines Potenzials gilt als wünschenswert. Eine Rückkehr nach Braunschweig auf Leihbasis soll ihm dabei auf die Sprünge helfen.

Abgang Nummer 18 zeichnet sich ja auch schon seit Freitag ab. Neven Subotic ist für die kommenden Tage vom Training freigestellt, weil er sich nach einem neuen Klub umsieht. „Es war sein Wunsch. Dem haben wir entsprochen“, erklärte Trainer Urs Fischer. Sätze, die nahelegen, dass der Schweizer Fußballlehrer nicht wirklich um einen Verbleib des 31-Jährigen gerungen hat, was angesichts der Rolle, die Subotic am Ende im Saisonverlauf gespielt hat, nicht wirklich überrascht.

Weitere Kandidaten für einen Abgang sind dann noch der aus der Jugend aufgerückte Tim Maciejewski, der mit einem dänischen Klub in Verbindung gebracht wird, sowie die zurückgekehrten Leihspieler Berkan Taz und Lars Dietz. Wobei sich für Dietz durch die Personalie Subotic auf einmal neue Perspektiven ergeben könnten.

Anders als im Vorjahr nach dem Aufstieg werden die Köpenicker also nicht mit einem XXL-Kader von nahezu drei Dutzend Mann in die Spielzeit gehen. Und doch wird Coach Fischer ab heute, wenn er mit seinen Spielern für neun Tage in Bad Wörishofen zum Trainingslager aufschlägt, sich nicht vereinsamt vorkommen. Ruhnert hat die Abgänge durch zahlreiche Neuankömmlinge ersetzt, die nahezu allesamt Stammplatzoptionen darstellen. Und wichtiger noch: Bis auf einen dritten Torwart hat Fischer nahezu den ganzen Kader beisammen. Was sich vorteilhaft für die Vorbereitung auf den Ligastart auswirken soll.

Die beiden prominentesten Namen sind dabei natürlich Max Kruse und Robin Knoche. Letzterer wirkte beim dritten Test vor dem Trainingslager gegen Dresden (2:0, Tore von Mees und Becker) mit. In dem auch Kruse nach einer Fußblessur dann langsam ins Mannschaftstraining einsteigen soll. 

Knoche war ja seit Wochen als Zugang erwartet worden. Da allerdings ließen sich die Eisernen Zeit mit der Verkündung, die Personalie des Abwehrmannes kam quasi in einem Atemzug mit dem Stürmer. Was den selber verwunderte. „Ich habe vor Kruse unterschrieben. Ich glaube, der ist mir einfach nur gefolgt. Ich würde das einfach mal so hinstellen“, scherzte der Innenverteidiger, der den Schritt zu Union nicht als einen Rückschritt sieht. Auch wenn er bei den Eisernen wohl kaum internationale Meriten sammeln kann wie in Wolfsburg. „Union hat eine tolle Entwicklung genommen. Mit der Erfahrung, die ich gesammelt habe, kann ich der Mannschaft auch helfen, ein drittes Jahr in der Bundesliga zu spielen.“