Und es hätte sogar noch eine weitere schlechte Nachricht geben können. Denn auf einmal wurde es laut: ein aufheulender Motor, quietschende Reifen und ein brüllender Pförtner, hey, du, langsamer, hey, du, jedenfalls sehr viele Ausrufezeichen, weil dieser schwarze Ferrari, nachdem er die Schranke in Schrittgeschwindigkeit passiert hatte, beschleunigte, als sei der Schenckendorffplatz eine Autobahnauffahrt. Dann, bevor ein weiterer Spieler von Hertha BSC oder irgendein Trainingsfan Schaden nehmen konnte, drosselte der Ferrari doch noch sein Tempo. Der Fahrer: Arthur Abraham. Das Nummernschild: B OX. Berlin hat keinen zweiten Sportler, der so gern auffällt wie der Champion im Supermittelgewicht.

Langkamps Gesicht? Schmerzverzerrt!

Am Dienstagvormittag bekam Abraham aber nur genervte Blicke zu spüren. Die Gedanken waren bei einem anderen Fahrzeug, einem blauen Transporter, der ein paar Minuten zuvor das Trainingsgelände verlassen hatte. Der Beifahrer: Innenverteidiger Sebastian Langkamp. Der Gesichtsausdruck: schmerzverzerrt. „So wie er sich gerade verhalten hat, befürchte ich etwas Schlimmes“, sagte Jos Luhukay. Der Trainer schluckte. Atmete durch. „Grausam ist das, weil wir in der ganzen Vorbereitung keine Verletzten hatten.“ Und jetzt das.

Neben Langkamp, der nach einem harmlosen (Luhukay: „unschuldigen“) Schussblockversuch gegen Julian Schieber schreiend zu Boden gefallen war und von sechs Helfern in den Transporter getragen werden musste, wurde gestern auch bekannt, dass Alexander Baumjohann sich in der letzten Trainingswoche nicht nur das Knie verdreht hat. Die neue Diagnose lautet: wieder ein Kreuzbandriss. Und dann kam die nächste schlechte Nachricht hinterher: Auch Nachwuchstorwart Marius Gersbeck hat sich am Wochenende verletzt und musste am Meniskus operiert werden. Von wegen normaler Trainingstag.

Mehrere Monate Pause für Baumjohann

Langkamp zog sich einen Teilriss des Außenbands zu. Er fällt vier Wochen aus. Bei Baumjohann darf man von ein paar Monaten Pause ausgehen. Sieben waren es in der vergangenen Saison, als Herthas Spielmacher am vierten Spieltag das Kreuzband riss. „Das ist mental nicht einfach für ihn“, sagte Luhukay. „Er hat sich so viel vorgenommen.“ Baumjohann sei ein Fußballliebhaber, sagte der Trainer. Und das war schon ein Hinweis darauf, dass auch er sich einiges vorgenommen hatte: In Luhukays System sollte Baumjohann endlich die ihm zugedachte wichtige Rolle spielen. Aber was soll ein Trainer anderes machen, als nach vorne schauen, also sprach Luhukay: „Wenn ein Spieler ausfällt, dann bekommt ein anderer seine Chance.“ Kurze Gedankenpause – Baumjohann, Langkamp, Gersbeck, dazu Genki Haraguchi und Tolga Cigerci. „So ist das nun mal.“

Für Langkamp hat Luhukay zwei Alternativen: entweder Fabian Lustenberger, der Kapitän, der seit ein paar Wochen wieder mit der Mannschaft trainiert, aber zur Sicherheit immer noch mit Fußball- und Laufschuhen den Platz betritt. Und John Brooks, der sich nach einer guten WM mit den USA wohl mehr erhofft als nur einen Bankplatz. „Das ist alles noch zu frisch“, sagte Luhukay. So oder so, Lustenberger oder Brooks – am Sonnabend in Leverkusen wird Hertha wieder mit zwei gesunden Innenverteidigern spielen.

Chance für Mukhtar

Spannender ist die Frage, wer sich als Ersatzmann für Baumjohann ins Spielzentrum drängt. Zurzeit Ronny. Aber auch der erlitt am Sonnabend einen Muskelfaserriss im Hüftbeuger und fehlt zehn Tage. Bleibt also offen, ob der Verein wie im Vorjahr den Ausfall seines Spielmachers mit zwei Transfers (Cigerci und Per Skjelbred) kompensieren will. Hertha würde Skjelbred gern holen, und Skjelbred würde gern zu Hertha wechseln, aber es tut sich nichts, bis der Hamburger SV irgendwas will.

Es muss nicht immer ein neuer Spieler sein. Es könnte auch einer aus der Nachwuchsabteilung aufrücken, einer wie Hany Mukhtar, 19, zum Beispiel. „Hany wird jetzt mehr Hoffnungen haben“, sagte Jos Luhukay. Und klang ein wenig so, als hätte er sie auch.