Berlin - Am Ende gab es zur Belohnung ein Eis. Für Hilke Feldrappe ein Magnum Classic, für Leoni Kreyenfeld eins mit Mandeln. Normalerweise steht Eis eher selten auf dem Ernährungsplan der jungen Leistungssportlerinnen, aber am Sonnabend war es wohlverdient. Zwei Tage lang hatten die Basketballerinnen zuvor beim deutschen 3x3 Pokalwettbewerb der Finals in Berlin sportlich alles aus sich herausgeholt. Und das sehr erfolgreich: Mit dem Team Frankfurt gewannen die Berlinerinnen am späten Samstagabend im U18-Wettbewerb die Silbermedaille.

Insgesamt 240 Teilnehmer waren am Wochenende bei der 3x3 Champions Trophy in Berlin in vier Spielklassen im Einsatz. Was kompliziert klingt, ist schnell erklärt: 3x3 ist eine Basketballvariante, bei der nicht wie üblich fünf gegen fünf, sondern stattdessen eben drei gegen drei gespielt wird – auf einen Korb, mit zehn Minuten Spielzeit, verkürzter Angriffszeit und deutlich mehr Physis. Ein Konzept, das aufgeht: Ab den diesjährigen Sommerspielen in Tokio wird 3x3 olympisch, und auch hierzulande gewinnt die Basketballvariante zunehmend an Beliebtheit.

Neun Spielerinnen von Alba Berlin starten in verschiedenen Teams

Da passt es bestens ins Bild, dass auch die Basketballerinnen von Alba Berlin um Lena Gohlisch, Feldrappe und Kreyenfeld bei den Finals mit von der Partie waren. Normalerweise spielen sie in der Halle in der 2. Bundesliga, am Wochenende waren gleich neun von ihnen in mehreren Teams beim 3x3 am Start. „Es hat super viel Spaß gemacht. Das Gefühl, endlich mal wieder ein Turnier zu spielen, war einfach geil“, erklärte die 17-jährige Feldrappe im Anschluss fast euphorisch. Umso verständlicher jedoch, wenn man bedenkt, dass Albas Basketballerinnen coronabedingt seit vergangenem Oktober nur noch trainiert haben. Zuletzt auch mit Fokus auf das 3x3-Format. „Wir haben den letzten Monat über sehr viel drei gegen drei trainiert“, sagt Lena Gohlisch, „ohne Einwürfe und mit der zwölf Sekunden Angriffszeit.“

Wie sehr dieser Regeländerungen den Basketball verändern, ließ sich im Berliner Jahnsportpark am Wochenende gut beobachten. Verglichen mit dem Spiel in der Halle, ist 3x3 nicht nur schneller, sondern auch weniger strukturiert. Anstelle von Spielsystemen und taktischer Feinarbeit stehen Kreativität und Intuition. „Bei Alba muss ich als Aufbauspielerin viel nachdenken und organisieren. Beim 3x3 stehen zwar alle am Ende keuchend auf dem Feld, aber dafür kann man einfach zocken“, sagt Lena Gohlisch. Und Leoni Kreyenfeld ergänzt: „Man kann auch mal einen wilden Step-Back-Dreier nehmen, das hat schon Streetball-Charakter.“

Kein Wunder, liegen doch die Wurzeln des 3x3 genau dort. So hatte auch der Wettbewerb bei den Finals sehr viel Streetball in sich: Ein DJ, der Old School Hip-Hop aus den Boxen rund um die drei Courts hallen ließ, oder die harte Gangart während der Spiele. Und auch die Menschen, die hinter dem Zaun zur Topsstraße standen und den Basketballern durchs Gitter zuguckten, trugen zum Flair bei.

Bezeichnend für den Aufschwung des 3x3 Basketballs ist, dass man zumindest die Finalspiele aber nicht nur durchs Zaungitter, sondern auch im Fernsehen verfolgen konnte. Bei den Frauen bekam man dabei mit das Beste, was es im deutschen Basketball derzeit gibt, geboten. Alle Spielerinnen der Finalteams aus Hannover und Düsseldorf sind oder waren auch in der Halle Nationalspielerinnen. Und auch bei den Männern waren die Spieler des Siegerteams aus Düsseldorf bei weitem nicht die einzigen Basketballprofis im Feld. „Man hat beim 3x3 inzwischen einen extrem guten Mittelweg aus Streetball und organisiertem Wettbewerb gefunden“, erklärt Gohlisch den Umstand, dass immer mehr hochklassige Basketballer inzwischen auch 3x3 spielen.

Mittlerweile gibt es Welt- und Europameisterschaften

Seit 2010 wurde das freie, kreative Spiel Stück für Stück in den Rahmen eines gut strukturierten Sports verpackt. Es gibt mittlerweile Welt- und Europameisterschaften, eine vom Basketball Weltverband Fiba organisierte und hochdotierte World Tour sowie zahlreiche nationale Events. Reizvoll ist hierbei auch der einfache Zugang zu den Wettbewerben: „Jeder, der vier Leute zusammenbekommt, kann sich für Turniere anmelden“, sagt Kreyenfeld mit Blick auf die nationale Ebene, und Gohlisch ergänzt in Bezug auf Turniere wie Olympia: „Viele Nationen, die es im Fünf-gegen-fünf niemals dorthin schaffen würden, haben jetzt eine Chance, sich zu qualifizieren.“

Hilke Feldrappe und Leoni Kreyenfeld sind von Olympia naturgemäß noch ein gutes Stück weit entfernt. Dass dennoch auch sie großen Gefallen am 3x3 gefunden haben, wird einmal mehr deutlich, wenn Feldrappe mit ihrem Eis in der Hand sagt: „Ich hätte jetzt auch noch drei Tage weiterzocken können.“