Berlin - Fußballfans sind keine Verbrecher! Diesen Sprechchor hört man oft aus Fankurven in Fußballstadien, wenn dort mit Pyrotechnik gefackelt wird, und Ordner mit Leucht-Westen halbherzig einschreiten. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht dieses Verhalten der Fans durchaus als strafwürdig an und verhängt hohe Geldstrafen – an die Vereine, die das Gezündel nicht verhindert hätten. Dagegen hat Viertligist Carl Zeiss Jena am Bundesgerichtshof (BGH) geklagt – und ist am Donnerstag unterlegen. Eine Strafe sei als Präventivmaßnahme auch ohne Verschulden des Vereins zulässig, so die Richter.

Das sei doch unrecht, für etwas verurteilt zu werden, was man nicht selbst getan hat, finden viele Vereine, gerade aus der dritten und vierten Liga, die Geldstrafen von 10.000 Euro härter treffen als Bundes- oder Zweitligisten, die das aus der Portokasse zahlen. Doch sind die Vereine so schuldlos?

Viele Klubs brüsten sich gerne mit der tollen Stimmung im Stadion, wo oft eher die Atmosphäre die Zuschauer anlockt als die hochklassigen Darbietungen auf dem Rasen. Da gehören Bengalo-Fackeln für viele offenbar dazu. Auch weil das die Klubs insgeheim gar nicht so schlecht finden, stellt man gerne günstig Fans als Ordner an, die andere Fans nur halbherzig nach Mitbringseln abtasten am Einlass. Wie wollen die Vereine da ernsthaft einzelne Verursacher identifizieren und die Strafen an sie weiterreichen? Zumal Privatpersonen noch seltener Zehntausende Euro übrighaben als Viertligavereine im Fußball.

Die Klubs sollten eher aufpassen, den Bogen nicht zu überspannen. Sie sind es schließlich, die ihre Fans zu Spielen herbeirufen und deshalb auch mit Verantwortung für die Sicherheit tragen. Stattdessen schreitet dort oft die Polizei ein, wenn es ernst wird. Genau wie vor den Stadien. Alles auf Kosten der Steuerzahler. Warum zahlen die Vereine das nicht selbst? Weil sie dann deutlich professionellere und teurere Ordner bräuchten.