Berlin - Uwe Seeler freut sich schon. Die große Sause zu seinem 85. Geburtstag muss zwar ausfallen, Uns Uwe soll sich schonen, aber seine Ilka zaubert ihm natürlich eine seiner Leibspeisen – Rouladen und Rotkohl. „Das Schönste, was es auf der Welt gibt, ist normal zu sein“, sagte Seeler – und das gilt bei dem Fußball-Idol auch fürs Essen.

Alles andere als normal ist für Seeler hingegen die Zeit rund um seinen Geburtstag am Freitag. Er, der so gerne unter Leute geht, der den Klönschnack liebt und so viel zu erzählen hat, musste alle offiziellen Termine absagen. „Uwe fühlt sich nicht gut“, sagte Ilka Seeler: „Die Lage ist nicht kritisch, aber der Arzt hat ihm eindringlich geraten, sich zu schonen.“ Gefeiert wird nur zu Hause im engsten Familienkreis, mit den drei Töchtern, den sieben Enkeln und der Urenkelin.

Sich schonen? Wer Seeler kennt, der weiß, wie schwer ihm das fällt. Zeit seines Lebens hat er sich nie geschont. Erst auf dem Platz. Für Deutschland und den Hamburger SV hat sich der Angreifer immer voll reingehauen, die Ärmel hochgekrempelt, gekämpft, gewühlt. Und das berühmte „Nein“ zu Inter Mailand machte Seeler endgültig zu einer Legende, dafür schlossen sie ihn nicht bloß in Hamburg auf ewig in ihre Herzen. Dann nach der Karriere. Seeler blieb ein Star zum Anfassen, immer ansprechbar, immer freundlich und nie um einen kecken Spruch verlegen. Uns Uwe eben.

„Alt werden ist nichts für Feiglinge“, pflegt Seeler seit ein paar Jahren zu sagen. Die Probleme werden auch beim Hamburger Ehrenbürger nicht weniger. Seit einiger Zeit muss sich Seeler immer wieder einschränken. 2020 erlitt der Vize-Weltmeister von 1966 bei einem schweren Sturz einen Hüftbruch, er bekam eine künstliche Hüfte eingesetzt. Ihm machen zudem die Folgen eines unverschuldeten Autounfalls von vor elf Jahren zu schaffen, ihn plagen Rückenprobleme, auf dem rechten Ohr hört Seeler nicht mehr und er klagt über Gleichgewichtsprobleme. 2017 wurde ihm erfolgreich ein Herzschrittmacher eingesetzt, zuletzt stolperte er zu Hause und landete mit dem Gesicht im Kaffeeservice, das Blut strömte.

Zwangsläufig kommen auch bei Seeler Gedanken an den Tod hoch, zumal sein guter Kumpel Gerd Müller in diesem Jahr verstorben ist. „Davor weglaufen kann keiner. Es ist der Weg, den wir alle mal gehen“, sagte er der Bild-Zeitung. Einen großen Wunsch hat Seeler aber noch in seinem Leben. Und der betrifft natürlich den HSV: „Das wäre für mich das Allergrößte, wenn ich noch den Aufstieg in die Bundesliga miterleben könnte.“