Frankfurt am Main - Max Kruse lächelte im Schatten des mächtigen Vulkans Fuji, Stefan Kuntz strahlte unter der Sonne Tokios: Mit einem Video im Stile eines japanischen Anime-Films hat der DFB am Montag das Rätsel um seine 19 Olympia-Fahrer gelüftet und Lust auf den Medaillen-Kampf in Fernost gemacht. In die Vorfreude mischten sich aber auch kritische Töne über das Verhalten einiger Vereine.

Kritik an der Bundesliga

Die Bereitschaft, das Olympia-Team zu unterstützen, war in der Bundesliga unterschiedlich. Einige große Vereine wollten leider nicht so wie erhofft helfen“, sagte Kuntz nach wochenlangen Verhandlungen mit Spielern und Sportdirektoren. Da mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison keine Abstellungspflicht besteht, zierte sich der ein oder andere Klub dann doch.

Das Ergebnis kann sich dennoch sehen lassen. Der schillerndste Name ist wohl Max Kruse. Der 33-Jährige hat seit 2015 nicht mehr das DFB-Trikot getragen. Der heutige Profi des 1. FC Union war damals von Bundestrainer Löw wegen Undiszipliniertheiten aus dem Kader geworfen worden.

„Fußballerisch habe ich richtig Bock, nach Tokio zu reisen und die Olympischen Spiele mitzunehmen. Ich glaube, das ist einfach ein Riesenerlebnis“, hatte Kruse schon im Januar gesagt.

Sieben Spieler gewannen U21-EM

Kuntz durfte insgesamt drei Spieler nominieren, die vor 1997 geboren sind. Neben Kruse sind dies Nadiem Amiri (Bayer Leverkusen) und Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg), die 2017 unter Kuntz den U21-EM-Titel geholt hatten. Über die drei „Oldies“ hatte es reichlich Spekulationen gegeben. Die anfangs gehandelten Thomas Müller, Mats Hummels, Lars Stindl oder Kevin Volland wurden es am Ende nicht.

Stattdessen setzt Kuntz auf eine Mischung aus verdienten U-Nationalspielern der vergangenen Jahre und dem Stamm jener Mannschaft, die vor einem Monat überraschend U21-Europameister wurde.

Gleich sieben Spieler – Niklas Dorsch, Ismail Jakobs, Arne Maier, Amos Pieper, David Raum, Anton Stach und Josha Vagnoman – hatten in Ljubljana durch ein 1:0 gegen Portugal überraschend den Titel geholt. Im Tor dürfte der künftige Stuttgarter Florian Müller stehen.

Maximal zwei Spieler pro Verein

„Wir wollen so weit wie möglich kommen und um die Olympischen Medaillen mitspielen. Die Vorfreude steigt ins Unermessliche“, sagte Kuntz. Los geht es am 22. Juli in Yokohama mit dem Auftakt gegen Brasilien – die Neuauflage des verlorenen Endspiels von 2016 wird gleich zum Härtetest. Die weiteren Gegner der Vorrunde heißen Saudi-Arabien und Elfenbeinküste.

Mit den Klubs hatte Kuntz vereinbart, maximal zwei Spieler pro Verein mitzunehmen. Die Bestbesetzung wurde es allerdings nicht. Jonathan Burkardt vom FSV Mainz 05 etwa verzichtete freiwillig, auf den Freiburger Keven Schlotterbeck verzichtete Kuntz aus sportlichen Gründen. Der lange gehandelte Jonathan Tah von Bayer Leverkusen, Kapitän der U21 von 2019, steht ebenfalls nicht im Kader.

Immerhin: Ein Durcheinander wie 2016, als Horst Hrubesch die Olympia-Nominierung sogar um einen Tag verschieben musste, verhinderte Kuntz. In Brasilien wurde das bunt zusammengewürfelte Team erst im Finale von Neymar und Co. gestoppt. Mit einem solchen Erfolgszug wäre Kuntz sicher auch in Japan zufrieden.