Am Dienstag sahen die beiden Hunde nass und struppig aus. Es regnete in Krasnaja Poljana. Und die zwei herrenlosen Terrier liefen auf dem Gehweg nebeneinander her. Ein paar Tage zuvor hatten sie sich noch mitten auf die Rampe gelegt, die zur Sicherheitsschleuse des Pressezentrums führt. Die Februarsonne schien ihnen aufs Fell. Sie sahen entspannt und schläfrig aus. So, als sei ihnen die Hektik des olympischen Treibens an den Schanzen, auf den Pisten, in den Loipen und den Eishallen rund um Sotschi herzlich egal.

Sie wussten ja nicht, wie groß der Aufschrei schon vor den Spielen war, als bekannt wurde, dass es ihnen an den Kragen gehen soll. Mehr als 2000 herrenlose Hunde, wurde gemeldet, soll es zwischen den olympischen Stätten geben. Und professionelle Tierfänger seien von der Stadtverwaltung engagiert, um das Stadtbild schön sauber zu halten. Tierschützer machten sich auf, um die Hunde zu retten. Manche brachten sie heimlich aus der Stadt. Und weil der Protest immer größer wurde, stellte die Stadtverwaltung plötzlich die Eröffnung eines Tierheims in Aussicht.

Alle Gullideckel am Platz

Nun ist es so, dass es vor den Winterspielen in Russland eine ganze Menge an Meldungen gab. Manche davon waren zutreffend, und andere übertrieben. Manche waren alarmierend, andere nicht ganz so gravierend. Etwa die Nachricht, dass der Diebstahl von Gullideckeln die Stadtverwaltung von Sotschi Zehntausende Euro kosten soll. Bürgermeister Anatoli Pachomow sprach von einem kriminellen Geschäft. Täglich würden 30 bis 50 Schachtdeckel geklaut. Und man musste fürchten wegen der Metallhändler-Mafia, bei jedem fünften Schritt in einen schwarzen Schlund zu purzeln – direkt hinein in die frisch in die Berge gestampfte Kanalisation.

Die Wahrheit ist nun: Auf den Gehwegen und Straßen klaffen keine Löcher. Alle Gullideckel sind an ihrem Platz und bisher ist in Sotschi noch niemand in ein Loch gefallen – jedenfalls in keines, auf dem vorher ein Gullideckel war. Und wie es aussieht, sind auch nicht alle Hunde weggefangen. An dem Tag, an dem ein strubbeliger Labradorwelpe auf einem Gullideckel stand und das Wasser, das sich dort gesammelt hatte, schlabbernd trank, da hatte zusammengefunden, was in Sotschi neben den Athleten und ihren Wettkämpfen eben auch zu Olympia gehört.

Von den Athleten allerdings hat sich Gus Kenworthy als großer Hundeliebhaber hervorgetan. Der Ski-Freestyler aus den USA, so lautet die Nachricht, hat sich in eine Streunerfamilie verliebt. Und nun hat er vor, die Hundemutter und ihre vier Welpen mit heim nach Colorado zu nehmen. Transportboxen sind dafür schon besorgt, jetzt fehlen noch die Impfungen. Und das Beste an dieser Geschichte ist, dass Gus Kenworthy ebenfalls zur Metall-Mafia gehört. Er lässt neben den Hunden aus Sotschi auch ein Andenken mitgehen, das zwar viel kleiner, aber genauso rund ist wie ein Gullideckel ist: die Silbermedaille im Slopestyle-Wettbewerb.