2003 wurde das Union-Weihnachtssingen erfunden. Mittlerweile ist es eine riesige Veranstaltung geworden.
Foto: dpa/Paul Zinken

BerlinAn dieser Stelle und in Anbetracht der vorgerückten Jahreszeit ist es einfach mal angebracht, ein Dankeschön zu sagen. Und zwar den hohen Herren in Frankfurt am Main, die in diesem Jahr von ihrer grandiosen Vorjahres-Idee Abstand genommen haben, Union am 23. Dezember spielen zu lassen. Sicherlich hatten sie es nur gut gemeint und nur versucht, den Auflauf im Stadion An der Alten Försterei zu entzerren. Wenn viele Anhänger der Rot-Weißen ins Erzgebirge fahren, müsste ja zu Hause ein bisschen mehr Platz sein und die 28 500 alljährlichen Besucher des Köpenicker Sangesfestivals – aka Weihnachtssingen – müssten sich nicht so drängeln.

Ja, man muss Danke sagen. Denn noch sind die Montagsspiele nicht abgeschafft, und der sonntägliche Auftritt der Eisernen in Düsseldorf hätte ja von ihnen auch auf den Wochenanfang gelegt werden können. Das hätte übrigens den unschätzbaren Vorteil gehabt, dass die Partie zeitgleich während des Singens im Stadion über die Großbildleinwand hätte flimmern können und die Platzbegehung im Freudentaumel als solche nicht mehr als sanktionierbar hätte angesehen werden können, anders als der ach so böse Freudenmarsch in den Innenraum am 27. Mai dieses Jahres.

28.500 Menschen werden am Montag wieder im Stadion beim Union-Weihnachtssingen dabei sein.
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Union-Weihnachtssingen: Viel Zeit mitbringen!

Doch genug des Spotts, bevor wir die Gralshüter des deutschen Fußballs auf die geniale Idee bringen, das Weihnachtssingen mit einem Heimspiel zu kombinieren, wenden wir uns doch lieber dieser lieb gewonnen Tradition zu. Auch am Montag wird die Alte Försterei wieder erschallen, 28.500 Kehlen werden ein letztes Mal in diesem Jahr strapaziert. Natürlich muss man auch wieder jede Menge Zeit mitbringen, was weniger an der frühen Stadionöffnung (17 Uhr, Veranstaltungsbeginn 19 Uhr) liegt, sondern schlicht und einfach daran, dass mit allen Mitarbeitern und Sangesbrüdern und -schwestern schlicht mehr als 30.000 Menschen in Marsch gesetzt werden. Die bekannt schwere Verkehrsinfrastruktur von Köpenick hat damit schon zu kämpfen.

Natürlich gehen einige nicht mehr hin, weil ihnen das 2003 von damals 89 Unionern erfundene Weihnachtssingen schlicht zu groß geworden ist. Manche haben auch keine Karten bekommen. Oder weilen wie Tino Czerwinski – einer der 89 – nicht mehr unter uns. All das tut der Freude der im Stadion Versammelten aber keinen echten Abbruch. Denn noch immer ist dieser Abend ein spezieller für die Union-Gemeinde, auch wenn er sich weiter entwickelt hat und zwischen Kommerz und Folklore heftig pendelt. Doch eine Veranstaltung, die weltweit kopiert wurde, hat nicht an   Wert und Aussagekraft verloren, weil sie sich ein wenig verändert hat.

Es wird ein Abend, an dem der Weihnachtsmann in Versform der Union-Gemeinde die Leviten liest, an der Pfarrer Ulrich Kastner uns allen die Weihnachtsbotschaft näher bringen wird. Der Chor des Köpenicker Emmy-Noether-Gymnasiums darf ebenso nicht fehlen wie der „kleine Trompeter“ Christian Arbeit, der mit seinen Eltern Bernd und Marion Heinrich fröhliche Weisen schmettern wird auf den Blasinstrumenten. Im bunten Potpourri von Union-Melodien sollte auch der frisch gebackene Lied-Klassiker des Jahres („Die Zeit ist nun gekommen“) bestimmt zum Vortrag gebracht werden. Und auch wenn diese Zeile sich eigentlich auf Fußball bezieht, ist sie genauso passend für die Weihnachtszeit. Denn für nicht wenige weit über die Vereinsgrenzen des 1. FC Union hinaus ist mit dem Singen an der Alten Försterei am Vorabend des heiligen Festes die Weihnachtszeit endgültig angekommen. Süßer das Stadion nie klinget ...