Florian Hübner betritt auf Schalke erstmals Bundesliga-Grün für Union.
Matthias Koch

Berlin-KöpenickAls es soweit war, wusste Abwehrmann Florian Hübner gar nicht so recht, wie ihm geschah. Aufwärmen, fokussieren, reinkommen, keinen Fehler machen. Und das auf den Punkt, keine Sekunde Zeit, um noch einmal kurz an das Gestern zu denken und zu reflektieren, was eigentlich in den vergangenen Monaten mit ihm passiert ist.

Als der 1. FC Union Ende Mai den Aufstieg feierte, war Hübner neben Hintermann Rafal Gikiewicz, Nebenmann Marvin Friedrich, Vordermann Grischa Prömel und Vorvordermann Sebastian Andersson einer der Fixsterne des eisernen Erfolges, unantastbar im Gefüge von Trainer Urs Fischer, der sonst so gerne gegnerbezogen durchrotiert.

Doch erst ein halbes Jahr später feierte der 28 Jahre alte Innenverteidiger nun in der 27. Minute der Partie gegen den FC Schalke 04 sein Bundesliga-Debüt im Trikot der Eisernen. Und das vornehmlich, weil Mitspieler Keven Schlotterbeck mit einer Bänderverletzung früh rausmusste, die den Leihspieler vom SC Freiburg zumindest bis zur Rückrunde außer Gefecht setzen wird.

Bittere Erkenntnis

Schlotterbecks bittere Erkenntnis war zugleich Hübners Befreiung. Denn war seine eigene Verletzung, die ihn die komplette Saisonvorbereitung mit der Mannschaft kostete, vor allem ärgerlich, so waren insbesondere die vergangenen Wochen, als der gebürtige Wiesbadener spielbereit war, aber nicht berücksichtigt wurde, umso schwerer. „Ich habe drei Monate zuhause gesessen und immer gehofft, dass ich meine Chance bekomme. Das war für den Kopf nicht einfach“, gab Hübner nach seinem langersehnten Saisondebüt einen Einblick in sein Gefühlsleben der letzten Wochen.

Eingerostet fühle er sich nicht, klar, er habe ja Test- und Trainingsspiele absolviert. Doch seine ehrlichen Worte verraten viel über den Gefühlszustand eines Schlüsselspielers, der nicht spielen darf.

Nach dem Aufstieg und der folgenden Verpflichtungswelle der Köpenicker, im Zuge derer sich auch der routinierte Verteidiger Neven Subotic Union anschloss, fragten sich nicht wenige, welcher der Aufstiegshelden dafür in der Bundesliga zwangsläufig auf der Strecke bleiben würde. Heute ist klar: Hübner ist einer davon. War einer davon. Denn in seinem ersten Einsatz zeigte der baumlange Abräumer, warum ihm Urs Fischer im erfolgreichen Vorjahr stets das Vertrauen geschenkt hatte.

Nahtlos fügte er sich in die Dreierkette neben seinem Aufstiegspartner-in-crime Friedrich und seinem neuen Nebenmann Subotic ein, leistete sich im Vorwärts-, wie im Rückwärtsgang keine Auffälligkeiten, was für einen Defensivspieler noch immer das wertvollste Gütesiegel ist.

Lob von Lenz

Mitspieler Christopher Lenz fasste es nach der Partie treffend zusammen: „An unserer Defensivstärke ändert sich gar nichts, wenn Florian reinkommt. Was er auf dem Feld zeigt, ist Einsatz pur. Das wissen wir alle.“ Nur: Warum verzichtete Fischer dann so lange auf die Qualitäten des Aufstiegshelden?

Da wären zum einen die überraschend reifen Auftritte von Keven Schlotterbeck, mit denen so vermutlich auch keiner bei den Eisernen gerechnet hatte, die den 22-Jährigen eher als Ergänzung und zu einem Zeitpunkt einkalkuliert hatten, als die Rückholaktion von Marvin Friedrich aus Augsburg noch lange nicht in Sack und Tüten war. Zum anderen ist Urs Fischer dafür bekannt, dass in seiner Spielweise nichts über die Stabilität der Abwehr geht. Sie ist stets die Voraussetzung für jeden weiteren Schritt auf dem Rasen, „unsere DNA“, wie es Friedrich nach dem Spiel auf Schalke formulierte. Möglich, dass der Schweizer zugunsten des kollektiven Erfolges kein Risiko mit einem Spieler gehen wollte, der die komplette Vorbereitung verpasst hatte − egal, wie sehr er sich in der Vergangenheit auf ihn verlassen konnte.

Wie und warum, das ist Florian Hübner heute jedoch auch herzlich egal. Sein Bann ist gebrochen und seine Freude entsprechend groß. Er sagt: „Es war schön, wieder zurück zu sein, auch wenn wir noch das späte Gegentor bekommen haben.“ An dem Hübner übrigens keine Schuld trug.