Loris Karius treibt seine Vorderleute beim Debüt lautstark an.
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BerlinEs war nur ein Test. Aber für Trainer Urs Fischer so wichtig, dass er nicht im Traum daran dachte, Lennart Moser ein paar Minuten auf dem Feld zu gönnen. Nein, der 20-Jährige durfte die Partie gegen Hannover 96 (4:1)  nur von der Bank aus verfolgen. Weil sich Loris Karius zwischen den Pfosten tummeln sollte.

In der Vorwoche hatte der Schweizer Fußballlehrer gegen Mainz noch auf Andreas Luthe im Tor gesetzt. Auch und gerade weil die Leihgabe des FC Liverpool mit ein, zwei Trainingseinheiten in den Beinen logischerweise noch keine rechte Bindung zu seinen Vorderleuten aufweisen konnte. Doch jedem war klar, dass das eine Momentaufnahme bleiben würde. Der Kick gegen den Zweitligisten war also für Karius jetzt die Gelegenheit, seine neuen Kollegen besser kennenzulernen. Folglich spielte der 27-Jährige durch. 

Natürlich war das auch ein Thema für Teile des Boulevards. Der wies doch tatsächlich darauf hin, dass die Freundin von Karius, die Schauspielerin Sophia Thomalla, nicht unter den 1759 Besuchern in der Alten Försterei war, weil sie gerade in der Ägäis vor der Kamera rumturnt.

Nur 15 Minuten etwas zu tun für Karius

Wer nun wem von wo aus die Daumen drückt, kann Fischer egaler nicht sein. Für den Trainer der Köpenicker kommt es darauf an, dass Karius zeigt, dass er bereit ist für das kommende Auswärtsspiel auf Schalke. Manager Oliver Ruhnert wusste zwar unter der Woche berufsbedingt das Hohe Lied der Konkurrenz zu singen, wonach niemand eine Stammplatzgarantie habe. Aber was soll er denn auch sonst sagen? Karius, so er denn gesund bleibt, wird zur Nummer eins in Köpenick anvancieren. Und wenn er die Form erreicht, die ihm einst einen 6,2 Millionen Euro schweren Transfer vom FSV Mainz auf die Insel bescherte, ist das für Union mit Sicherheit ein Qualitätsgewinn.

Wie nun das Debüt des Blondschopfs bewerten, der nicht nur ganz gut Bälle pflücken kann, sondern auch mit den Füßen nicht zwingend der Feind der runden Kugel ist? Gar nicht so einfach. Denn Karius hatte gegen die Niedersachsen einen recht geruhsamen Tag.

Wie sieht also Fischers Fazit aus? „Positiv“, meinte der 54-Jährige. „Es war nicht ganz einfach für ihn. In der ersten Halbzeit hatte er fast nichts zu tun. Ein Schuss, den er halten musste – ansonsten war er arbeitslos.“

Kaufoption für Karius wäre unsinnig gewesen

Einmal musste Karius hinter sich greifen. Nach der Pause, als Union eine Viertelstunde lang vor sich hin schwächelte. Den Anteil des 27-Jährigen daran wollte Fischer aber gar nicht groß bewerten. „Das haben wir einfach nicht gut gemacht, wir waren nicht bereit in der zweiten Hälfte. Dann musst du dich nicht fragen, wenn du dann ein Tor kassierst“, haderte er mit dem Defensivverhalten seiner Mannschaft in dieser Phase insgesamt, als der Zweitligist auf einmal seine Chance sah, ehe die Köpenicker nach einem weithin vernehmbaren Donnerwetter des Trainer (Fischer leicht grinsend: „Manchmal braucht es einen Impuls“) einen Gang hochschalteten und am Ende standesgemäß 4:1 (1:0) gewannen.  

Immerhin einmal konnte Karius seine Klasse zeigen, als er gegen den frei zum Abschluss kommenden Hendrik Weydandt mit einem tollen Reflex parierte (63.). „Die Viertelstunde nach der Pause hatte er ein bisschen zu tun. Das war ein guter Einstand für ihn, um anzukommen“, so Fischer.

Übrigens, dass manch einer bedauert, dass Union bei Karius keine Kaufoption hat, verwundert Manager Oliver Ruhnert. „Wenn man über das Thema Karius spricht und man weiß, dass er in Liverpool unter Vertrag steht, dann kann man sich vorstellen, dass es hier um Millionen geht.“ Klar könne man sich dann eine Kaufoption reinschreiben lassen. „Aber dann muss Herr Zingler den Verein verkaufen, um den Spieler zu verpflichten“, so Ruhnert.