Unions Unentschieden in Paderborn: Die Angst vor dem Aufbaufehler

Paderborn - Die Qualität eines Fußballspiels kommt auch gern mal in einem einzigen Zweikampf zum Ausdruck. So wie bei der Zweitligabegegnung zwischen dem SC Paderborn und dem 1. FC Union, als Christopher Lenz, der Linksverteidiger der Eisernen, in der 23. Minute beim Versuch einer Abwehraktion von den gegnerischen Angreifern Christopher Antwi-Adjuj und Babacar Gueye von links und rechts attackiert wurde. In die Mangel beziehungsweise Zange genommen, nennt man das wohl auch noch im Fußballjahr 2018, das auch in der Zweiten Liga in der wörtlichen Beschreibung vom Umschaltspiel- und Gegenpressing-Gequatsche bestimmt wird.

Gar nicht schön also war diese Szene, und eben auch sinnbildlich für ein Spiel, das keinen Sieger verdient hatte und mit einem 0:0 auch ein entsprechendes Ergebnis zeitigte. Wenngleich an dieser Stelle doch gleich mal erwähnt werden soll, dass der 1. FC Union zumindest ab der 60. Minute so agierte, wie man es von einem Tabellendritten erwarten darf. Etwas konzentrierter in der Defensive, etwas energischer in der Vorwärtsbewegung. Aber 30 Minuten elanvoller Fußball, das ist die Lehre, die man aus diesem Spiel ziehen darf, sind halt eben gern mal ein paar elanvolle Minuten zu wenig, um dafür auch mit drei Punkten belohnt zu werden.

„Das ist, wenn man das ganze Spiel Revue passieren lässt, ein gerechtes Remis“, sagte Unions Trainer Urs Fischer, der es mit dieser Einschätzung freilich nicht bewenden lassen wollte. Der 52-Jährige fügte an: „Aber ein bisschen nervt’s mich schon, dass wir aus unseren zwei, drei klaren Torchancen nichts gemacht haben. Was ich auch noch sagen möchte, was ansonsten ja nicht so meine Art ist: Das war wieder ein klarer Elfmeter, das dritte oder vierte Mal, dass wir aber keinen bekommen. Das ärgert mich.“

Vergebene Chancen

Auf welche Szenen Fischer dabei Bezug nahm, war allen Anwesenden im Presseraum des Paderborners Stadions klar. Da war zum einen Sebastians Anderssons Scheitern an Paderborns Keeper Leopold Zingerle in der 68. Minute, nachdem Grischa Prömel in einem lichten Moment mit einem feinen Pass durch die Reihen des Gegners den schwedischen Angreifer in Position gebracht hatte. Zum anderen zielte Fischer auf das vermeintliche Foul gegen Joshua Mees, als ebendieser nach einem Kopfball von Andersson gegen die Querlatte beim Nachschussversuch eine Behinderung erfahren haben soll. Das konnte man so sehen, musste man aber nicht. Letztendlich vergab Mees jedenfalls die aussichtsreichste Chance auf die Führung, als ihm im Chaos der Paderborner Abwehr bei einem Drehschussversuch die Nerven oder eben die Torschusstechnik versagte (86.).

Während sich Fischer also im Nachgang der Partie doch erst mal an Details abarbeitete, ging sein Kapitän Christopher Trimmel sogleich in die Tiefe. „Wir haben es defensiv heute über 90 Minuten gut gemacht“, sagte der Österreicher, um allerdings auch gleich mal über die Schwächen zu reden: „Die ersten 45 waren heute mit Ball nicht gut und deshalb sieht das Spiel so aus, wie es aussieht. Und Kompliment auch an die Paderborner, die das mit dem hohen Pressing auch sehr gut machen, einem wirklich keine Zeit lassen. Wir müssen uns offensiv aber sicherlich verbessern. Manchmal ist es nämlich schon besser, wenn man länger am Ball ist.“

Insbesondere der in den vergangenen Wochen als zentrale Figur gelobte Manuel Schmiedebach hatte an diesem Nachmittag anfangs große Probleme, das Spiel der Unioner zu ordnen. Seinen Pässen, die eigentlich das Spiel der Eisernen in Fluss bringen sollten, fehlte gern mal das richtige Timing. Darüber hinaus ließ er auch bei dem einen oder anderen Zweikampf die notwendige Schärfe missen. Zu seiner Verteidigung kann angebracht werden, dass die Abwehrreihe mit Trimmel, Florian Hübner, Marvin Friedrich und den bereits erwähnten Lenz allzu oft aus Angst vor dem Aufbaufehler mit langen Bällen eine geordnetes Spiel im Mittelfeld unmöglich machten. (BLZ)