Hand aufs Herz und Mütze drauf: Sebastian Polter grinst vor Freude.
Foto: Matthias Koch

BerlinFür Schabernack war er ja schon immer zu haben. Also zog sich Sebastian Polter mit seinem typisch spitzbübischen Lächeln, das ihn immer wie einen kleinen Jungen erscheinen lässt, eine rote Wollmütze über den Kopf und machte sich selbst für die Fotografen zum Nappel. Nicht wirklich hübsch, auch wenn die Aufschrift „Berlin sieht Rot“ passend zum Derby-Triumph war und er mit einem Wischmob als Hauptbedeckung vor wenigen Monaten nach der Relegation schon weniger kleidsam rumgelaufen war.

So endete ein Abend ausgelassen fröhlich für den 28-Jährigen aus zweierlei Gründen. Einmal aus Erleichterung, weil eine aus dem Hertha-Block abgefeuerte Feuerwerksrakete nur weniger Meter neben seinen beiden Kindern und seiner Lebensgefährtin auf der Haupttribüne einschlug. Zum anderen natürlich aus Genugtuung. „So hatte ich mir das erträumt“, meinte der 1,92 m große Angreifer. Erträumt deshalb, weil ihm Trainer Urs Fischer vor wenigen Tagen schon verraten hatte, dass er wieder einmal nicht zur Startelf gehören würde. Wie schon im ganzen Saisonverlauf hatte der Schweizer dem Schweden Sebastian Andersson den Vorzug gegeben. Das wurmt Polter natürlich, auch wenn er es öffentlich nicht ausspricht, nur stets betont, dass er einfach „spielen“ wolle.

Er hat die Ruhe weg

Die nächste Gelegenheit dazu bestünde ja schon am kommenden Sonnabend, wenn es zu seinem ehemaligen Klub Mainz 05 geht. Einem der Erstligisten, die Union auf dem Weg zum Klassenerhalt auf Augenhöhe sieht. Ob er da endlich ran darf von Beginn an? „Dafür bin ich der falsche Ansprechpartner“, betonte Polter, der ohnehin erst einmal lieber den Sieg über Hertha BSC genießen wollte. Mit den Rheinhessen gelte es sich nach zwei freien Tagen ab Dienstag wieder zu befassen.

Also zurück zum Derby, wo Polter knapp sechs Minuten brauchte, um in den eisernen Fußball-Olymp aufzusteigen und unsterblichen Ruhm zu erlangen. So lange dauerte es in etwa bis der verhängte Elfmeterpfiff einer visuellen Überprüfung unterzogen worden war und Polter endlich anlaufen durfte. Wobei er da die Ruhe weg hatte trotz der Dramatik der Situation. „Ich stand ja auch lange genug da. Da muss ich ja Ruhe haben“, scherzte Polter ehe er die Sekunden genau rekapitulierte: „Ich wusste vorher genau, wo ich hinschießen wollte. Nach links oben. Das hatte ich mir vor dem Spiel für einen Elfmeter vorgenommen. Der Ball ist dann leider nicht so gut dahingegangen. Gott sei dank geht er trotzdem rein.“