Unions Manager Oliver Ruhnert (r.) verfolgt, was sein Stürmer-Star Max Kruse so alles schon einbringt bei den Eisernen. 
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BerlinUnions Manager Oliver Ruhnert hatte am Mittwoch ein Problem. Nicht mit der Hektik des Deadline Day, der für die Eisernen am Montag relativ ruhig zu Ende ging. Er hatte seine gewünschte Tages-Schrittzahl noch nicht erreicht, als er zu einer einstündigen Runde mit der versammelten Hauptstadtpresse Platz nehmen musste. 

Gut, dass die Planer beim 1. FC Union den Talk in die dritte Etage der Haupttribüne verlegt hatten. So konnte der 48-Jährige wenigstens noch ein par Höhenmeter machen, ehe er eine kleine Bilanz des Sommer-Schluss-Verkaufs zog. „Ich hatte schon ein bisschen zu tun gehabt in den letzten zwei Wochen. Was doof ist und mir nicht gefallen hat, war die Länge der Transferperiode. Muss ich nicht immer haben. Wenn man denkt, eine Thematik ist durch, ergibt sich immer wieder Neues“, meinte der Manager der Eisernen.

Grundsätzlich zeigte er sich sehr zufrieden mit Unions Transfergebaren. Es waren keine Panikkäufe in letzter Sekunde nötig. Lediglich auf der Abgabenseite musste im Schlussspurt nachgebessert werden. Mit Joshua Mees (Kiel), Lars Dietz (Würzburg) und Berkan Taz (Verl) wurde nicht nur die Ausgabenseite entlastet, sondern auch noch ein mittlerer sechsstelliger Betrag in die Kassen gespült. Denn die bislang kolportierte Ablösefreiheit des Trios „ist von uns so nicht zu bestätigen“, sagte Ruhnert. 

Will jetzt nicht mehr nur im Training den Bällen hinterherfliegen: Unions Keeper Loris Karius.
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Sebastian Räppold/Matthias Koch

Natürlich war nicht alles top. Beispielsweise, dass Union jetzt vier Keeper hat. Bereitet aber Ruhnert kaum Kopfzerbrechen. „Der Vorteil dieser langen Transferperiode: In nicht mal elf Wochen ist die nächste Transferperiode.“ Eventuelles Nachbessern sollte vor allem Lennart Moser erfreuen. Denn Spielpraxis dürfte er hinter Loris Karius und Andreas Luthe in Köpenick nicht sammeln.

Einmal bei den Keepern angekommen, räumte Ruhnert mit der Mär auf, dass Liverpools Leihgabe Luthe einfach so vor die Nase gesetzt worden sei. „Er wusste von Anfang an, dass wir mindestens einen Torwart holen werden, der auch in der Bundesliga spielen kann“, meinte Ruhnert.

„Ich“, so Ruhnert deutlich, „werde als Verantwortlicher niemals eine Stammplatz-Option versprechen. Für ihn ist es interessanter, hier um die Nummer eins zu kämpfen, als in Liverpool auf jeden Fall nicht Nummer eins zu sein.“ Also kein Freibrief für Karius, auch wenn der die Nase derzeit vorn hat und das am Donnerstag beim Test gegen Hannover (17 Uhr, Alte Försterei) erstmals zeigen darf.

Dass der Glamourfaktor zugenommen hat mit Karius oder Max Kruse sei unerheblich. „Wir haben keine Angst vor Namen und haben auch kein Problem mit Namen“, sagte Ruhnert. „Du musst in den Gesprächen merken, dass sie zu Union wollen und wissen, worauf sie sich einlassen. Die können in ihrer Freizeit machen, was sie wollen. Auch drei, vier goldene Steaks essen. Das ist mir egal. Ich brauche das nicht. Wenn sie so etwas wollen, dann sollen sie aber nicht so blöd sein, so etwas zu posten. Damit habe ich dann ein Problem. So etwas finde ich ziemlich dekadent, auch den Menschen gegenüber, die hier ins Stadion kommen, um sie spielen zu sehen.“