Unions Trainer Urs Fischer bleibt sich vor dem Derby gegen Hertha BSC treu. 
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BerlinMan hätte getrost die Uhr danach stellen können. Verdächtig, ein Ausbund an überschäumender Empathie zu sein, war Urs Fischer ja noch nie. Folglich erachtet der Schweizer Fußballlehrer die sogenannte Stadtmeisterschaft – also in Hin- und Rückspiel besser abzuschneiden als der Lokalrivale – als ein Muster ohne größeren Wert. Folklore eben. Dem stets als akribischem Facharbeiter daherkommenden Eidgenossen ist eine solche Überhöhung suspekt. „Für mich zählt in erster Line der Ligaerhalt, nicht die Stadtmeisterschaft.“

Natürlich weiß er um den Stellenwert bei der Anhängerschaft.   „Wenn beides eintreffen würde, umso schöner“, so sein Credo. Nur deshalb den Fans nach dem Mund reden? Nein, nicht sein Ding. Er kann halt nicht aus seiner Haut. Warum sollte er sich auch ändern? Es ist keine Stärke, wenn man etwas vorgibt zu sein, was man gar nicht ist.

Da aber 30 Zähler kaum ausreichen werden, um dem Liganeuling den Klassenverbleib zu sichern, ist sein Fokus einzig darauf gerichtet, so schnell wie möglich das Punktekonto aufzufüllen.   Ein Sieg im Olympiastadion wäre für ihn nur deshalb wichtig, weil Union damit einen großen Schritt auf dem Weg zum eigentlichen Ziel machen würde. Ausruhen dürfe man sich auch danach nicht. Erinnert sei hier nur an das Beispiel des FC St. Pauli, der zwar bei seinem letztmaligen Erstligagastspiel 2010/11 im Volksparkstadion triumphierte, danach aber in den weiteren zwölf Partien nur noch einen Zähler holte und sang- und klanglos abstieg.

Besonnen und pragmatisch

Das will Fischer vermeiden. Wenn er dieses Duell überhöhen würde, könnte tiefenpsychologisch eine Last von seinen Kickern abfallen, die dadurch womöglich die Gefahr liefen, nicht mehr alles aus sich herauskitzeln zu können. Mit dieser Art und Weise ist Urs Fischer ein Stück weit ein Anti-Labbadia. Von Ehrgeiz ähnlich getrieben wie Herthas Coach. Aber besonnener und pragmatischer. Und Hektik wird am Freitagabend ein schlechter Ratgeber sei.

Daher tüftelte er in diese Woche nach seiner Rückkehr auf den Trainingsplatz, wie er sein Team ein- und aufstellen soll. So kehrt wohl Sebastian Andersson ins Team zurück. Klar ist, dass Marvin Friedrich den gesperrten Keven Schlotterbeck ersetzt.

Was den Anhang aber nicht davon abbringen wird, von einem ähnlich Schlussakt wie im Hinspiel zu träumen. Da traf Sebastian Polter in der 87. Minute per Elfmeter zum 1:0-Sieg. Wäre Fischer wohl egal, wer trifft. Aber etwas dagegen hätte er nicht, wenn das Spiel so dramatisch-kitschig enden würde wie am 2. November vergangenen Jahres.