Bad Kleinkirchheim - Am Ende der Vormittagseinheit vor dem Abschlussspiel im Trainingslager gegen Birmingham City (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) wuchtete Toni Leistner ein paar Bälle per Kopf ins Tor und scherzte mit Christopher Trimmel, der ihm die Flanken servierte. Ist also alles gut beim 1. FC Union? Bleibt der Innenverteidiger dem  Verein treu, dem er sich vor drei Jahren angeschlossen hat? Jens Keller hat den 26-Jährigen während der eineinhalb Wochen in Kärnten zum Gespräch gebeten. „Na klar, reden wir über so etwas“, berichtet der Union-Trainer. Und meint Leistners Wechselgedanken.

„Ich gehe davon aus, dass Toni bei uns bleibt“, sagt Keller. „Fakt ist: Ich sage, was ich sportlich möchte − und ich hätte ihn sehr gerne hier.“ Aber der Coach weiß natürlich auch, dass es Fakten gibt, auf die er keinen Einfluss hat. „Wenn jetzt plötzlich ein unmoralisches Angebot kommt, ist das eine Geschichte des Vereins, die ich akzeptieren muss. Damit habe ich dann auch kein Problem“, fügt der 46-Jährige an. „Das ist nicht meine Baustelle. Wie hoch die Angebote sind, das interessiert mich nicht. Es ist auch nicht so, dass der Verein bei Angeboten jedes Mal zu mir kommt.“

Union bestätigt Angebot

Dass Leistner von England träumt, ist kein Geheimnis. Er soll bereits um die Freigabe gebeten haben. Vertraglich ist er noch bis Saisonende an die Köpenicker gebunden. Am Dienstag gab der Vereinssprecher zu verstehen, dass das 3,5-Millionen-Euro-Angebot von Norwich City für Union nichts Neues sei. Die Zahlen seien seit Wochen bekannt.

Allerdings bewegt sich die Offerte offenbar noch nicht in einem Bereich, der die Klubführung ernsthaft über den Verkauf nachdenken lässt. Zumindest sind die Aussagen von Keller so zu verstehen. Er  weist darauf hin, dass der Verein erst das  Gespräch mit ihm suche, wenn ein Verkauf wirklich in Erwägung gezogen wird.

Unter Zugzwang sieht sich Keller daher nicht. „Es ist ja nicht so, dass es momentan bei uns brennt.  Wir haben vier Innenverteidiger“, sagt er. Darunter sind allerdings ein derzeit Kranker (Michael Parensen) und ein Verletzungsanfälliger (Fabian Schönheim).

Keller selbst ist ein Typ, der an den Wert einer Unterschrift glaubt. Seine Verträge als Spieler hat er meist erfüllt, nur einmal verließ er seinen Klub auf eigenen Wunsch. Dennoch versteht er Fußballer wie Leistner. „Das sind Profis. Wenn einer richtig Geld verdienen kann, muss man auch dafür Verständnis haben. Man muss auf einen Konsens kommen, mit dem beide Seiten zufrieden sind und Höchstleistungen erbringen können.“

Ein schlecht gelaunter Abwehrchef ist schließlich auch keine Lösung. Leistners Traum von England und Unions Traum von der Bundesliga scheinen unvereinbar zu sein.

Ansetzungen 1. FC Union Berlin