Die Union-Profis wirkten nach dem 0:5 bei Borussia Dortmund niedergeschlagen.
Foto: Matthias Koch

BerlinEs ist   nicht einfach, ein 0:5 zu verknusen, geschweige denn danach die Balance wiederzufinden. Egal, ob jetzt ein Pokalspiel bei einem Viertligisten folgt, zumal dort alles andere als ein möglichst unfallfreies Weiterkommen die viel größere Blamage wäre. Die Spiele um den Pott sind zwar schön, und in Verl ist die Prämie von 1,4 Millionen Euro für das Erreichen des Viertelfinales wahrscheinlich leichter einzusacken als anderswo, aber wichtig in dieser Saison ist und bleibt für den 1. FC Union die Liga.

Was also tun nach solch einer Vorführung wie in Dortmund? Zusammen ein Bier trinken und ein paar Bratwürste auf den Grill legen, um Zusammenhalt und Kollektivität zu demonstrieren? Dafür ist in einer Woche mit einem Pokalspiel in der Mitte   keine Muße, und so etwas ist in Zeiten gesunder Ernährung der Profis zweitens wahrscheinlich längst nicht mehr zeitgemäß. Oder man stelle sich nur vor, Christopher Trimmel und seine Mitspieler würden barfuß über glühende Kohlen laufen, um sich dann schreiend auf die Brust zu schlagen, was man doch für echte Kerle und kraftstrotzende Mannsbilder in seinen Reihen habe und der Gegner fortan die Punkte bitte unaufgefordert in die Alte Försterei schicken möge.   Dafür sind die Eisernen, allen voran Trainer Urs Fischer, zu geerdet.

Union erlebte die höchste Bundesliga-Niederlage

Wie also umgehen mit dieser Handvoll? Schließlich ist diese Klatsche die höchste, die die Eisernen in ihrer noch ultrakurzen Bundesligahistorie übergebraten bekamen.   Fünf Gegentore haben sie mindestens alle mal bekommen, die meisten deutlich mehr und auch des Öfteren. Schalke hat es mal mit 0:11 erwischt und Dortmund mit 0:12, nur gilt deren Dutzend einst in Mönchengladbach noch immer als so etwas wie ein abgekartetes Spiel, weil die Fohlen   noch hätten Meister werden können, es dann aber doch nicht wurden. Na gut, sie alle sind viele Jahre länger in der Bundesliga   und hatten somit ausreichend Gelegenheit, für das eine oder andere Spiel eine Schießbude zu sein. Die Zauberworte heißen: neues Spiel, neues Glück. Also: zur Jagd blasen auf den nächsten Sieg. Habt Bock auf einen Dreier schon im kommenden Spiel!

Foto: Berliner Zeitung
Union-Kenner

Andreas Baingo begleitet seit mehr als vier Jahrzehnten das Geschehen rund um den 1. FC Union. Für die Eisernen war er sogar selbst einmal am Ball. Immer mittwochs gibt er nun seine Expertise zu dem Fußball-Bundesligsten ab.

Wie oft habe ich im Training erlebt, dass eine Mannschaft im Abschlussspielchen überlegen war und die andere keinen Schimmer sah. Als hier alles und dort nichts mehr ging und der Ausgang zweistellig zu werden drohte oder schon war, pfiff der Trainer ab, rief „Es steht 0:0!“ und pfiff ein neues Spiel an. Nicht selten purzelten die Tore  auf der anderen Seite.

In Bremen wartet ein Schlüsselspiel

Natürlich sprechen wir in der Bundesliga nicht vom Training und nicht von einem Freizeitkick, spielen bei den Gegnern der Eisernen in manchen Partien doch französische Welt- und/oder deutsche Ex-Weltmeister mit. In Dortmund zum Beispiel standen mit Mats Hummels ein Rio-Triumphator, mit Raphael Guerreiro ein portugiesischer Europameister, mit Axel Witsel ein belgischer WM-Dritter und mit Erling Braut Haaland aus Norwegen der vielleicht interessanteste Jung-Spund Europas   auf dem Platz. Man kann gegen solche Stars durchaus mal untergehen.

Selbst wenn die Eisernen morgen – bei allem Klassenunterschied, aber Respekt muss vor jedem Gegner sein – Verl vor der Brust haben, für mich zählt vor allem der Trip am Sonnabend an die Weser. Dort, gegen Werder Bremen zählen   nur die Zauberworte vom neuen Spiel und dem neuen Glück.