Vor einem Monat machten die Spieler des 1. FC Union einen Ausflug, bei dem Wut und Frust aus Kenny Prince Redondo herausbrachen. Die Fußballer hatten sich in der Trainingshalle von Alba Berlin getroffen, um ein bisschen Spaß zu haben. Basketball ist nicht der ideale Sport für den 1,81 Meter großen Redondo, aber der Angreifer lässt sich von einer Kleinigkeit wie Körpergröße nicht bremsen. Ein Mitspieler hielt ihn damals unter dem Korb fest, Redondo schied aus dem Wettkampf aus und drosch erbost zwei Bälle durch die Halle. Nicht ungefährlich für Kollegen und Zuschauer. Mit Redondo ist nicht zu spaßen, er will gewinnen. Und weil das so ist, hat er bei seinem erst sechsten Saisoneinsatz Union nun gegen Heidenheim vier Minuten nach der Einwechslung mit dem 1:1 einen Punkt gerettet − per Kopfball.

70 Minuten lang hatte wie schon zuletzt oft die Angst vor dem entscheidenden Fehler regiert. Niederlagenvermeidung war angesagt. „Wir haben zu wenig Spielfortsetzung nach vorne gesucht. Es lag an der Orientierung, den Ball erst mal sicher nach hinten mitzunehmen“, erklärte Union-Coach André Hofschneider die Raumfindungsprobleme im Angriff. „Beide Stürmer haben enorm viele Laufwege gemacht. Leider kam der Ball nicht.“ Höchstens Steven Skrzybski wusste seine Mitspieler ab und zu lückenöffnend zu bedienen. Das änderte sich erst mit der Hereinnahme von Akaki Gogia, Philipp Hosiner und Redondo, als Union bereits durch einen von Nikola Dovedan abgeschlossenen Konter in Rückstand geraten war.

Peter Kurzweg im linken Mittelfeld

Der 23-jährige Redondo ist ein Heißsporn − und ungeduldig. Siebeneinhalb Monate hatte er wegen einer Schultereckgelenkssprengung, die von einer Knieverletzung gefolgt wurde, nicht spielen können. Wenige Tage vor der Basketballeinheit war er im März auf den Rasen zurückgekehrt − für acht Minuten gegen Regensburg. Und gleich wollte er mehr. Tore und Startelfeinsätze wünschte er sich danach. Der Ausraster beim Basketball war die dunkle Konsequenz dieses Ehrgeizes. Jetzt gegen Heidenheim war es genau dieser unbedingte Siegeswille, der den Eisernen den Mut zurückgab.

Wie erwartet hatte Hofschneider mit der Rückkehr zur Viererkette auf die Sperre von Marvin Friedrich reagiert, überraschenderweise aber Verteidiger Peter Kurzweg ins linke Mittelfeld beordert. Der bereitete sogar die größte Chance in Hälfte eins vor (Simon Hedlund zielte am Tor vorbei) und hatte später selbst zwei Möglichkeiten, wobei er einmal besser für Hedlund durchgelassen hätte.

Der Ehrgeiz hat auch seine Schattenseite

Der eindimensionale Versuch, mit Passstafetten das Mittelfeld zu durchqueren, machte es den Gästen einfach, die Unioner Bemühungen zu stoppen. Bis der furchtlose Redondo das Spielfeld enterte. Der ebenfalls agile Hosiner flankte präzise, und Redondo erfüllte mit einem Kopfnicken Teil eins seiner persönlichen Zielsetzung. „Ich war lange raus. Sowas befreit“, sagte er. Ob kommenden Sonnabend in Darmstadt auch der zweite Punkt auf der Wunschliste abgehakt wird, der Startelfeinsatz? „Das muss der Trainer entscheiden. Ich fühle mich gut und fit“, sagte Redondo.

Hofschneider kennt jedoch die Schattenseite von Ehrgeiz. „Den Spieler muss man auch ein bisschen schützen“, sagte er. „Ich will nicht, dass er sich noch mal eine Verletzung zuzieht. Deswegen hat er zwischendurch immer wieder Trainingstage ausgesetzt, um frisch für das Mannschaftstraining zu sein.“ Die Belastung soll eigentlich behutsam gesteigert werden. Schließlich kommt Redondo nur auf 67 Einsatzminuten in dieser Saison – und wie sich gezeigt hat, braucht Union den schnellen Angreifer lieber kurz als gar nicht. Doch weil Kapitän Felix Kroos aufgrund einer Sprunggelenksverletzung, an der er seit mehreren Wochen laboriert, für die Partie in Darmstadt wohl ausfällt, könnte der Belastungsanpassungsprozess beschleunigt werden.