An Bundesligaspiele ist derzeit nicht zu denken, aber Yununs Malli (r.) kann derzeit nicht mal trainieren.
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BerlinEs war eher eine unfreiwillige Auskunft. In einer Video-Konferenz mit Journalisten verriet Unions Trainer Urs Fischer am Donnerstag, dass Offensivspieler Yunus Malli sich in häusliche Quarantäne begeben musste.  Details nannte der Schweizer deswegen anschließend nicht. Das machen die Eisernen ja seit geraumer Zeit nicht bei irgendwelchen Ausfällen. 

Quelle: 1. FC Union

Selbst erkrankt ist Malli allerdings nicht, sondern er hatte nur Kontakt zu Infizierten  - so wie die Hertha-Spieler Niklas Stark und  Marius Wolf. Der 28-Jährige kann also nicht einmal die reduzierte Form des Trainings mitmachen, in dem die Köpenicker dieser Tage großen Wert drauf legen, im körperlichen Bereich aufholen.

Fischer zeigt sich unzufrieden mit Fitnessresultaten

Fischer war davon ausgegangen, dass die Teilnehmer des Skype-Calls bereits über den Fall Bescheid wüssten, irrte sich dabei jedoch. Beinahe rührend bat der 54-Jährige die Reporter mit einer rund halbstündigen Verzögerung, von dieser Information nicht Gebrauch zu machen. Allerdings zu spät, denn da war diese von einem freien Mitarbeiter bereits den Agenturen zugespielt worden.  „Das ist mein Fehler, damit kann ich leben", sagte Fischer.

Weniger gut leben konnte er mit den Resultaten, die die Tests seiner Kicker am Anfang der Woche ergeben hatten. „Der Test war nicht so zufriedenstellend, wie wir uns das vorgestellt haben", meinte der Schweizer, der letztes Wochenende im privaten PKW von Zürich nach Berlin gereist war, um sich hier nicht in 14-tägige Quarantäne begeben zu müssen. Das wäre bei einer Einreise per Flugzeug  notwendig geworden. Grundsätzlich merkte er an, dass seine Profis  in der Trainings-Zwangspause wegen der Coronakrise an sportlicher Leistungsfähigkeit eingebüßt hätten.

Alles kein Beinbruch.  Bis zum Tag X - man spekuliert auf eine Wiederaufnahme des Ligabetriebs Anfang Mai oder am Wochenende darauf - sei noch genug Zeit, dass wieder wett zu machen. „Die Jungs haben schon einiges verloren", sagte der 54-Jährige, „das gilt es jetzt wieder aufzubauen, vor allem in physischer Sicht."

Lob für die Spieler

Aber nicht mangelnder Fleiß oder ein gewisser Grad an Faulheit - darauf legte Fischer Wert - seien der Grund für die Resultate beim Aufsteiger. Eingeschränkte Bewegungsfreiheit würde dabei mit Sicherheit eine Rolle spielen:„Sie sitzen ja viel mehr rum als sonst, sind sonst viel mehr unterwegs den ganzen Tag. Sie halten sich wirklich toll an unser Programm", sagte Fischer weiter.  

Seit Montag trainieren die Köpenicker wieder in Kleingruppen - für Fischer eine ganz neue Situation. „Als Trainer beschnitten fühle ich mich nicht, es gilt das jetzt so anzunehmen, wie es ist. Diese Situation kennt keiner von uns. Es sind neue Erfahrungen", sagte der Schweizer, der sich in seinem Haus bei Zürich in den letzten drei Wochen vornehmlich mit dem Fernstudium von Spielen seiner Mannschaft beschäftigt hatte. Anders als viele nach Fußball lechzende Fans, die sich derzeit im Fernsehen nicht selten alte Klassiker reinziehen. „Das ist mir nur beim Zappen passiert. Da bin ich bei einem Spiel der Bayern gegen Dortmund hängengeblieben", verriet Fischer. 

Händeringend warte er nun auf Vorgaben aus der Politik, dass Maßnahmen gelockert werden und die Trainingsformen sich wieder mehr dem Wettkampfcharakter des Spiels anpassen können. Denn es sei von enormer Bedeutung,  dass in den nächsten Wochen „wieder mit Spielformen und Zweikämpfen" gearbeitet werden könne. In absehbarer Zeit dann auch hoffentlich auch wieder mit Yunus Malli.