Sebastian Polter wird sich wohl nicht richtig von den Fans verabschieden können.
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BerlinDie gute Nachricht des Tages hatte die Laune von Sebastian Polter aufgehellt. Obwohl, das ist eigentlich fast ein bisschen unfair. Denn eins hatte Unions Mittelstürmer in den vergangenen Wochen definitiv nicht – sich runterziehen lassen von Coronakrise und Zwangspause. „Das war unsere Aufgabe als Profisportler. Wir mussten uns mit der Situation arrangieren und bereit machen für den Tag X“, sagte der 29-Jährige im Skype-Interview.

Der Tag rückt nun offenbar näher, nachdem die Ministerpräsidenten von Bayern und Nordrhein-Westfalen, Markus Söder und Armin Laschet, einen Liganeustart ab dem 9. Mai in Aussicht gestellt hatten. Das stimmte Frohnatur Polter eben noch fröhlicher. „Das habe ich natürlich auch gelesen. Wenn das so ist, würde uns alle das sehr freuen. Aber das liegt nicht in der Hand von uns Sportlern. Da haben wir kein Mitspracherecht. Dafür gibt es die Gesundheitsämter, die Politik und das Robert-Koch-Institut  und die Spieler müssen sich fügen“, meinte der gebürtige Wilhelmshavener, der die ersten Wochen der Coronakrise mit der Freundin und seinen beiden sonst in Wolfsburg bei der Mutter lebenden Kindern am Jadebusen bei den Eltern verbracht hatte.

Polter ist ein schlechter Verlierer

„Die Kinder haben es genossen. Wir haben Hausaufgaben gemacht zusammen und viel gespielt. Uno, Mensch ärgere Dich nicht, Mikado, das volle Programm“, erzählt Polter lachend. Weil sein Nachwuchs es dabei nicht immer leicht hatte. „Ich kann ganz schlecht verlieren, ich will auch bei so etwas immer gewinnen“, sagte  der Angreifer. Ein Wermutstropfen hingegen war, dass er seine Geschwister und deren Kinder in der Zeit nicht sehen durfte.  „Da ist man einmal für längere Zeit zu Hause und konnte nur mit ihnen telefonieren. Da war echt hart“, so Polter.

Doch jetzt wirft er den Blick lieber wieder nach vorne. „Mal sehen, wann man wieder richtig ins Mannschaftstraining einsteigen kann. Wir haben ja kaum etwas als Team gemacht. Also nichts Taktisches, Zweikämpfe oder groß Torschusstraining mit einem Keeper im Kasten“, sagte Polter, der nicht davon ausgeht, dass das Niveau des Spiels durch die Zwangspause groß gelitten haben wird. „Und wenn, betrifft es ja alle Vereine. Das wird man dann sehen. Fit sind wir auf jeden Fall.“

Verabschiedung ohne Standing Ovations

Dass er sich womöglich aus Köpenick verabschieden muss, ohne sich von den Fans verabschieden zu können, wäre ein Kollateralschaden der Pandemie. Geisterspiele lassen kein Publikum zu, Standing Ovations also auch nicht. „Ich habe versucht nicht so daran zu denken. Ändern kann ich es ja nicht, aber es ist nicht schön, wenn man sich nur per Videoschalte für eine tolle Zeit bedanken kann“, meinte  der – neben Torsten Mattuschka – mit 42 Treffern Rekordzweitligatorschütze der Köpenicker.

Für welchen Klub er künftig auf Torejagd geht, ist offen. „Arbeitslos werde ich bestimmt nicht. Aber das Gesamtpaket muss auf jeden Fall stimmen“, sagte Polter. Also die Summe aus Nähe zu den Sprösslingen, Gehalt,  Einsätzen und Ligenzugehörigkeit. Am liebsten natürlich weiter in der Bundesliga. Selbst das Ausland schließt Polter nicht aus, wohlwissend, dass Corona das Gehaltsgefüge wohl drücken wird. Als einer der Spitzenverdiener der Köpenicker will er  mit seinen jetzt 29 Lenzen so etwas wie seinen letzten großen Vertrag der Karriere abschließen.