Christian Gentner zusammen mit Manager Oliver Ruhnert anlässlich seines 400. Erstligaspiels. Kein aktiver Profi hat mehr mehr Partien in der Bundesliga absolviert. 
Foto: imago images / Bernd König

Berlin373 Pflichtspiele für Stuttgart, Meister 2007, Zweitligameister 2017, aber eben auch zwei Abstiege. Der letzte 2019 in der Relegation gegen den 1.FC Union. Zahlen - stand Sommer 2019 - aus der VfB-Vergangenheit: Für viele Schwaben ist Christian Gentner eine Vereins-Ikone. 31 Spiele und drei Tore weiter ist aus dem 34-Jährigen zwar nicht eine Gallionsfigur der Köpenicker, wohl aber ein Spieler geworden, den Trainer Urs Fischer über den Sommer hinaus nicht missen möchte.

Anfangs gab es Vorbehalte. Wie sollte der bitte weiterhelfen können beim Abenteuer Bundesliga? Einige hielten ihn für zu alt, für zu langsam. Absteiger eben. Gentner widerlegte all seine vorschnellen Kritiker. Stück für Stück. Auch wenn er wie das ganze Team mit Startproblemen zu kämpfen hatte, als der Vorhang für die Spielzeit 19/20 sich erstmal öffnete für die Köpenicker. Dass beide Seiten ein weiteres Jahr zusammenarbeiten wollten, pfiffen längst die Spatzen von den Dächern. Bald 35? Drauf gepfiffen. Am Freitag wurde es amtlich. Und wer sich über die Rolle des Mittelfeldspielers im Binnengefüge des Fischerteams informieren möchte, dem sei an dieser Stelle der Podcast von Plattsport ans Herz gelegt, in dem Michael Parensen über die Rolle des fünffachen Nationalspielers des Lobes voll ist.

"Ich konnte nie ganz nachvollziehen, warum ein Christian Gentner so kritisch beäugt wurde. Für mich war eine Aussage von ihm ein absoluter Knackpunkt der Saison, die er nach dem Spiel in Leverkusen getätigt hat. Da waren wir völlig unterlegen, haben zwar nur 0:2 verloren, aber gefühlt hätten es auch sechs, sieben Dinger sein können. Da waren wir wirklich ganz weit entfernt davon, bundesligareif zu spielen." Gentner, nicht der Trainer, habe das Team nach dem Spiel wachgerüttelt. "Ich glaube, dass das ein total guter Punkt war und eine Initialzündung für uns als Mannschaft."

Ich weiß ja, wie sich Abstiege anfühlen

Christian Gentner als Fortunas Trostspender

Ähnlich sieht das auch Grischa Prömel, der in seiner Jugend in Stuttgart Gentner als Balljunge hatte zuschauen dürfen und nun im abgelaufenen Spieljahr  ein Teil von dessen 15-jähriger Karriere auf höchstem Niveau sein durfte. „Die Jungen sollten sich Christian als Vorbild nehmen. Vor jedem Training ist er eine Stunde vorher im Kraftraum, bereitet sich vor, dann die Nachbereitung – ein absoluter Vollprofi“, so Prömel voller Respekt. Gentner war Zeit seines Lebens auf dem Feld stets ein Mannschaftspieler und über den Verdacht des Ego-Shooters total erhaben.

Und einer, der auch weiß, wie man sich respektvoll gegenüber anderen verhält. Als Düsseldorf am finalen Spieltag in der Alten Försterei abstiegen musste, erwies sich Gentner seines Spitznamens "LeGente" würdig. Einfühlsam und gentlemanlike versuchte er die Düsseldorfer direkt nach Abpfiff zu trösten, als die traumatisiert am Boden lagen. Für den 34-Jährigen das Normalste der Welt. "Wir haben gegen Fortuna einen tollen Abschluss gehabt und trotzdem lässt einen das nicht ganz kalt. Ich hab' einige Freunde bei Düsseldorf. Ich habe selber schon erleben müssen, was es bedeutet, 'ne Liga runtergehen zu müssen. Es ist sehr hart", sagte Unions Spielgestalter.