Der Jubel fiel Verhalten aus. Zu sehr schmerzte der Rücken noch. „Die Tablette hatte noch nicht gewirkt“, meinte Sebastian Polter zu seinem Treffern zum 4:1 am Montag beim finalen Test vor dem Ligastart gegen Lichtenberg 47. Zugezogen hatte sich Unions Publikums-Liebling die Blessur Mitte der ersten Halbzeit im Hans-Zoschke-Stadion, als er mit überdehntem Rücken zum Kopfball ansetzen wollte und ein Verteidiger des Regionalligisten ihm ins Kreuz sprang. Minutenlang musste Unions muskulöser Angreifer behandelt werden. Bange Blicke am Rande. Nicht durch so ein vermaledeites Testspiel.

Schon in der Vorsaison hatte Polter selten beschwerdefrei agieren können, musste erst eine Achillessehnenverletzung und später einen Mittelfußbruch auskurieren. Darum geriet er im Dauerduell mit Sebastian Andersson bei Trainer Urs Fischer ins Hintertreffen.

Die Schmerzen sind weg

Selbst wenn er nicht mehr unumstrittener Stammspieler ist bei dem Schweizer Trainer, gedenkt der 28 Jahre alte Stürmer sich durchzubeißen. Polter steht damit für die Qualität im Kader der Unioner, die dadurch gewachsene interne Konkurrenz. Und für die Härten, die sie für die Profis mit sich bringen kann, aber auch die Chancen.

Immerhin diesmal ist die Verletzung nicht so gravierend. Beim letzten öffentlichen Training am Donnerstag konnte Polter springen und rennen. Er ist wieder beschwerdefrei. Folgen hat die Partie in Lichtenberg für Sebastian Polter in positiver Hinsicht. Mit einem Doppelschlag stellte er seinen Torriecher unter Beweis. Er ist bereit. Bereit für das Spiel gegen Leipzig am Sonntag (18 Uhr), dem allerersten Bundesligaspiel der Eisernen.

Die Situation ist für Polter, der zusammen mit Torsten Mattuschka mit 42 Treffern bester Zweitligaschütze der Köpenicker ist, dadurch aber nicht einfacher geworden. Nicht wenige erwarteten, dass Polter im Sommer das Weite suchen würde angesichts der gewachsenen Konkurrenz. Dazu zählt Anthony Ujah, immerhin Unions Rekordtransfer mit seinen rund zwei Millionen Euro Ablöse. Auch Marcus Ingvertsen als Strafraumspieler und der bullige Suleiman Abdullahi könnten ja in vorderster Front agieren und nicht nur hinter den Spitzen oder auf dem Flügel.

Denn nur ein klassischer Neuner ist in Urs Fischers 4-2-3-1-Lieblingsformation vorgesehen. Zumindest, was eine Startelf angeht. Ob Polter also am Sonntag in der Alten Försterei auflaufen darf, erscheint fraglich. Zumindest nicht von Beginn an. Was Unions Mann mit der Nummer 9 auf dem Rücken erst einmal nebensächlich findet. Er denkt nicht dran aufzugeben. Das Ende des Transferfensters am 2. September macht ihm keine Sorgen. „Endlich geht es los“, sagt er.

Zwei Polter-Tore gegen RB

Im DFB-Pokal bei Germania Halberstadt kam Sebastian Polter nicht zum Einsatz, im Test gegen Lichtenberg 47 dagegen spielte er die vollen  90 Minuten. „Ich glaube nicht, dass ich mich zurückstellen muss oder hinten anstellen muss“, sagt der 1,91 Meter große Angreifer. „Im Lauf der Saison werden alle drei Stürmer noch einmal wichtig. Auch ich werde wichtig sein.“ Ob er jetzt schon am Sonntag seine Chance erhält? „Das muss man sehen. Der Trainer wird da schon seine Pläne haben.“

An RB Leipzig jedenfalls hat Polter beste Erinnerungen. „Da war ja mal was.“ Polter lächelt breit, wenn er an jene Spielzeit 2014/2015 denkt, als er in seinem ersten Heimspiel für die Eisernen mit seinen zwei Toren zum 2:1 den Sachsen die erste Pflichtspielniederlage in der zweiten Liga beibrachte und bei etlichen Fans die Hoffnung weckte, dass dem Emporkömmling kein Durchmarsch ins Fußball-Oberhaus gelinge.

Schreit das nicht aus Sicht der Köpenicker nach einer Wiederholung? „Es darf am Sonntag alles genauso sein, wie es damals war“, sagt Sebastian Polter. „Angefangen von dem Stimmungsboykott in den ersten 15 Minuten, wo es dann danach losgeht und die Stimmung im Stadion explodiert“, sagte der gebürtige Wilhelmshavener.

Sorgen, dass der Stimmungsboykott Auswirkungen haben könnte, hat er nicht. „Das haben wir ja schon erlebt. Das wird nur geil, wenn die Jungs im Stadion die letzten Sekunden runterzählen und wir wissen, jetzt geht es los.“