Sie waren gewarnt worden. Vor der giftigen Spielweise des Gegners. Vor der Umstellung vom Pokalreigen auf den ungemütlichen Alltag in der Zweiten Liga. Und dennoch wurde dem weiterhin ungeschlagenen 1. FC Union am Sonnabendnachmittag beim 1:1 (1:1) bei Jahn Regensburg das wohl schwerste Duell der bisherigen Saison aufgezwungen.

Startelf mit Polter und Ryerson

Zuvor hatte Unions Trainer Urs Fischer seine Startelf dem Gegner entsprechend angepasst: Joshua Mees rückte für Marcel Hartel auf den linken Flügel, außerdem ersetzte − erwartungsgemäß − Sebastian Polter Sebastian Andersson in der Sturmspitze. Akaki Gogia und Ken Reichel kehrten ebenfalls in die Anfangsformation zurück. Zudem überraschte Fischer mit dem Tausch von Kapitän Christopher Trimmel für Youngster Julian Ryerson, der erstmals von Beginn an als rechter Verteidiger auflaufen durfte.

Ryersons Einstand verlief allerdings kurios. Nur Sekunden nach dem Anpfiff wollte der Norweger einen abgefälschten Flankenball zu Torwart Rafal Gikiewicz zurückköpfen, der Pole war jedoch selbst auf dem Weg zum Ball, sodass der junge Debütant stattdessen auf das leere Tor köpfte. Nach kurzer kollektiver Schnappatmung im Gästeblock konnte Verteidiger Marvin Friedrich aber klären.

Nach dem Aufreger in der Anfangsminute gestaltete sich die Partie in der Folge schwierig. Gelang es den Unionern zuletzt im Heimspiel gegen verbissen verteidigende Dresdener nicht, ihr eigenes Spiel aufzuziehen, wurde ihnen in Regensburg wiederum die Spielweise der Hausherren auferzwungen. Vor allem die Zweikampfführung des Jahn stellte die Köpenicker immer wieder vor massive Probleme und sorgte für einige Ballverluste.

So auch in der 29. Minute. Nach einer Ecke grätschte Jann-Christopher George den lauernden Gogia ab und stürmte mit Mitspieler Sargis Adamyan auf das Tor von Gikiewicz zu. Der zurückgeeilte Reichel legte Adamyan im Strafraum − Elfmeter! Den schwach ausgeführten Strafstoß von Stolze konnte Unions Torwart jedoch ohne Probleme festhalten.

Der Weckruf nach dem Schreck blieb bei den Eisernen aber aus. Die Regensburger übernahmen weiterhin die Spielgestaltung, kamen jedoch nicht zu gefährlichen Abschlüssen. So hatte Union zunächst Glück, denn aus dem Nichts fiel plötzlich die 1:0-Führung als Polter eine Hereingabe von Grischa Prömel verwandelte (45.). Doch schon im Gegenzug traf George vom linken Strafraumrand unhaltbar für Gikiewicz zum Ausgleich.

Platzverweis für Prömel

Im zweiten Durchgang ließen sich die Teams erst einmal Platz, um nicht selbst ausgekontert zu werden. Erst nach einer gespielten Stunde öffnete sich das Spiel und Sebastian Polter scheiterte zunächst noch mit einem verunglückten Kopfball an Regensburgs Keeper Pentke (72.). Kurz darauf sah allerdings Mittelfeldmotor Grischa Prömel Gelb-Rot (77.). Ein herber Dämpfer für Union.

Trotzdem kamen die Eisernen in der 84. Minute gar noch zum Führungstreffer. Doch Schiedsrichter Stegemann nahm das Tor von Reichel in Rücksprache mit dem Linienrichter zurück, es blieb beim 1:1. Ein Erfolg? Für Elfer-Held Gikiewicz eher nicht: „Wir waren die klar schlechtere Mannschaft und hatten am Ende Glück, dass wir einen Punkt geholt haben. Wir verlieren jede Woche zu viele Punkte.“ Klare Worte, die so manchem Unioner aus der Seele gesprochen haben könnten.