Unions Manager Oliver Ruhnert will seinen Ex-Klub Schalke keine Geschenke machen.
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BerlinOliver Ruhnert war lange bei Schalke 04. Beim Wiedersehen mit dem kriselnden Ruhrpott-Club kann sich der Geschäftsführer von Union Berlin aber keine Sentimentalitäten leisten. Auf Insider-Tipps hofft Union-Trainer Urs Fischer vergeblich. 

Seine königsblauen Gefühle muss Oliver Ruhnert unterdrücken. "Schalke ist ein Verein, den ich, so lange ich lebe, positiv besetzt halten werde und bei dem ich weiterhin Mitglied bin. Natürlich interessiert mich dieser Verein, aber für mich ist dieses Spiel einfach wichtig für Union Berlin", sagte der Geschäftsführer der Eisernen vor dem Duell der Krisenclubs der Fußball-Bundesliga.

Wenn der Ruhrpott-Club am Sonntag (15.30 Uhr) im Stadion An der Alten Försterei gastiert, steht für die Eisernen viel auf dem Spiel. Nach sechs Spielen ohne Sieg und nur einem Punkt seit dem Wiederbeginn nach der Corona-Zwangspause befindet sich Union wieder mittendrin im Abstiegskampf. Da nützt es auch nichts, dass Schalke schon seit elf Spielen sieglos ist, seit dem Re-Start nur Niederlagen kassierte und ohne Sieg in Köpenick einen Club-Negativrekord aus dem Jahr 1993 einstellen würde.

"Wir sind nicht dafür zuständig, was bei Schalke ist. Wir müssen auf uns schauen", forderte Ruhnert. Seine eigene zehn Jahre währende Vergangenheit auf Schalke darf daher auch keine Rolle spielen. Von 2007 bis 2017 arbeitete er unter anderem als Chefscout und zwischenzeitlich als Trainer des Reserveteams. Fünf Jahre führte er die S04-Nachwuchsabteilung Knappenschmiede.

Insider-Tipps wird er Union-Coach Urs Fischer aber wohl ohnehin nicht mehr geben können. "David Wagner ist Trainer geworden, da war ich nicht mehr bei Schalke 04, viele Spieler sind gekommen, da war ich auch nicht mehr da", sagte der 48-Jährige. Ohnehin kennen die Union-Scouts Schalke so gut wie jeden anderen Liga-Kontrahenten, meinte Ruhnert.

Dass Union und Schalke - zwei Clubs mit besonders enger Fan-Bindung - die schlechtesten Teams der Geisterspiel-Phase sind, mag Zufall sein. Die Absenz der eigenen Anhänger im Stadion haben sie bei den Eisernen ohnehin längst zum Tabu erklärt. Fragen zum Thema wurden bei der virtuellen Pressekonferenz erst gar nicht mehr angenommen. "Es ist dazu alles gesagt", hieß es.

Fischer erkannte immerhin gewisse "Parallelen" zwischen Schalke und Union, bezog diese aber wohl eher auf Abläufe auf dem Rasen. Konsequenteres Agieren mit mehr Selbstvertrauen ist Fischers Wunschvorstellung. Beides werde sich im Idealfall durch das andere potenzieren. "Wir müssen die Offensive wieder beleben und trotzdem die Ordnung nicht verlieren. Nur zu verteidigen, wird nicht aufgehen, nur nach vorne zu rennen, wird auch nicht funktionieren", sagte Fischer.

Ruhnert erinnerte daran, dass Schalke eigentlich ganz andere Ziele hatte, als am 30. Spieltag eine veritable Krise und letzte Zweifel am Klassenverbleib zu beenden. "Vor der Saison und auch im Winter wurden sie noch eingestuft, Richtung Champions League schielen zu können", sagte Ruhnert. "Natürlich wird Schalke mit Sicherheit nicht weniger Druck haben als Union." Fischer erinnerte derweil an das eine große Ziel von Union: "Wir können die Sensation schaffen, in dem wir die Liga halten."