Spiele am späten Abend unter Flutlicht sind besonders. Vor allem beim 1. FC Union. Vor allem im Stadion An der Alten Försterei, das neben dem Bremer Weserstadion die einzige Spielstätte im deutschen Fußball-Oberhaus ist, die noch in Gebrauch von echten Flutlichtmasten ist. Vier je 40 Meter große Scheinwerfer ragen über dem Stadion an der Wuhlheide empor. Das gefiel auch freilich den Gästen von Eintracht Frankfurt, die seit der Weltmeisterschaft 2006 in einer dieser neumodischen Arenen spielen. „Die Stimmung hier ist großartig, beide Fanlager machen ordentlich Krach“, twitterte ein begeisterter Medienbeauftragter der Hessen während des Spiels, das letztlich 1:2 aus Union-Sicht ausging, über den offiziellen Vereinskanal: „Und auf der Pressetribüne riecht es durchgehend nach Bratwurst. So kann man einen Freitagabend verbringen.“

Bratwurst, Bier und Flutlicht – das war in der Vergangenheit beim 1. FC Union stets eine besondere Zusammensetzung. Der sensationelle 3:1-Erfolg vor vier Wochen gegen Dortmund erfolgte schließlich unter Scheinwerferlicht, das erfolgreiche Relegationsrückspiel gegen Stuttgart ebenfalls. „Ich hoffe, dass uns das schlussendlich beflügelt“, sagte Urs Fischer und seine Mannschaft zeigte sich in der Tat stark verbessert im Vergleich zum 0:2 gegen Leverkusen, ging aber letztlich wieder (verdient) als Verlierer vom Platz.

Zum ersten Freitagabendspiel in der ersten Bundesliga begrüßte Unions Stadionsprecher Christian Arbeit auch die 2 500 mitgereisten Fans aus Frankfurt: „Schön, dass ihr da seid. Und vor allem schön, dass ihr von Anfang an im richtigen Block seid.“ Ein Fingerzeig auf das letzte Aufeinandertreffen vor sieben Jahren. Im März 2012 erteilte der Deutsche Fußball-Bund den Eintracht-Anhängern ein Stadionverbot. Mit tatkräftiger Hilfe der Union-Fans schafften es seinerzeit trotzdem 1 000 Adlerträger in die Alte Försterei, die begleitet von rot-weißen „Die Mauer muss weg!“-Rufen in den Block liefen. Das Spiel endete damals 0:4 aus Unioner Sicht. Überhaupt hatte die Statistik nichts Gutes für Union übrig. In den letzten sieben Aufeinandertreffen gegen die Eintracht gab es für die Köpenicker drei Remis und vier Niederlagen. Eine fünfte, wenn auch knappe, Pleite ist dazugekommen.

Dabei wollten die Rot-Weißen endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis einfahren. „Wir müssen es besser machen als in Leverkusen“, gab Fischer zuvor noch die Devise aus und stellte dafür sein System im Vergleich zur Pleite im Rheinland von einem 4-4-2 auf ein 4-1-4-1 um. Die alleinige Spitze bildete Sebastian Andersson. Ansonsten tauschte der 53 Jahre alte Fußballlehrer auf vier Positionen: Statt Christopher Lenz, der sich am Hüftbeuger verletzt hatte, Keven Schlotterbeck, Sheraldo Becker und Marcus Ingvartsen starteten der von einer Gelb-Rot-Sperre zurückgekehrte Neven Subotic, Akaki Gogia, und Manuel Schmiedebach. Nicht im Kader standen Sebastian Polter (Rotsperre), Grischa Prömel und Suleiman Abdullahi (beide Knieprobleme). Bei den Frankfurtern, die am Sonntag ein 2:2 gegen Borussia Dortmund erkämpft hatte, durften Daichi Kamada und Bas Dost für Dominik Kohr und Goncalo Paciencia beginnen. Kapitän David Abraham und Danny da Costa (beide angeschlagen) waren gar nicht erst mit in die Hauptstadt gereist.

Frankfurt steigert sich

Die Partie wurde wegen des Einsatzes von Pyrotechnik im Gästeblock mit zweiminütiger Verspätung angepfiffen. Die 22 012 Zuschauer sahen einen verbissenen Start, in dem Union die erste Gelegenheit hatte: Christopher Trimmel brachte einen Eckstoß flach in den Strafraum, wo Marvin Friedrich zum Schuss kam – doch Torwart Kevin Trapp vereitelte. Doch Frankfurt wurde stärker, bekam mehr Zugriff und hatte in einem Kopfball von André Silva die beste Chance. Diesen parierte allerdings Torwart Rafal Gikiewicz glänzend (42.). Die Gäste drehten weiter auf und gingen mit einem Plus von 9:3-Torschüssen in die Halbzeit. Und so kam es, dass kurz nach Wiederanpfiff der Führungstreffer für die Gäste fiel. Christopher Trimmel ließ Filip Kostic am linken Strafraum schießen, Gikiewicz das Leder unkontrolliert nach vorne abprallen, Bas Dost staubte ab (48.). Eine Viertelstunde später legten die Frankfurter nach und erhöhten durch einen Kopfball von André Silva auf 2:0 (62.). Der starke Djibril Sow bediente den Portugiesen, der bei seinem Kopfball von der Unioner Abwehr sträflich allein gelassen wurde. Zu allem Überfluss verletzte sich auch noch Akaki Gogia am Knie und musste ausgewechselt werden.

Union kam aber noch mal ran, hatte durch den eingewechselten Sheraldo Becker eine gute Weitschuss-Chance, die Kevin Trapp mit den Fingerspitzen zunichte machte (75.). Kurz darauf erzielte Anthony Ujah per Direktabnahme aus 16 Metern den Anschlusstreffer (85.). Er kam allerdings zu spät. Am Ende stand die vierte Saisonniederlage für die Eisernen zu Buche.