Neven Subotic attackiert den Freiburger Roland Sallai. Der Union-Profi lässt nachd er Niederlage keine Ausreden gelten.
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FreiburgUrs Fischer hätte sich am Sonnabend richtig wohl gefühlt in Freiburg – wenn nicht dieses ärgerliche 1:3-Ergebnis gegen den Gastgeber gewesen wäre. Aber das vertraute Gespräch, das der Union-Trainer mit dem an der schweizerischen Grenze aufgewachsenen Christian Streich führte und von dem die Journalisten nur alemannische Bruchstücke zu hören bekamen, das gefiel ihm so gut wie das Wiedersehen mit drei, vier Schweizer Journalisten, die er noch aus seiner Zeit beim FC Basel (2015 bis 2017) kennt.

Im Nachbarland wurden bekanntlich alle Spiele der Ersten und Zweiten Liga wegen des Coronavirus einen Monat lang ausgesetzt, weshalb die beschäftigungslosen Schweizer Journalisten nun in Deutschland wissen wollten, warum in Freiburg solch eine Sorglosigkeit herrsche. Freiburgs Abwehrspieler Philipp Lienhart zuckte da nur die Achseln. Er sei kein Mediziner, ließ er wissen. „Aber ich bin froh, dass wir den Sieg mit den Zuschauern feiern konnten. Ohne Fans wäre das sicher ein ganz anderes Gefühl.“

Urs Fischer verweist auf die Zweikampfquote

Und während beim SC die Laune recht gelöst war, weil auch ein notorischer Skeptiker wie Christian Streich angesichts von 36 Punkten nicht mehr wirklich an einen Abstieg glaubt, ärgerten sich auf Unions Seite einige, dass der SC nun wieder sechs Punkte Vorsprung vor dem eigenen Team hat.

Dass die Niederlage verdient war, wollte aber niemand infrage stellen. Schon gar nicht Fischer: „Freiburg war immer eine Spur aggressiver, eine Spur ekliger. Entscheidend war nicht, dass sie besser waren, sondern, dass sie den Sieg mehr wollten als wir.“ Der Trainer machte die Zweikampfquote von 41:59 als entscheidendes Manko aus und wurde grundsätzlich. „Wenn wir nicht ans Limit gehen, wird es schwierig.“ Bis zum Klassenerhalt sei es daher „noch ein schöner Weg für uns“.

Allerdings hat man dieser Berliner Mannschaft in den vergangenen Jahren so gut wie nie vorwerfen müssen, dass es ihr an den Sekundärtugenden mangelt. Auch am Sonnabend waren nur Nuancen entscheidend. So hatten Marius Bülter und Yunus Malli nicht ihren besten Tag erwischt – und das Pech, dass die zuletzt nicht ganz so überzeugenden Freiburger Außenspieler Christian Günter und Jonathan Schmid diesmal zu den Besten ihres Teams gehörten. Ansonsten fehlte in manchen Situationen der letzte Punch, vor allem im Zweikampfverhalten, an besseren Tagen eine der Paradedisziplinen der Unioner.

Insgesamt wunderte man sich schon, warum die Berliner lange brauchten, um auf einen eigenen Torerfolg hinzuarbeiten, erst als Sebastian Andersson das 1:2 besorgt hatte, hatte Union eine dominante Phase. Nach dem 0:1 in der 31. Minute war auf dem Platz jedoch kein Abrücken von der vorsichtigen Herangehensweise zu erkennen gewesen.

Gegen die Bayern zu spielen, ist immer schön. Auch wenn es gegen die Bayern nicht so schön sein kann.

Urs Fischer

Nun hätte es durchaus Erklärungsansätze gegeben, und die Freiburger Seite führte die netterweise auch ins Feld. Doch das Argument, dass „die Reiserei und das Spiel in Leverkusen in den Knochen steckt“ (Streich), wollte auf Berliner Seite keiner geltend machen. Schon gar nicht Innenverteidiger Neven Subotic, der keine mildernden Umstände hören wollte: „Wir wollen jetzt nicht nach Ausreden suchen.“

Auch Christopher Lenz, der eine gute Partie gezeigt hatte, haderte mit Leistung und Ergebnis, wagte aber auch schon einen vorfreudigen Blick auf kommende Ereignisse. Weder für das Derby im Olympiastadion noch für die Heimpartie gegen den FC Bayern am kommenden Sonnabend wird man das Team schließlich zusätzlich motivieren müssen. Lenz jedenfalls ist sich sicher, dass der Rekordmeister „auch gespannt ist, wie es ist, an der Alten Försterei zu spielen“ und gönnte sich und den Journalisten noch ein Bonmot, ehe er in den Bus stieg, der das Team zum Flughafen brachte: „Gegen die Bayern zu spielen, ist immer schön. Auch wenn es gegen die Bayern nicht so schön sein kann.“